# taz.de -- Rassistische Schmierereien in Neukölln: Spore-Initiative trotzt Hassgraffiti
> Das Kulturzentrum der Spore-Initiative in Neukölln zeigt, wie man
> kulturelle Vielfalt verteidigt. Eine rassistische Schmiererei hat man
> entschlossen entfernt.
(IMG) Bild: Das Haus der Spore-Initiative, jetzt wieder ohne Schmierereien
Letzte Woche wurde das Gebäude der Spore-Initiative in Neukölln Opfer eines
gezielten Angriffs: In großen Buchstaben prangte an der Fassade das Wort
„Remigration“ – ein aufgeladener Begriff, der in aktuellen politischen
Debatten und in der Rhetorik der AfD eine zentrale Rolle spielt.
Das Graffito stieß bei Team und Nachbarschaft auf Entsetzen, zugleich auf
entschlossene Gelassenheit: „Wir lassen uns nicht einschüchtern, aber wir
sind alarmiert“, kommentierte Pressesprecher Gurmeet Singh.
Entdeckt wurde die Schmiererei am Mittwochmorgen; Videoaufzeichnungen
zeigten eine vollständig vermummte Person, die ihr „Werk“ bereits am Montag
um 3 Uhr früh angebracht hatte. Sofort reagierte das Spore-Team: Meldung
bei einer Nachbarschaftswache, Anzeige bei der Polizei, transparente
Kommunikation in den sozialen Medien.
Die Botschaft sei ein krasser Angriff auf die Werte, die das Haus
verkörpere, betont Singh: ein multikultureller, vielfältiger Kulturort,
„getragen von einem Team, das von Menschen verschiedener Herkunft – viele
davon People of Colour – geprägt ist.“
## Mehr als ein klassisches Kulturzentrum
Die Spore Initiative ist [1][mehr als ein klassisches Kulturzentrum]. Hier
treffen sich Ausstellungen, Nachbarschaftsprojekte, Filmvorführungen,
Workshops und Diskussionsrunden – viele davon rund um das Thema
Klimagerechtigkeit. Zugleich wird das ökologische Wissen indigener
Communitys vermittelt, deren Expertise in Europa oft noch völlig unbekannt
oder längst verschüttgegangen ist.
Ein aktuelles Highlight ist die [2][Ausstellung „How the Soil Remembers“],
die sich komplexen Gartenökologien widmet: von lokalem Know-how über
Fürsorge und Resilienz bis hin zum Fortbestehen kolonialer Machtstrukturen
in den karibischen Überseegebieten Martinique und Guadeloupe, die noch
immer zu Frankreich gehören. Die Ausstellung zeigt, wie eng ökologische
Praxis mit sozialer Gerechtigkeit verbunden ist.
Das Spore-Team versteht sich als Vermittler zwischen Welten, als Brücke
zwischen Menschen, die den Boden unter ihren Füßen als Lebensraum
begreifen, und solchen, die sich oft von der sie umgebenden Natur
entfremdet fühlen.
Neben den Ausstellungen werden auch Panels, Workshops, Filmvorführungen und
zahlreiche Angebote für die Nachbarschaft organisiert, zum Beispiel
Bewegungsbaustellen für Kinder oder Projekte, wo Jugendliche kreatives
Schreiben, visuelles Geschichtenerzählen und die Erstellung von Zines
ausprobieren können. Die Vielfalt der Formate unterstreicht den Anspruch
des Hauses: Wissen teilen, Dialog schaffen, Mut machen – aber auch Stellung
beziehen in einer Welt, die von multiplen Krisen gebeutelt ist.
Dass nun ein politisch aufgeladener Begriff wie „Remigration“ an der
Fassade auftaucht, trifft mitten ins Herz dieser Mission. Die Farbe sei
sofort entfernt worden, doch der Vorfall habe gezeigt, dass Wachsamkeit und
Solidarität notwendig sind, so Singh.
Vorfälle wie diese sind in Berlin leider kein Novum. Bereits vor über zehn
Jahren gerieten Theateraufführungen ins Visier rechter Störer: [3][Falk
Richters Stück „Fear“ an der Schaubühne] wurde wiederholt unterbrochen, und
auch am Maxim Gorki Theater störten rechte Gruppen. Aus solchen Erfahrung
heraus gründeten Kulturschaffende 2017 die [4][Initiative „Die Vielen“], um
Solidarität zu organisieren und kulturelle Freiräume zu schützen. Sie sind
nach wie vor am Start.
2 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neues-Kulturhaus-in-Berlin/!5931700
(DIR) [2] /Ausstellung-Welto-and-the-Sacred-Bush/!6096588
(DIR) [3] /Fear-an-der-Schaubuehne-Berlin/!5245158
(DIR) [4] /Kultur-und-Demokratie-schuetzen/!6053793
## AUTOREN
(DIR) Susanne Messmer
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