# taz.de -- Geplantes Abschiebegefängnis in NRW: Ein falsches Signal, sagt der Priester
> In Mönchengladbach soll ein Abschiebegefängnis gebaut werden. Dagegen
> regt sich weiter Protest in der Stadt.
(IMG) Bild: In Büren (Foto, 2018) gibt es bereits eine Abschiebehaft. In Mönchengladbach plant das Land NRW nun eine weitere
Damit hatte man in Mönchengladbach nicht gerechnet. Nachdem Anfang des
Jahres bekannt geworden war, dass die Landesregierung hier in ein
Abschiebegefängnis bauen will, regte sich in der Stadt Widerstand. Und der
ist größer als selbst die ihn tragenden Initiativen erwartet hatten.
Eine breites Bündnis aus Kirchen, dem Flüchtlingsrat und
Menschenrechtsgruppen hatte sich zusammengefunden, um den Bau von diesem
Gefängnis, in dem bis zu 140 abzuschiebende Flüchtlinge interniert werden
sollen, zu verhindern. [1][Über 170 Bürgerinnen und Bürger hatten sich Ende
Oktober in der zentralen Citykirche eingefunden, um einer Veranstaltung des
Bündnisses „Abschiebegefängnis verhindern“ beizuwohnen.]
Ähnlich gut besucht war nun auch eine Kundgebung im Dezember vor den
Räumlichkeiten des Sitzungssaales des Mönchengladbacher Stadtrates. „30
Personen waren zu unserer Kundgebung am 17. Dezember angemeldet“, so die
Sprecherin Mara Sauer vom Bündnis „Abschiebegefängnis verhindern“ gegenüber
der taz. „Gekommen waren vier bis fünf Mal so viele.“
Scharf kritisiert wurde das Abschiebegefängnis auf der Kundgebung unter
anderem von dem katholischen Priester Christoph Simonsen und dem
evangelischen Pfarrer Wolfgang Hess. Ein Abschiebegefängnis, so Christoph
Simonsen von der Citykirche, sei in einer Stadt, in der 150 Nationen
zusammenleben, ein falsches Signal. „Es schürt, bewusst oder unbewusst,
Vorurteile, weil der Eindruck entsteht, dass Menschen in Gewahrsam genommen
werden, die sich etwas zuschulden kommen lassen haben oder andere in Gefahr
bringen würden“. Simonsen fürchtet sich vor rechten Parolen „von
unverantwortlichen Verantwortungsträgern, die uns immer tiefer in einen
Kulturkampf stürzen, in dem die Schwächsten stigmatisiert werden. Darunter
auch die Geflohenen.“
## Mangelhafte Rechtsstaatlichkeit
Immer wieder weisen die Aktivisten darauf hin, dass in fast der Hälfte der
Fälle Abschiebehaft nicht rechtsstaatlich abläuft. Sie berufen sich dabei
auf ein [2][taz-Interview des auf Abschiebungen spezialisierten
Rechtsanwaltes Peter Fahlbusch].
Das Bündnis „Abschiebegefängnis verhindern“ hat sich viel vorgenommen.
Sowohl Bund als auch Land wollen die Mönchengladbacher
„Unterbringungseinrichtung für Ausreisepflichtige“ (UfA) – so der
offizielle Name. Und auch SPD und CDU, die gemeinsam im Mönchengladbacher
Stadtrat die Mehrheit bilden, wollen die Haftanstalt. Die Mönchengladbacher
Haftanstalt wäre, wenn sie denn gebaut wird, die zweite in NRW. Derzeit
gibt es in NRW eine Abschiebeanstalt mit 170 Plätzen in Büren.
„Mit der zweiten Unterbringungseinrichtung schaffen wir die notwendigen
Kapazitäten, um Rückführungen weiter rechtssicher und geordnet vollziehen
zu können“, [3][zitiert das Finanzministerium die Ministerin für Flucht und
Integration, Josefine Paul (Grüne) Mitte November.]
## Aktivist:innen bereiten sich vor
Für Mara Sauer und ihre Mitstreiter:innen geht der Kampf im neuen Jahr
weiter. Einfach sei dies nicht, sei doch die Entscheidungsfindung von
Behörden und Politik sehr undurchsichtig, kritisiert die Aktivistin. Auch
die Stadt Mönchengladbach ist an dieser Entscheidungsfindung beteiligt, da
sie die baurechtlichen Voraussetzungen schaffen muss. Und deswegen werde
man sehr genau die Arbeit des Bauausschusses des Stadtrates verfolgen. „Und
auch auf die nächste Ratssitzung im März, bei der der Stadtrat vermutlich
seine Zustimmung geben will, bereiten wir uns vor“, so Sauer.
Abschiebegefängnisse, so Sauer, stehen für eine Gesellschaft, die sich
immer mehr entmenschliche. „Menschen, die nicht den richtigen Pass haben,
wird das Menschsein, ja die Legitimation zu leben, abgesprochen.“ Deswegen
sei der Kampf gegen das Mönchengladbacher Abschiebegefängnis auch ein
Einsatz für mehr Menschlichkeit in unserer Gesellschaft, so Sauer.
29 Dec 2025
## LINKS
(DIR) [1] /Geplantes-Abschiebegefaengnis/!6122586
(DIR) [2] /Anwalt-Peter-Fahlbusch-zu-Abschiebehaft/!6083072
(DIR) [3] https://www.finanzverwaltung.nrw.de/uebersicht-rubrik-aktuelles-und-presse/pressemitteilungen/einigung-erzielt-zweite
## AUTOREN
(DIR) Bernhard Clasen
## TAGS
(DIR) Mönchengladbach
(DIR) Schwerpunkt Flucht
(DIR) Abschiebehaft
(DIR) Abschiebehaft
(DIR) Migration
(DIR) Abschiebe-Gefängnis
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Abschiebegefängnis in Deutschland: Die Zivilgesellschaft protestiert
In Mönchengladbach soll ein neues Abschiebegefängnis mit 140 Plätzen
entstehen. Die bisher größte solche Anstalt in Deutschland hat 175 Plätze.
(DIR) Anwalt Peter Fahlbusch zu Abschiebehaft: „Mehr als die Hälfte rechtswidrig inhaftiert“
Vergessen und im falschen Knast: Peter Fahlbusch beobachtet viele Fehler
bei der Abschiebehaft. Aber die Regierung will die Rechte Betroffener
einschränken.
(DIR) Deutsche Migrationspolitik: Wegsperren, wegschicken
Der Asylsuchende Syrer Ali Shreteh musste 37 Tage in Abschiebehaft
verbringen. Über eine traumatisierende deutsche Praxis.