# taz.de -- Epsteins Russland-Kontakte: „Satanische Sümpfe“
       
       > Holte der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein im Auftrag des russischen
       > Geheimdienstes FSB Frauen in den Westen? Belege gibt es viele, Beweise
       > bisher nicht.
       
 (IMG) Bild: Maria Sacharowa, Stimme der moralischen Überlegenheit Russlands, rechts im Bild. Links neben ihr Putin, reinstens Herzens
       
       Die Epstein-Affäre ist jetzt auch im Kreml angekommen. Der Sprecher von
       Machthaber Wladimir Putin sah sich gezwungen, am vergangenen Dienstag
       Treffen zwischen dem Kremlherrn und Epstein zu dementieren. Denn in den
       jüngst vom US-Justizministerium veröffentlichten [1][Epstein-Dokumenten]
       behauptet eine anonyme FBI-Quelle: „Epstein war der Vermögensverwalter von
       Putin“. Und die beiden sollen sich getroffen haben. Das Dementi kam,
       nachdem auch russische Medien das Thema breit aufgenommen hatten.
       
       Epstein soll demnach auch versucht haben, Putin vor dessen erstem Treffen
       mit Donald Trump in Helsinki 2018 über den US-Präsidenten zu informieren.
       Der Name Putin wird in den veröffentlichten Epstein-Files 1.056-mal
       erwähnt, Russland 15.040-mal und die Stadt Moskau allein 9.486-mal.
       
       In Polen werden die neu aufgetauchten Papiere so ernst genommen, dass dort
       eine Untersuchung eingeleitet wurde, um zu klären, ob Epstein als Spion für
       Russland tätig war. „Immer mehr Hinweise, immer mehr Informationen und
       immer mehr Berichte in der internationalen Presse deuten darauf hin, dass
       dieser beispiellose Missbrauchsskandal von russischen Geheimdiensten
       mitorganisiert wurde“, sagte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk
       auf einer Kabinettssitzung am Dienstag.
       
       Tusk will jetzt ein Expertenteam einsetzen, um Epsteins Spur nach Moskau
       nachzugehen – denn er sehe die Sicherheit seines Landes in Gefahr: „Polen
       wird nicht so tun, als sei nichts geschehen.“ Denn die „sogenannte Honey
       Trap, eine süße Falle, wurde für die Eliten der westlichen Welt, vor allem
       der Vereinigten Staaten, aufgestellt“. Tusk meinte: „Das kann nur bedeuten,
       dass sie auch kompromittierendes Material gegen viele heute noch aktive
       Führungskräfte besitzen.“
       
       ## Kompromittierendes Material
       
       Diese „Honey Trap“ funktionierte demnach so: Epstein soll mit Hilfe des
       russischen Geheimdienstes FSB junge Frauen aus Russland in die USA geflogen
       haben. Die Mädchen und jungen Models sollen Politikern, bekannten
       Unternehmern und Mitgliedern von Königshäusern gezielt angeboten worden
       sein, um dann bei intimen Treffen Fotos und Videos für den FSB zu machen.
       In Russland wird dies „Kompromat“ genannt – kompromittierendes Material, um
       Menschen zu erpressen.
       
       Dass der FSB so arbeitet, ist belegt: Der frühere Generalstaatsanwalt Juri
       Skuratow, der gegen den damaligen Präsidenten Boris Jelzin wegen des
       Verdachts der Annahme von Schmiergeldern ermittelte, wurde 1999 beim Sex
       mit zwei Prostituierten gefilmt.
       
       Als Skuratow, dem die Aufnahmen gezeigt wurden, die Ermittlungen nicht
       einstellte, wurden sie im russischen Fernsehen gezeigt. Nach Angaben des
       russischen Internetportals „Kasparov.ru“ sei das Video von einer Person an
       den Sender „RTR“ übergeben worden, die dem damaligen FSB-Chef Putin
       ähnelte. Putin sagte kurze Zeit später in einem TV-Interview, dass das
       Video „authentisch“ sei.
       
       Einen anderen Vertreter des FSB hat Epstein nach den einsehbaren Unterlagen
       in einer pikanten Sache angemailt: Sergei Beljakow, einen Absolventen der
       FSB-Akademie. Er war von 2012 bis 2014 stellvertretender
       Wirtschaftsminister. Im Juli 2015, als die mit zahlreichen Rechtschreib-
       und Zeichensetzungsfehlern durchsetzte E-Mail geschrieben wurde, war er
       Vorstandschef des von Putin initiierten St. Petersburger Internationalen
       Wirtschaftsforums.
       
