# taz.de -- Waffenstillstand in der Ukraine: Moratorium statt Beschuss
> Nachdem Russland das ukrainische Energienetz massiv beschossen hat, gab
> es eine kurze Feuerpause. Doch auch die Ukraine beschießt russische
> Anlagen.
(IMG) Bild: Blackout in Kyjiw durch russischen Beschuss der Energieanlagen: Menschen halten sich am Eingang einer Metrostation auf
Gerade einmal drei Tage hat er gehalten, der Mikro-Waffenstillstand. Er war
nicht vereinbart, er war lediglich einer Laune des russischen Präsidenten
zu verdanken. Der hatte einen Brief seines amerikanischen Kollegen
erhalten, in dem dieser darum bat, doch mal vom [1][Beschuss der
Energieversorgung für eine Woche abzulassen]. Über seinen Sprecher hatte
Putin dann wissen lassen, dass er diesem Wunsch entspreche, aber nur bis
zum 1. Februar, [2][also nicht einmal eine halbe Woche lang].
Nicht zum ersten Mal hatte Russland die ukrainische Infrastruktur mal ein
paar Tage nicht beschossen. Diesmal aber wird dies als Geste des guten
Willens verkauft. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Ein Grund
könnte sein, dass beide Seiten verstehen, dass sie von einem Moratorium
mehr haben als von einem gegenseitigen Beschuss der Energieinfrastruktur.
Vielleicht waren die [3][30 Grad minus], die in dieser Woche in
ukrainischen und russischen Städten erwartet werden, ein Beweggrund.
Schließlich ist es nicht nur die Bevölkerung der Ukraine, die unter den
russischen Angriffen auf das Energiesystem leidet.
Auch die Ukraine zerstört Heizkraftwerke, Umspannwerke und andere
Energieanlagen in Russland. Der oppositionelle russische Youtube Kanal
Khodorkovsky live berichtet von einem Kollaps des Energiesystems im
russischen Belgorod, hervorgerufen durch ukrainische Angriffe. Dieser
kurzzeitige Stopp des Beschusses von Anlagen der Energieversorgung ist ein
kleiner Tippelschritt in Richtung Deeskalation.
Solche Schritte werden jetzt gebraucht. Dieses kurzzeitige Moratorium auf
den Beschuss von Energieanlagen war oder ist nicht der einzige
Mikrowaffenstillstand in diesem Krieg gegen die Ukraine. Immer wieder
schweigen die Waffen, wenn Reparaturarbeiten am AKW Saporischschja
notwendig sind oder wenn Gefangene ausgetauscht werden. Bleibt zu hoffen,
dass das aktuelle Moratorium auf den Beschuss von Energieanlagen über den
1. Februar hinaus fortgesetzt wird. Es rettet Leben.
1 Feb 2026
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(DIR) Bernhard Clasen
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