# taz.de -- Messerattentat von Solingen: Nordrhein-Westfalens Fluchtministerin Paul tritt zurück
> Die grüne Ministerin soll ihre politische Mitverantwortung im Fall Issa
> Al Hasan verschleiert haben. Der Attentäter fiel in ihren
> Verantwortungsbereich.
(IMG) Bild: Josefine Paul: nach dem Solinger Attentat offenbar mindestens 48 Stunden lang abgetaucht
Am Ende war der Druck zu groß: [1][Wegen ihres Umgangs mit dem mörderischen
Messerattentat von Solingen] im August 2024 ist Nordrhein-Westfalens auch
für Flucht und Integration zuständige Familienministerin Josefine Paul am
Dienstagmorgen zurückgetreten. Grund sei eine „zunehmende politische
Polarisierung im Untersuchungsausschuss um meine Person“, erklärte die
Grüne. Die schwarz-grüne NRW-Landesregierung von CDU-Ministerpräsident
Hendrik Wüst hatte nach dem Solinger Anschlag, bei dem der Syrer Issa Al
Hasan drei Menschen erstochen und acht weitere schwer verletzt hatte,
maximale Transparenz versprochen und den Untersuchungsausschuss im
Düsseldorfer Landtag selbst eingesetzt.
Schnell in heftige Kritik geriet dabei die 43-jährige Ministerin Paul. Die
Opposition aus SPD und FDP wirft der Historikerin, die in Braunschweig und
Münster Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie studiert hat, vor,
stark an der Verschleierung ihrer politischen Mitverantwortung für den
Terroranschlag und [2][wenig an seiner Aufklärung interessiert] zu sein.
Denn die Parteilinke, die das Düsseldorfer Mammutministerium für Kinder,
Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration seit Juli 2022
geführt hat, war für Asylrechtsfragen und damit auch für Abschiebungen
zuständig. Und nach dem Solinger Attentat wurde schnell klar, dass Issa Al
Hasan in NRW töten konnte, weil er nicht wie geplant schon im Juni 2023
nach Osteuropa abgeschoben worden war – nach den sogenannten Dublin-Regeln
war Bulgarien, [3][wo er erstmals in die EU eingereist war], für seinen
Asylantrag zuständig.
Dennoch war die im niedersächsischen Helmstedt geborene Ex-Ministerin nach
dem Attentat offenbar mindestens 48 Stunden lang abgetaucht: Während einer
Dienstreise nach Frankreich reagierte die Grüne weder auf eine
SMS-Nachricht von CDU-Innenminister Herbert Reul noch auf Anrufe ihrer
Parteifreundin, der stellvertretenden Ministerpräsidentin Mona Neubaur.
Erst nach zwei Tagen habe festgestanden, dass Al Hasan ein sogenannter
Dublin-Fall und damit ihr Ministerium zuständig war, erklärte Paul zur
Begründung.
## „Monatelang ins Gesicht gelogen“
Doch daran hat die Opposition schon seit Monaten begründete Zweifel. Paul,
die seit 2025 mit der grünen Ex-Justizministerin Sachsens, Katja Meier,
verheiratet ist, habe „Abgeordneten, dem Parlament und der Öffentlichkeit
monatelang ins Gesicht gelogen“, kritisierte die SPD-Obfrau im
Untersuchungsausschuss, Lisa Kapteinat, schon im vergangenen Juni.
Dass die Sozialdemokratin damit recht gehabt haben dürfte, zeigt eine SMS,
die trotz des schwarz-grünen Versprechens maximaler Transparenz nicht in
den von Pauls Ex-Ministerium freigegebenen Akten enthalten war und die
deshalb erst Mitte Januar im Untersuchungsausschuss auftauchte. Denn in der
Kurznachricht erkundigte sich Paul schon 24 Stunden nach dem Attentat bei
ihrer für den Bereich „Flucht“ zuständigen Abteilungsleiterin, inwieweit
ihr Ministerium betroffen sein könnte – und die bestätigte nur sechs
Minuten später detailliert, dass Al Hasan ein „Dublin-Fall“ war. Die
Beteuerungen der Grünen, sie habe erst nach zwei Tagen realisiert, dass sie
politisch mitverantwortlich sei, scheinen damit nachweislich falsch zu
sein.
Bereits am Dienstagmittag ließ Wüst mit der bisherigen Co-Chefin der grünen
Landtagsfraktion, Verena Schäffer, Pauls Nachfolgerin vereidigen.
27 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Angriff-in-Solingen/!6032069
(DIR) [2] /Aufarbeitung-des-Attentats-in-Solingen/!6033317
(DIR) [3] /Lebenslaenglich-fuer-Attentaeter-von-Solingen/!6109378&s=wyputta+issa&SuchRahmen=Print/
## AUTOREN
(DIR) Andreas Wyputta
## TAGS
(DIR) Rücktritt
(DIR) Dublin-II-Verordnung
(DIR) Asyl
(DIR) Attentat
(DIR) Bündnis 90/Die Grünen
(DIR) Nordrhein-Westfalen
(DIR) Mönchengladbach
(DIR) Solingen
(DIR) Solingen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Sichere Herkunftsstaaten: Grüne fordern, dass der Bundestag entscheidet
Die Regierung hat beschlossen, dass sie künftig entscheiden kann, welche
Staaten als „sicher“ gelten. Die Grünen gehen deshalb nach Karlsruhe.
(DIR) Geplantes Abschiebegefängnis in NRW: Ein falsches Signal, sagt der Priester
In Mönchengladbach soll ein Abschiebegefängnis gebaut werden. Dagegen regt
sich weiter Protest in der Stadt.
(DIR) Prozessauftakt Solingen-Attentat: Angeklagter spricht sich selbst schuldig
Der mutmaßliche Täter Issa Al H. bekennt sich am ersten Prozesstag für
schuldig. Der IS habe den 27-Jährigen indoktriniert, sagt ein Gutachter.
(DIR) Nach dem Attentat in Solingen: Ringen um ein bisschen Normalität
In Solingen versuchen Kanzler, Ministerpräsident und Oberbürgermeister am
Montag die Bevölkerung zu beruhigen. Rechte kündigen Demos an.