# taz.de -- ExxonMobil prognostiziert Klimawandel: US-Ölriese rechnet 2050 mit Erderhitzung von bis zu 3 Grad
       
       > ExxonMobil ist pessimistisch beim Klimawandel. Laut dem Ölkonzern, der
       > selbst stark dazu beiträgt, gibt vor allem die Nutzung von Kohle den
       > Ausschlag.
       
 (IMG) Bild: Exxon-Ölraffinerie in Texas: Der Ölkonzern trägt selbst enorm zur Klimakrise bei
       
       Wegen der weiter starken Nutzung von fossilen Energieträgern rechnet die
       Ölbranche aktuell mit einem Anstieg der globalen Temperaturen von 2,5 bis 3
       Grad schon 2050. Die Zahlen sind Teil des jährlichen [1][Energieausblicks
       des US-Ölmultis ExxonMobil]. ExxonMobil gilt als der größte börsennotierte
       Öl- und Gaskonzern in den Vereinigten Staaten und zählt global zu den
       wichtigsten Akteuren der Branche. Laut der Analyse erwartet Exxon, dass vor
       allem die Verbrennung von Kohle langsamer zurückgehen könnte als bisher
       erwartet.
       
       3 Grad globale Erderhitzung gegenüber der vorindustriellen Zeit erwarten
       viele Expert*innen weltweit erst im Jahr 2100. Allerdings rechneten die
       Deutsche Meteorologische Gesellschaft und die Deutsche Physikalische
       Gesellschaft bereits im vergangenen September in einem gemeinsamen
       [2][Aufruf] mit dem [3][Erreichen dieser Schwelle] im Jahr 2050. Das hätte
       fatale Folgen für das Leben auf der Erde.
       
       Exxon begründet das Negativszenario vor allem mit der verstärkten Nutzung
       fossiler Energie. Im Jahr 2050 werde Kohle immer noch mit 15 Prozent zum
       weltweiten Energiemix beitragen, ein Prozentpunkt mehr als im Jahr zuvor
       prognostiziert. Im vergangenen Jahr waren es etwa 25 Prozent. Kohle sei in
       China und anderen Ländern Asiens immer noch eine bedeutende Energiequelle
       und gelte vor allem wegen der geopolitischen Veränderungen zunehmend als
       Schlüssel für die Energiesicherheit.
       
       In der vergangenen ⁠Woche hatte bereits die Internationale Energieagentur
       prognostiziert, dass der weltweite Kohleverbrauch in [4][diesem Jahr] auf
       einen Rekordwert von 8,94 Milliarden [5][Tonnen] steigt, da der Irankrieg
       die Exporte von Rohöl- und Flüssiggaslieferungen durch die Straße von
       Hormus abwürgt. Doch der Konflikt ist noch gar nicht Teil der
       Exxon-Berechnungen – angeblich ist es zu früh, seine langfristigen
       Auswirkungen abzuschätzen.
       
       ## Energiebedingte CO₂-Emissionen höher als gedacht
       
       Dennoch steigen wegen des Strebens vieler Staaten nach Energiesicherheit
       die Emissionen. Exxon rechnet zwar mit einem Sinken des energiebedingten
       CO₂‑Ausstoßes auf 30 Milliarden Tonnen CO₂ im Jahr 2050 weltweit. Im
       vergangenen Jahr hatte das Unternehmen jedoch noch mit 27 Milliarden Tonnen
       CO₂ kalkuliert. Die UNO verweist auf den Weltklimarat IPCC: Um 2050 unter 2
       Grad Erderhitzung zu bleiben, müssten die Emissionen bis dahin auf 11
       Milliarden Tonnen CO₂ sinken.
       
       Zum Vergleich: Deutschland hat im vergangenen Jahr insgesamt 649 Millionen
       Tonnen CO₂ emittiert – oder etwa 1,5 Prozent der globalen Emissionen.
       
       Negative Aussichten hat ExxonMobil auch für die Abscheidung und Speicherung
       von Kohlenstoffdioxid (Carbon Capture and Storage, CCS). CCS gilt unter
       Fachleuten als einer der wenigen Wege, um die Erderhitzung nachträglich
       gewissermaßen zurückzudrehen. Allerdings: Hatte Exxon noch im vergangenen
       Jahr in Übereinstimmung mit anderen Studien prognostiziert, dass 2050 etwa
       3,1 Milliarden Tonnen CO₂ jährlich aus der Atmosphäre entfernt und
       gespeichert werden können, rechnet es nun noch mit 2 Milliarden Tonnen. Der
       Grund: [6][Viele Methoden rechneten sich absehbar nicht].
       
       Wie gut Exxon über die Klimafolgen seiner Aktivitäten informiert ist,
       zeigte 2023 eine [7][Auswertung] von Klimaforscher*innen der Harvard
       University und des Potsdam-Instituts für Klimaforschung (PIK). Das
       Unternehmen habe die globale Erderwärmung als Folge des Ausstoßes von
       Treibhausgasen seit Ende der 1970er Jahre genau vorhergesagt, schrieben die
       Forscher:innen im Fachmagazin Science. Zugleich habe der Ölmulti den
       Zusammenhang jahrzehntelang systematisch heruntergespielt.
       
       Dass Exxon schon lange von der Bedrohung durch die globale Erwärmung
       wusste, war bereits [8][grundsätzlich bekannt]. Die
       Klimaforscher:innen hatten interne Unternehmsprognosen von 1977 bis
       2003 ausgewertet – das Ergebnis nannten sie „verblüffend“. Die
       Exxon-Vorhersagen seien deutlich besser als die der US-Raumfahrtbehörde
       Nasa gewesen.
       
       20 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://corporate.exxonmobil.com/publications/global-outlook
 (DIR) [2] https://extremwetterkongress.org/wp-content/uploads/2025/09/DPG_Klimaaufruf_Langfassung-2.pdf
 (DIR) [3] /Klimakrise-eskaliert/!6115999
 (DIR) [4] https://www.iea.org/energy-system/fossil-fuels/coal
 (DIR) [5] https://www.reuters.com/business/energy/global-coal-demand-forecast-rise-by-12-2026-record-894-billion-tonnes-due-middle-2026-09-10/
 (DIR) [6] https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/co2-entnahme-aus-der-luft-gilt-als-klimaretter---doch-die-umsetzung-hinkt-hinterher-37492036.html
 (DIR) [7] /Erderhitzung-durch-Treibhausgase/!5908674
 (DIR) [8] /Prozess-gegen-Oelkonzern/!5639408
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kai Schöneberg
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) CO2-Emissionen
 (DIR) ExxonMobil
       
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