# taz.de -- Abstimmung über Windenergie in Bruchsal: Windkraftfreunde gewinnen, gebaut wird trotzdem nicht
       
       > Windkraftbefürworter in Bruchsal entscheiden ganz knapp den
       > Bürgerentscheid für sich. Aber jetzt zieht sich der Anlagenprojektierer
       > zurück.
       
 (IMG) Bild: Eine Million Euro jährlich hat sich Bruchsal von den Windrädern erhofft. Warum sie nun nicht gebaut werden, lässt sich nur raten
       
       Bei einem [1][Bürgerentscheid in Bruchsal in der Nähe von Karlsruhe hat
       sich die Mehrheit der Abstimmenden am Sonntag dafür ausgesprochen,
       kommunale Waldflächen für Windenergieanlagen zu verpachten]. Dennoch ist
       offen, ob das Projekt realisiert werden kann: Nur einen Tag vor der
       Abstimmung wurde bekannt, dass sich der Projektierer Energiequelle GmbH
       zurückzieht.
       
       Die Nachricht hatte die Verwaltung am Freitagabend per Mail erreicht und
       wäre fast übersehen worden, berichtet Oberbürgermeister Sven Weigt (CDU):
       „Sie begründen das mit den unsicheren wirtschaftlichen und politischen
       Rahmenbedingungen für regenerative Energien.“ Allerdings: „Diese
       Rahmenbedingungen waren am Freitag nicht anders als vor zwei Wochen“, so
       Weigt weiter Der [2][Streit um die „Windkraft im Wald“ hatte die Stadt
       monatelang in Aufruhr versetzt].
       
       Für den Bürgermeister ist diese „sehr allgemeine“ Erklärung schwer
       verdaulich. Das Vorgehen stellt die Stadt vor Probleme: Die Verwaltung
       hatte mit den Konditionen geworben, die mit Energiequelle ausgehandelt
       worden waren. Demnach hätte Bruchsal mit jährlichen Einnahmen von bis zu
       einer Million Euro rechnen können. Ziel sei es jetzt, einen neuen
       Projektpartner zu finden, der ähnliche finanzielle Vorteile bietet, sagt
       Weigt.
       
       Der Rückzug war vollkommen überraschend gewesen. Der Tageszeitung
       [3][Badische Neueste Nachrichten] sagte Weigt, noch am Donnerstag habe der
       Projektierer den Vertragsentwurf bestätigt. Die Energiequelle GmbH ließ
       eine taz-Anfrage unbeantwortet.
       
       ## „Klares Signal“
       
       Die Absage hatte am Wochenende in der Stadt für wilde Spekulationen
       gesorgt. Befürchtet wurde, dass sie dazu führen könnte, dass das bei der
       Abstimmung notwendige Quorum von 6.951 Stimmen verfehlt würde. In diesem
       Fall hätte der Gemeinderat erneut über das Thema beraten müssen. Er hatte
       sich schon im Mai für die Verpachtung städtischer Waldflächen
       ausgesprochen. Dagegen wehrte sich die Bürgerinitiative „Kein Windrad im
       Wald“ und setzte den Bürgerentscheid durch.
       
       Am Ende erreichten die Windkraft-Befürworter aber 7.352 Stimmen, 401
       Stimmen mehr als notwendig. Bei einer Wahlbeteiligung von 36,44 Prozent
       votierten somit 58,14 Prozent für das Projekt.
       
       „Es ist ein gutes Gefühl, dass so viele zur Wahl gegangen sind und eine
       klare Entscheidung da ist“, sagt Weigt. Auch das fraktionsübergreifende
       Bündnis „Team Zukunft Bruchsal“, das in der Stadt für die Windkraft warb,
       sei „überglücklich“, sagt Sprecher Jesper Willmann. „Das ist ein ganz, ganz
       klares Signal in die Stadtgesellschaft hinein.“ Der 16-Jährige glaubt
       allerdings nicht, dass das Thema damit erledigt ist. „Die Bürgerinitiative
       wird das Ergebnis auf keinen Fall akzeptieren“, sagt er.
       
       ## BI zündelt weiter
       
       Die BI selbst betont, dass sich in den direkt betroffenen Ortsteilen
       (Obergrombach und Helmsheim) eine Mehrheit gegen Windräder ausgesprochen
       habe. Sie werde daher das Thema „weiter kritisch begleiten“. Vor der
       Abstimmung [4][war die BI in die Kritik geraten], da alle Verantwortlichen
       „Aufbruch Bruchsal“ nahestehen. Die stramm rechte Wählervereinigung
       erreichte 2024 bei der Kommunalwahl 2,8 Prozent und ist im Bruchsaler
       Gemeinderat mit nur einem Sitz vertreten. Stadträtin und BI-Sprecherin Dela
       Schmidt fiel bereits in der Vergangenheit mit kruden Ansichten zum
       Klimawandel und der Energiewende auf. Als „wissenschaftlicher Berater“ der
       BI fungiert Christoph Canne von der [5][„Bundesinitiative Vernunftkraft“,
       die seit Jahren als Speerspitze der deutschen Anti-Windkraft-Bewegung
       gilt].
       
       Am 4. Dezember hatte Canne bei einer Info-Veranstaltung der BI erklärt:
       „Wenn meine Mitstreiter einen Bürgerentscheid verlieren, dann ist es eben
       so.“ Am Morgen der Wahl schlug der saarländische Aktivist ganz andere Töne
       an. [6][Auf X schreibt er] von „Zuständen wie im Tollhaus in Bruchsal“ und
       beklagt eine „Schlammschlacht mit Kampagnen auf persönlicher Ebene“
       gegenüber den Windkraft-Gegnern. Zudem behauptet er, der Projektierer sei
       abgesprungen, weil sich Windräder in Bruchsal nicht rechnen. Der
       Bürgerentscheid – der die Stadt 150.000 Euro kostete – habe nach diesem
       Rückzug keine Grundlage mehr.
       
       15 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://wahlergebnisse.komm.one/lb/produktion/wahltermin-20251214/08215009/praesentation/ergebnis.html?wahl_id=9041&stimmentyp=0&id=ebene_-23849_id_35829
 (DIR) [2] /Rechte-Anti-Windrad-Kampagne-in-Baden/!6137008
 (DIR) [3] https://bnn.de/kraichgau/bruchsal/live-ticker-zum-windkraft-buergerentscheid-in-bruchsal
 (DIR) [4] /Rechte-Anti-Windrad-Kampagne-in-Baden/!6137008
 (DIR) [5] /Streit-um-Solarpark/!5855545
 (DIR) [6] https://x.com/ChristophCanne/status/2000126004958843308
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Aline Pabst
       
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