# taz.de -- Abkommen zwischen der EU und Indien: Lieber zu viele Partner als zu wenige
> Die Handels- und Sicherheitsabkommen zwischen der EU und Indien setzen
> auch geopolitische Zeichen. Im Zentrum stehen Russland, Pakistan und die
> USA.
(IMG) Bild: Luftwaffenstützpunkt Hindon, Ghaziabad, Indien, 8. Oktober 2020: Der neue Kampfjet Rafale wird aus Anlass des 88. Tag der indischen Luftwaffe präsentiert
Indien und die Europäische Union wollen nicht nur wirtschaftlich, sondern
auch im Bereich Sicherheit enger zusammenrücken. Neben der Erklärung über
den Abschluss der Verhandlungen eines Freihandelsabkommens unterzeichneten
beide Seiten in Neu-Delhi eine Vereinbarung für eine Sicherheits- und
Verteidigungspartnerschaft. Diese soll etwa maritime und Cyber-Sicherheit,
den Schutz kritischer Infrastruktur, Informationsaustausch und
Weltraumsicherheit umfassen.
Die Vereinbarung sei eine „neue Phase“ der Beziehungen, erklärte
EU-Repräsentantin Kaja Kallas. Schon in der jüngeren Vergangenheit hatte es
Zusammenarbeit gegeben: So nahm Indiens Marine [1][etwa mit europäischen
Seestreitkräften an Anti-Piraterie-Aktionen und -Übungen teil.] Indien
bezieht außerdem Militärtechnik aus europäischen Staaten, etwa französische
Rafale-Kampfjets.
Daraus soll mit der Vereinbarung nun eine Partnerschaft werden. Deren
Abschluss dürfte – neben wirtschaftlichen Faktoren – geopolitische Gründe
haben.
Indien pflegt bislang mit Russland eine enge Partnerschaft im Bereich
Verteidigung. So gibt es etwa ein bis 2031 geltendes Abkommen zur
gemeinsamen Entwicklung und Produktion von Militärtechnik sowie zur
Instandhaltung russischer Militärtechnik in indischen Diensten. Weiter gab
es gemeinsame Übungen, [2][etwa im Jahr 2025]. Also lange nach Beginn des
russischen Angriffskriegs auf die gesamte Ukraine im Februar 2022.
## Beziehung zwischen Pakistan und USA wurde zuletzt wärmer
Wie die meisten Staaten in dieser Ära der Multipolarität versucht Indien
aber, seine Partnerschaften zu diversifizieren. Jüngst hatte Delhi bereits
eine Absichtserklärung für ein Verteidigungsabkommen mit den Vereinigten
Arabischen Emiraten unterzeichnet.
Auch, dass Erzgegner Pakistan jüngst ein strategisches Abkommen zur
gegenseitigen Verteidigung mit dem Golfstaat Saudi-Arabien unterschrieb,
dürfte eine Rolle spielen. Damit kam nach Einschätzung einiger Analysten
Riad unter den nuklearen Verteidigungsschirm Islamabads.
Außerdem ist Saudi-Arabien ein enger Partner der US-Regierung Donald
Trumps. Diese hatte wiederum jüngst hohe Zölle gegen Indien verhängt für
den Kauf russischen Erdöls. Und die diplomatischen Beziehungen zwischen den
USA und Pakistan wirkten jüngst so warm wie lange nicht.
Unter der Trump-Administration setzen wohl bei immer mehr Staaten zwei
Erkenntnisse ein: dass die USA einerseits nicht mehr bereit sind, ihre
Macht zu projizieren und damit Drittstaaten mitzuschützen. Und dass sie
gleichzeitig machtstrategisch vorgehen – und es weise ist, sich nicht allzu
deutlich gegen sie zu positionieren.
27 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.euronews.com/2025/11/12/eu-and-indian-navies-take-over-ship-used-by-somali-pirates-to-seize-malta-flagged-tanker
(DIR) [2] https://www.reuters.com/world/china/russia-india-begin-joint-military-drills-rajasthan-2025-10-07/
## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
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