# taz.de -- Das neue Kritis-Dachgesetz: Schutz vor Sabotage
> Der Bundestag hat ein neues Gesetz verabschiedet, um kritische
> Infrastruktur zu schützen. Wie effektiv das Gesetz sein wird, ist
> umstritten.
(IMG) Bild: Stromkabel gekappt, die Lichter zu Hause aus: eine Straße im Berliner Südwesten nach dem Anschlag auf die Stromversorgung
Der Bundestag hat am Donnerstag das [1][Gesetz zum Schutz kritischer
Infrastruktur] beschlossen. Das „Kritis-Dachgesetz“ soll öffentliche
Informationen über die kritische Infrastruktur einschränken und diese
künftig besser schützen. Manuel Atug vom Chaos Computer Club (CCC) spricht
hingegen von einer „riesigen Simulation von Sicherheit“.
Das Gesetz verpflichtet Energieversorger, Krankenhäuser und den [2][Flug-
und Güterverkehr], strengere Sicherheitskonzepte und Notfallpläne zu
entwickeln. Außerdem ist ein System geplant, um zentral Anschläge zu
melden. Bei Regelverstößen sollen die Unternehmen oder zuständigen Kommunen
Bußgelder zahlen. Ziel sind einheitliche Mindestvorgaben, um technische
Schwachpunkte zu vermeiden und etwa mit Zäunen oder Zugangsbeschränkungen
kritische Infrastruktur zu schützen. Dazu gehören auch Risikoanalysen und
Resilienzpläne. Ziel ist ein besserer Schutz vor Sabotage, Terroranschlägen
und den Folgen von Naturereignissen.
## Schutz vor Transparenz
Außerdem soll das Gesetz den Zugang zu öffentlichen Daten einschränken.
Diese würden Anschläge und Ausspähversuche von Akteuren im In- und Ausland
erleichtern. Innenminister Alexander Dobrindt verwies auf den
[3][Brandanschlag in Berlin], der zu einem großflächigen Stromausfall
geführt hatte. Nach Auffassung der Koalition haben der Schutz kritischer
Infrastruktur und deren Resilienz Vorrang vor dem Wunsch nach Transparenz.
Der Grünen-Fraktionsvize und Sicherheitsexperte Konstantin von Notz sagte,
das Thema habe lange brach gelegen. „Dass wir nun endlich vom Fleck kommen,
begrüßen wir ausdrücklich.“ Gleichzeitig blieben die Änderungen weit hinter
den Erwartungen zurück. „Sie kommen viel zu spät und sind handwerklich
schlecht gemacht.“ Ein einheitlicher Schutz werde so nicht erreicht. Von
einer echten Gesamtstrategie und einer umfassenden Sicherheitsoffensive sei
nichts erkennbar.
Es brauche eine „dringend notwendige Reform des Rechts der
Nachrichtendienste“ sowie eine „verbesserte Drohnenabwehr“ und eine
„Grundgesetzänderung bei der Abwehr von [4][IT-Angriffen]“, so von Notz
weiter.
## Daten sind überbewertet
Kritik gibt es auch von IT-Expert*innen. So bemängelte bereits im
Gesetzgebungsverfahren die Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen, dass
die Mindestvorgaben erst 2030 in Kraft treten sollen. Das sei
„staatsgefährdend und grob fahrlässig“. Außerdem sei unklar, wie und wann
die Vorgaben überprüft werden. „Ein Mangel an Rechtsdurchsetzung ist daher
systemisch verankert.“
Den Zugang zu öffentlichen Daten einzuschränken, helfe nicht gegen
Sabotage, sagte der taz Manuel Atug vom Chaos Computer Club (CCC).
Saboteure ließen sich nicht davon abschrecken, dass die Daten nicht im
Internet stünden. „Wo Stromtrassen, Krankenhäuser oder Kraftwerke stehen,
sieht man auf jeder Karte und beim Spaziergang.“
Hingegen steige die Gefahr von Unfällen, „wenn beispielsweise bei
Bauarbeiten Bagger auf geheim gehaltene Kabel treffen“, so Atug. Um das zu
verhindern, müssten bei Bauarbeiten und Reparaturen eine Menge Anfragen bei
Behörden gestellt werden, was wiederum zu vielen Verzögerungen führen
würde.
Um bei Naturereignissen wie im Ahrtal die Bevölkerung und die kritische
Infrastruktur zu schützen, brauche es wiederum „Redundanz und Schutzmauern
sowie eine gute Not- und Ersatzversorgung der Bevölkerung im Krisenfall“.
Eine Redundanz meint, dass es beispielsweise mehr als ein Kabel gibt, um
bei Stromausfällen den Betrieb weiter mit Strom zu versorgen.
29 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jana Laborenz
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