# taz.de -- Unterstützung für Kurd:innen: Deutsche Delegation in der Türkei festgesetzt
> An der Grenze zu Syrien wurde eine Gruppe junger Aktivist:innen
> festgenommen. Sie wollten auf die Lage der kurdischen Bevölkerung
> aufmerksam machen.
(IMG) Bild: Mardin, Türkei, 20. Januar: Frauen beobachten Proteste gegen die Offensive syrischer Regierungstruppen gegen kurdische Kräfte
Eine Delegation junger Aktivist:innen aus Deutschland ist am Dienstag
in der Grenzregion zu Syrien von der türkischen Polizei in Gewahrsam
genommen worden. Nach Informationen der Verbandes Freiheitlicher
JuristInnen ÖHD befinden sich die 16 Teilnehmer:innen derzeit in
Gewahrsam der türkischen Einwanderungsbehörde Göc Idaresi in der Kreisstadt
Mardin.
Zu der Delegation gehört auch ein Mitglied der niedersächsischen
Linkspartei und ein Mitglied der Linksjugend Solid. „Wir müssen jetzt erst
mal Kontakt zu den Gefangenen herstellen, um Näheres über ihre Situation zu
erfahren“, [1][sagte der Linken-Vorsitzende Jan van Aken der taz]. Es gebe
eine Information, dass die Gruppe derzeit nach Istanbul gebracht wird und
dann möglicherweise nach Deutschland abgeschoben wird. „Das ist aber noch
von keiner Stelle bestätigt“, so van Aken. Insgesamt sei die
Informationslage „bislang noch sehr dünn“.
Die Delegation war schon vor einiger Zeit in die Türkei gereist, um auf die
Lage der kurdischen Bevölkerung im Nordosten Syriens aufmerksam zu machen,
die derzeit unter starkem Druck der Regierungstruppen der islamistischen
Übergangsregierung von Präsident Ahmet al-Scharaa steht. Die
Regierungstruppen haben in den letzten Wochen weite Teile der über zehn
Jahren von kurdischen Verbänden kontrollierten Gebiete im Nordosten Syriens
erobert und belagern derzeit die [2][kurdische Stadt Kobanê an der Grenze
zur Türkei].
## Nichts Genaues bekannt
Auf dem Weg von der Großstadt Diyarbakir zur syrischen Grenze wurde die
Delegation aufgehalten und vorläufig festgenommen. Anwält:innen der ÖHD
berichten, dass ihnen bislang der Zugang zu den Festgehaltenen verwehrt
wird und ihnen auch kein Grund für die Festnahme von 16 deutschen
Staatsbürger:innen genannt wurde. Da sie keinen Kontakt zu den
Festgenommenen haben, wissen sie auch nicht, ob diese bereits verhört oder
einem Richter vorgeführt wurden. „Wir haben zwar auch Kontakt zum
Auswärtigen Amt, das versucht, die Festgenommenen konsularisch zu
betreuen“, sagte van Aken. „Aber auch das scheint noch nichts Genaueres zu
wissen.“
Die Bundesregierung müsse Druck auf die türkische Regierung machen, dass
die Delegationsmitglieder sofort freigelassen werden, forderte der
Linken-Chef. „Es ist ganz offensichtlich, dass die türkische Regierung eine
internationale Beobachtung von dem, was in Kurdistan passiert, verhindern
will“, so van Aken. Die Bundesregierung solle „den türkischen Botschafter
in Berlin einbestellen und ihm sehr deutlich sagen, dass das so nicht
geht“. Menschenrechte und Meinungsfreiheit seien sehr hohe Güter.
Außer der Delegation ist seit einigen Tagen auch eine so genannte „Karawane
zur Verteidigung der Menschlichkeit“ unterwegs, die ebenfalls auf die
katastrophale Lage der Kurd:innen speziell in Kobanê aufmerksam machen
will. Die Karawane besteht aus mehr als 100 überwiegend jungen Menschen aus
verschiedenen europäischen Ländern, die sich in Wien gesammelt hatten, um
dann über Serbien und Griechenland in die Türkei zu reisen, von wo sie an
die syrische Grenze gegenüber von Kobanê reisen wollten. Nach Mitteilung
der Karawane am Donnerstag wurden sie jedoch am Mittwoch an der
griechisch-türkischen Grenze von den türkischen Grenzern gestoppt und ihre
Pässe einbehalten.
Sowohl die Delegation mit den Linken-Mitgliedern als auch die
Aktivist:innen der Karawane sind vor allem um die [3][Menschen in der
eingeschlossenen Stadt Kobanê] besorgt. Kobanê wurde international bekannt,
als die Kurd:innen der Stadt sich 2014 monatelang gegen Angriffe des IS
verteidigten und die Terrortruppe zuletzt zurückschlagen konnte. „Jetzt
wird die Stadt wieder von islamistischen Milizen belagert“, schreiben die
Karawane-Aktivist:innen.
Tatsächlich wird die Stadt auch nach einer Verlängerung eines
Waffenstillstandes zwischen der kurdischen SDF-Miliz und den
Regierungstruppen am letzten Samstagabend weiter belagert. Allerdings
öffnete die Regierung einen humanitären Korridor und ließ am Sonntag einen
Lkw-Konvoi mit Lebensmitteln in die Stadt. Dennoch sei die Lage nach wie
vor katastrophal, weil immer mehr Menschen aus den umliegenden Dörfern in
die Stadt flüchteten.
29 Jan 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Wolf Wittenfeld
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