# taz.de -- Geburtshilfe und Hebammenversorgung: Alles bekannt, doch keiner tut etwas
       
       > Die Bundesregierung weiß um die Krise in der Geburtshilfe, und dass
       > zahlreiche Hebammen aufgeben wollen – handelt aber nicht. Die Grünen
       > kritisieren das.
       
 (IMG) Bild: Aus Sicht der Grünen verschärft die Bundesregierung die bestehende Versorgungslücke, indem sie notwendige Reformen unterlasse
       
       Die Grünen kritisieren, dass die Bundesregierung trotz bekannter Probleme
       in der Geburtshilfe und der Hebammenversorgung keine grundlegenden Reformen
       plant. Zwar benenne die Regierung bestehende Defizite, ziehe daraus aber
       keine weiteren Konsequenzen. „Wer den Handlungsbedarf erkennt, aber untätig
       bleibt, nimmt eine mangelhafte Versorgung rund um Schwangerschaft und
       Geburt bewusst in Kauf“, sagte die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kirsten
       Kappert-Gonther, Obfrau ihrer Fraktion im Gesundheitsausschuss des
       Bundestages. Grundlage für ihre Kritik ist eine Antwort des
       Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die
       Grünen, die der taz vorliegt. Zuerst [1][berichtete der Spiegel].
       
       In seiner Antwort macht das von Ministerin Nina Warken (CDU) geführte
       Bundesgesundheitsministerium deutlich, dass die Länder für die stationäre
       Versorgung verantwortlich seien – dazu zähle auch die Geburtshilfe. Sie
       sollen sicherstellen, dass es in den Regionen genügend Angebote gibt und
       diese zum jeweiligen Bedarf passen.
       
       Zugleich verweist das Ministerium auf ein Gutachten der
       nordrhein-westfälischen Landesregierung zur Situation der ambulanten
       Hebammenhilfe. Darin wird festgestellt, dass es stellenweise an Hebammen
       mangelt. Nicht alle Frauen hätten den gleichen Zugang zu Unterstützung rund
       um Schwangerschaft und Geburt. Besonders betroffen seien Frauen mit
       geringem Einkommen, niedriger Bildung oder Sprachproblemen. Außerdem
       berichten Hebammen aus einigen Regionen, dass sie mehr Anfragen bekommen,
       als sie annehmen können.
       
       Dass es sich dabei nicht um ein regional begrenztes Problem handelt, zeigt
       auch die Hebammenstudie 2025 der Zukunftsstiftung. Demnach denkt bundesweit
       jede zweite Hebamme über einen Berufsausstieg nach. Als Hauptgründe nennt
       die Studie eine hohe Arbeitsbelastung, zunehmenden bürokratischen Aufwand
       sowie anhaltenden Personalmangel.
       
       ## Versorgungsengpässe befürchtet
       
       Aus Sicht der Grünen verschärft die Bundesregierung die bestehende
       Versorgungslücke, indem sie notwendige Reformen unterlasse. Neben fehlende
       Maßnahmen, um das Ziel „Gesundheit rund um die Geburt“ zu erreichen, gibt
       es keine Änderungen, um die Vertretung der Hebammen in den
       Vertragsverhandlungen mit den Krankenkassen zu stärken. Kappert-Gonther
       betonte, dass gute Geburtshilfe nur mit Kontinuität und einer engen
       Zusammenarbeit zwischen Hebammen sowie Ärztinnen und Ärzten gelingen könne.
       „Dafür müssen Hebammenkompetenzen gestärkt und hebammengeleitete
       Einrichtungen endlich in sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen
       eingebunden werden“, sagt die Politikerin.
       
       In diesem Zusammenhang gab es zuletzt [2][Diskussionen um den
       Hebammenhilfevertrag], der seit November 2025 gilt. Vorausgegangen waren
       abgebrochene Verhandlungen des Deutschen Hebammenverbandes mit dem
       GKV-Spitzenverband der Krankenkassen. Eine unabhängige Schiedsstelle, die
       eingeschaltet wird, wenn sich die Vertragspartner nicht einigen können,
       stimmte dem Entwurf des GKV-Spitzenverbandes zu. Seit November regelt der
       neue Vertrag die Vergütung der Hebammen. Besonders freiberufliche Hebammen
       kritisieren, dass sie nun schlechter vergütet würden. Der Deutsche
       Hebammenverband befürchtet regionale Versorgungsengpässe und langfristig
       sogar Schließungen ganzer Kreißsäle.
       
       Kappert-Gonther kritisierte zudem den Umgang der Bundesregierung mit
       psychischen Erkrankungen rund um Schwangerschaft und Geburt. Die
       Bundesregierung habe keine Erkenntnisse über den tatsächlichen
       Versorgungsbedarf bei psychischen Erkrankungen vor und nach der Geburt, so
       Kappert-Gonther.
       
       Laut verschiedenen Studien leiden 10 bis 15 Prozent der Mütter an
       Depressionen, die vor oder während der Geburt auftreten. Teilweise ist
       sogar von bis zu 20 Prozent die Rede. Damit zählen diese Erkrankungen zu
       den häufigsten Komplikationen in dieser Lebensphase. Kappert-Gonther sagte:
       „Statt ein flächendeckendes Screening auf den Weg zu bringen, entzieht sich
       die Bundesregierung ihrer Verantwortung.“
       
       27 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/hebammen-bundesregierung-sieht-probleme-bei-geburtshilfe-gruene-kritisieren-untaetigkeit-a-753ce891-41ce-4be3-86c6-cd6d65f68469?sara_ref=re-xx-cp-sh
 (DIR) [2] /Schlechte-Bezahlung-von-Hebammen/!6102503
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Laura Verseck
       
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