# taz.de -- Wirksame Verdi-Warnstreiks im ÖPNV: Tote Hose an den Haltestellen
       
       > Bundesweit stand am Montag der Nahverkehr fast still. Verdi rief
       > Beschäftigte zum Warnstreik auf und fordert bessere Arbeitsbedingungen.
       
 (IMG) Bild: Auch in Stuttgart blieben die Straßenbahnen am Montagmorgen im Depot
       
       Ob in Berlin oder Bremen, Kiel oder Köln, Magdeburg oder München, Schwerin
       oder Stuttgart: Am Montag kam der öffentliche Nahverkehr in weiten Teilen
       Deutschlands fast vollständig zum Erliegen. Busse, Straßen- und U-Bahnen
       blieben in den Depots, selbst die Wuppertaler Schwebebahn schwebte nicht.
       Mit Ausnahme von Niedersachsen hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi
       flächendeckend zu einem eintägigen Warnstreik aufgerufen, um in der
       laufenden Tarifrunde über neue Manteltarifverträge den Druck auf die
       kommunalen Verkehrsunternehmen zu erhöhen.
       
       Ziel war es, vor den jeweils vor Ort anstehenden zweiten Verhandlungsrunden
       Bewegung auf der Arbeitgeberseite zu erzwingen. „Die Beschäftigten im ÖPNV
       stehen unter hoher Belastung durch extrem ungünstige Arbeitszeiten,
       Schichtarbeit und ständigen Zeitdruck“, sagte die stellvertretende
       Verdi-Vorsitzende Christine Behle. „Wir brauchen hier dringend
       Verbesserungen.“
       
       Laut Behle blockierten die Arbeitgeber bisher fast alle Vorschläge.
       Teilweise wollten sie die Belastungen sogar erhöhen, etwa durch längere
       Schichten oder die Streichung des Krankengeldzuschusses. „Das Verhalten der
       Arbeitgeberseite ist ein Angriff auf bestehende Vereinbarungen“, sagte
       Behle. „Damit wird der ÖPNV als Daseinsvorsorge gefährdet.“
       
       Die Gewerkschaft [1][verhandelt für fast 100.000 Beschäftigte] in knapp 150
       städtischen Verkehrsunternehmen und Busbetrieben der Landkreise sowie
       [2][in den Stadtstaaten Berlin], Hamburg und Bremen. Vorab wurden in 15
       Bundesländern die Flächenmanteltarifverträge über die Arbeitsbedingungen in
       den Unternehmen des ÖPNV gekündigt, zudem die Haustarifverträge der
       Hamburger Hochbahn und der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH).
       
       ## Beschäftigte wollen bessere Arbeitsbedingungen erstreiten
       
       In den Verhandlungen fordert Verdi vor allem deutlich bessere
       Arbeitsbedingungen. Zu den Kernforderungen gehören in mehreren
       Bundesländern: Verkürzung der Wochenarbeitszeit, Verkürzung der
       Schichtzeiten, Verlängerung der Ruhezeiten und Erhöhung von Zuschlägen für
       Arbeit in der Nacht und am Wochenende. Da sich die jeweiligen Tarifverträge
       an vielen Stellen unterscheiden, gibt es jedoch keinen bundesweit
       einheitlichen Forderungskatalog.
       
       So fordert Verdi in Bayern, Sachsen oder in Berlin, wo es bereits [3][im
       vergangenen Jahr einen harten Arbeitskampf] für höhere Löhne gegeben hatte,
       unter anderem die Einführung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.
       In Brandenburg soll die wöchentliche Arbeitszeit auf 36 Stunden reduziert
       werden, in Niedersachsen auf 37,5 Stunden. In Baden-Württemberg steht
       demgegenüber die Anhebung des Überstunden-, des Nachtarbeits-, des
       Samstags- und des Sonntagszuschlags im Mittelpunkt. „Uns geht es in dieser
       Tarifrunde darum, die Belastungen zu mindern oder fair auszugleichen“,
       sagte Verdi-Vize Behle.
       
       Wegen Besonderheiten der dortigen Tarifverträge wird in Bayern,
       Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn
       zusätzlich über höhere Löhne und Gehälter verhandelt. Wobei auch hier die
       Forderungen nicht einheitlich sind. So fordert Verdi in [4][Bayern] eine
       Entgeltsteigerung von 668,75 Euro, in Brandenburg von mindestens 400 Euro
       und in [5][Thüringen] von 300 Euro.
       
       Nicht tangiert von den Warnstreiks war Niedersachsen. Hier beginnen die
       Tarifverhandlungen erst Mitte Februar. Derzeit gilt für die etwa 5.000
       niedersächsischen ÖPNV-Beschäftigten noch die Friedenspflicht. Der Grund:
       Die Kündigung des Tarifvertrags sei den Arbeitgebern in Niedersachsen zu
       spät zugestellt worden, teilte ein Verdi-Sprecher des Landesbezirks
       Niedersachsen-Bremen mit. Das bedeutet, dass in diesem Bundesland
       Arbeitskampfmaßnahmen bis zum 31. März ausgeschlossen sind.
       
       Ohnehin nicht betroffen von dem Ausstand waren die Fern- und Regionalzüge
       der Deutschen Bahn (DB) und auch nicht die S-Bahnen, da diese ebenfalls von
       ihr betrieben werden und daher nicht Teil der ÖPNV-Tarifverhandlungen sind.
       Auch bei der DB haben zwar im Januar Tarifverhandlungen begonnen. Dank
       einer Friedenspflicht bis Ende Februar, könnte hier die Gewerkschaft
       Deutscher Lokomotivführer (GDL) jedoch frühstens im März zu Warnstreiks
       aufrufen.
       
       2 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Oeffentlicher-Dienst-der-Laender/!6145850
 (DIR) [2] /Warnstreik-angedroht/!6150037
 (DIR) [3] /Schlichterspruch-im-BVG-Tarifkonflikt/!6081131
 (DIR) [4] https://www.verdi.de/bayern/presse/pressemitteilungen/oepnv-streik-bayern
 (DIR) [5] https://cms-s3.verdi.de/drupal/public/2026-01/Tarifinfo%20TVN%20TH%20-%201.%20VHR%2027.1.2026.pdf?VersionId=a94a980b-5099-4d37-86b7-ca023648efec
       
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