# taz.de -- Neue Romance von Colleen Hoover: Männer in Uniform
> Colleen Hoover schreibt wieder einen Bestseller: Was schätzen Millionen
> Leser:innen an der Lovestory von einer Autorin und einem
> Kleinstadtcop?
(IMG) Bild: Eine der erfolgreichsten Autorinnen der Welt: Colleen Hoover, NYC, am 6. 8. 2024
Am Anfang steht eine Rechtfertigung. Sie habe eine Atempause gebraucht,
schreibt Colleen Hoover im Vorwort zu ihrem 26. Roman, der ganze drei Jahre
nach ihrem letzten Buch erschienen ist. Ihr Pensum war zuvor ungleich
höher: Im Schnitt zwei Romane verfasste die laut Verlag „erfolgreichste
Autorin der Welt“ pro Jahr. Auch „Woman Down“ landete nun zielgenau sofort
auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste.
Eine Rechtfertigung war laut Fans auch geboten, wenn auch für ein anderes
Vergehen. Die Verfilmung von Hoovers „Nur noch ein einziges Mal“ zog einen
Skandal nach sich. Blake Lively beschuldigte ihren Schauspielkollegen
Justin Baldoni der sexuellen Belästigung, [1][Internetnutzer:innen
beschuldigten Lively, das Thema des Films, Missbrauch, auf die leichte
Schulter zu nehmen,] und Hoover, so urteilten Fans, habe sich zu der Chose
nicht angemessen oder genügend verhalten.
Obwohl nach eigenem Bekunden jegliche Ähnlichkeit mit lebenden Menschen et
cetera ausgeschlossen sei, entwirft Hoover in „Woman Down“ ein ähnliches
Szenario. Der Romanceautorin Petra macht ein Shitstorm angesichts ihrer
Romanverfilmung zu schaffen. Ihre Produktivkraft (zwei Bestseller pro Jahr
waren schon drin) ist versiegt, es drohen Konsequenzen (der Kredit für das
Haus kann nicht gedeckt werden). Um endlich ihren nächsten Roman zu
schreiben, zieht sich Petra in eine einsame Hütte zurück.
Das Spiel mit der Autofiktion gehört normalerweise nicht [2][zum
Trickrepertoire von Romanceautor:innen.] Eigentlich besteht genau darin der
Deal zwischen Zauberer und Publikum: Auf Realismus wird zugunsten maximaler
Sexyness verzichtet. Die Romanfiguren sind meist zu schön, zu schlau, zu
hot, um wahr zu sein. Neben der weiblichen Hauptfigur Petra taucht auch in
„Woman Down“ alsbald ihr männlicher Counterpart auf: ein durchtrainierter
Kleinstadtcop mit gefährlich funkelnden Augen. Der steht plötzlich vor der
Tür, nachdem es vorgeblich zu einer Verfolgungsjagd mit tödlichem Ausgang
in der Nähe gekommen ist. Ein vorbestrafter Mann hatte gegen seine
Bewährungsauflagen verstoßen und sich auf der Flucht erschossen –
vielleicht, um so dem Cop zuvorzukommen.
An den Toten denkt Petra nicht (immerhin war der nur „irgendein
Ex-Häftling“), stattdessen fühlt sie sich unwiderstehlich zu Officer Saint
hingezogen. Es ist ein anderes Amerika, das Hoover hier entwirft, in dem
weder George Floyd [3][noch die ICE] eine Rolle spielen und der sexy
Officer bloß abweicht vom Klischee des trotteligen Donut-Cops.
## Sinn und Unsinn von Kritik
Doch die Gegenwart scheint auch in Petras Hütte hinein. Mit ihrer Freundin
Nora führt sie lange Gespräche über Sinn und Unsinn von Kritik. „Manchmal
verdienen ausgerechnet die Leute, die behaupten, gegen Buchverbote zu sein,
ihr Geld damit, Bücher öffentlich zu verreißen“, empört sich Nora,
überzeugt, einen Widerspruch aufgetan zu haben.
So halten sich die beiden Frauen an Banalitäten, um sich durch stark
vereinfachte Diskurse über Identitätspolitik zu navigieren. Darf man
überhaupt über einen gefährlichen Kleinstadtcop schreiben, der einen auf
der Motorhaube seines Wagens zum Orgasmus bringt, wenn man dergleichen nie
erlebt hat? Schon, meinen Nora wie Petra, aber träumen zugleich davon,
alles einmal am eigenen Leib zu erfahren, was sie in ihrem Romancestorys
beschreiben; obwohl sie ihre Figuren mitunter „durch die Hölle gehen
lassen“.
Gesagt, geschehen: Als wenige Nächte später tatsächlich jemand in ihre
Hütte eindringt und sie brutal an einen Stuhl fesselt, steht Petra große
Ängste aus, doch die Lust ist schließlich größer. Zwar ist sie durchaus
schockiert, als sich der nächtliche Einbrecher als Officer Saint
herausstellt, doch nachdem die Tränen versiegt sind, kommt es trotzdem zum
Sex. Immerhin wollte Saint ihr nur helfen, ihre Schreibblockade zu
überwinden, was auch klappt. Die beiden lassen sich auf ein gefährliches
Spiel ein und nehmen die Handlung von Petras neuem Roman vorweg, noch
während sie diesen verfasst.
Die Bestsellerautorin Hoover zielt erkennbar auf die Metaebene, versucht
mit „Woman Down“ kleine Schritte raus aus der Romancesparte zu unternehmen.
Der Roman sei „das Abgründigste, was ich je geschrieben habe“, so Hoover.
Und abgründig ist er in der Tat. Dass Männer die Grenze zum Missbrauch
immer wieder übertreten und dafür auch noch belohnt werden, lernt die
Leserin hier; ebenso, dass die Sehnsucht nach Dominanz und Autorität noch
heißer außerhalb des Schlafzimmers glüht. Nur: ihre Unschuld hat die
Fantasie vom Mann in Uniform dieser Tage endgültig verloren.
4 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Julia Hubernagel
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