       Im November 2011 hatte Epstein sein Geschäfts-Jahresvisum für Russland auf
       Einladung der Organisation Wympel bekommen, wie das Recherchenetzwerk
       „Correctiv“ aus den Unterlagen herausfand. Wympel ist eine geheime
       Spezialeinheit des Geheimdienstes FSB.
       
       ## Freunde beim FSB
       
       Epstein berichtet von einer „russischen Frau aus Moskau“ – der Name ist
       geschwärzt –, die „versucht, eine Gruppe einflussreicher Geschäftsleute in
       New York zu erpressen“. Das sei „schlecht für das Geschäft aller
       Beteiligten … Vorschläge?“
       
       Zehn Tage zuvor hatte Epstein sich selbst eine Mail geschickt, in dem er
       einen Entwurf für eine Nachricht an die Frau skizzierte. Er sei „sehr
       enttäuscht über die Tatsache“, dass sie ihm gedroht habe. Er halte es „für
       notwendig, einige Freunde beim FSB zu kontaktieren“. Jemand, der versuche
       einen Geschäftsmann aus den USA zu erpressen, werde sofort zum vrag naroda
       erklärt – auf Deutsch ein Feind des Volkes. So ließ einst Stalin
       Widersacher nennen und hinrichten.
       
       Dass Epstein und seine Komplizin Ghislaine Maxwell regelmäßig in Russland
       waren, und zwar fast im ganzen Land unterwegs, belegen die veröffentlichten
       Dokumente detailliert. Einige Städte besuchte Epstein persönlich. Zudem
       organisierte er über seine Assistenten Reisen für Dritte dorthin, wobei er
       für Flugtickets und Hotelunterkünfte zahlte.
       
       ## Bill Gates bestreitet Vorwürfe
       
       Epstein brachte russische Mädchen in den Westen. [2][In den Dokumenten, die
       vom US-Justizministerium veröffentlicht wurden], befinden sich E-Mails mit
       der Bitte, Flugtickets für Models und ihre Begleiterinnen von Moskau nach
       Paris und von Moskau nach New York zu buchen.
       
       In einem Brief aus dem Jahr 2010 schrieb Epstein an den Adressaten: „Morgen
       organisiere ich ein Abendessen für einige neue russische Mädchen … wir
       sehen uns um 10 Uhr.“ Zwei Jahre später erhielt Epstein ein Schreiben: „Ich
       habe zwei russische Mädchen für Sie, eine ist 21, die andere 24. Die eine
       ist schlank, die andere hat üppige Formen und ist supernett.“
       
       Ob Epstein und sein Prostitutions- und Missbrauchsring auch Minderjährige
       aus Russland geholt haben, ist unklar. Ebenso die in den freigegebenen
       Unterlagen enthaltene Behauptung, Bill Gates habe sich wegen einer sexuell
       übertragbaren Krankheit behandeln lassen, die er sich „beim Sex mit
       russischen Mädchen“ zugezogen habe. Gates bestreitet dies nachdrücklich.
       
       Moskau nutzt die Epstein-Files als Waffe gegen den Westen 
       
       Vertreter:innen der russischen Führung nutzen die Unterlagen indes als
       Waffe gegen den Westen: Kirill Dmitrijew, einer der Unterhändler Putins mit
       der Ukraine und Chef des Staatsfonds RDIF, hat Verdächtigungen einer
       Verstrickung des FSB in den Epstein-Skandal am Mittwoch zurückgewiesen.
       „Die verzweifelten, verkommenen und verlogenen linken Eliten verfallen in
       Panik und versuchen, in die Irre zu führen“, schrieb der frühere
       Mitarbeiter von Goldman Sachs und McKinsey in den USA auf der Plattform X.
       
       Maria Sacharowa, Propagandistin des russischen Außenministeriums, nannte
       die Epstein-Affäre eine Heuchelei der westlichen Eliten. Diese bildeten
       sich größtenteils auf der Grundlage dessen, was sie „in diesen muffigen,
       blutigen Sümpfen“ kultivierten.
       
       In diesen „satanischen Sümpfen“ Epsteins „waren, wie ich verstanden habe,
       all die westlichen ‚Erzieher‘, die auf Russland herabblickten und uns in
       interessanten Posen mit ebenso interessanten Freizeitpartnern über
       ‚Demokratie und Menschenrechte‘ belehrten“, schrieb Sacharowa auf Telegram.
       
       6 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mathias Brüggmann
       
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