# taz.de -- EU-Verfahren wegen KI-Bildern: Die x-te Warnung für X
> Das Pöbel-Portal von Elon Musk lässt seiner KI freien Lauf. Die
> EU-Kommission leitet deswegen nun ein Verfahren gegen den US-Konzern X
> ein.
(IMG) Bild: Protestplakat in London, 14. Januar: Der britische Premierminister Keir Starmer nannte die Erzeugnisse der KI „widerlich“
dpa | Nach dem Skandal um sexualisierte KI-Bilder von Elon Musks Chatbot
Grok [1][leitet die EU-Kommission ein Verfahren gegen den US-Konzern X
ein.] Die Brüsseler Behörde verdächtigt das Unternehmen des
Tech-Milliardärs laut Mitteilung, die Risiken bei der Einführung seiner
künstlichen Intelligenz auf der Onlineplattform nicht richtig bewertet und
reduziert zu haben.
X war in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten, weil zunächst alle
Nutzerinnen und Nutzer den KI-Chatbot Grok [2][auffordern konnten],
gepostete Bilder zu sexualisieren. Immer wieder befahlen Menschen der KI
etwa, Fotos zu manipulieren und Frauen in Bikinis zu kleiden.
An Silvester entschuldigte sich Grok dafür, ein Bild von zwei Mädchen im
Teenager-Alter „in sexualisierten Outfits“ erstellt und geteilt zu haben.
Bei der Untersuchung geht es laut EU-Kommission daher auch um Bilder, die
als Kindesmissbrauch gelten könnten. Im Sommer hatte Grok bereits mit
[3][Lobpreisungen für Adolf Hitler] schockiert.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teilte mit, die EU werde die
Verantwortung für Konsens und Kinderschutz nicht an Tech-Unternehmen
abgeben. „In Europa werden wir unvorstellbares Verhalten wie das digitale
Entkleiden von Frauen und Kindern nicht tolerieren“, fügte die deutsche
Politikerin hinzu.
## Endlich konsequent gegen X?
Nach der Deeskalation im Grönland-Konflikt nimmt die Brüsseler Behörde mit
diesem Schritt das Risiko in Kauf, die US-Regierung von Donald Trump erneut
zu verärgern. In Anbetracht der teilweise seit Jahren andauernden
Ermittlungen – auch gegen X – halten Kritiker der EU gleichzeitig schon
länger vor, ihre Digitalregeln nicht konsequent genug durchzusetzen.
Gegen Musks Onlineplattform laufen auf der Grundlage europäischer
Digitalgesetze ohnehin bereits mehrere Untersuchungen – etwa wegen der
Moderation und des Risikomanagements illegaler Inhalte. Erst Anfang
Dezember hatte die EU gegen X eine Str[4][afe von 120 Millionen Euro] wegen
Transparenzmängeln verhängt.
Washington reagierte damals scharf, sprach von Zensur und verhängte
Einreiseverbote gegen einen der Architekten der Digitalgesetze sowie andere
Europäer. Die heftige Reaktion konnte auch als Drohung in Richtung Brüssel
verstanden werden, keine weiteren Maßnahmen gegen die US-Tech-Riesen zu
ergreifen.
Außenminister Marco Rubio schrieb zur Begründung der Einreisesperren auf X,
es würden gezielt US-amerikanische Plattformen attackiert. Man sei bereit,
die Liste zu erweitern, wenn es keine Kurskorrektur gebe. Elon Musk selbst
sprach sich dafür aus, die EU abzuschaffen.
## Warum die EU-Kommission Grok nicht sperren will
Das nun eröffnete Verfahren konzentriert sich laut Mitteilung darauf, ob X
das Risiko für „geschlechtsspezifische Gewalt und schwerwiegende negative
Folgen für das körperliche und geistige Wohlbefinden“ genügend
eingeschränkt hat. Die Internetwächter in Brüssel kündigten neben der neuen
Ermittlung zudem an, eine seit Ende 2023 laufende Untersuchung zu
erweitern.
Von einer Strafe oder Sperre des Dienstes sah man aber zunächst ab: Eine
Deaktivierung von Grok in der EU zu erwirken, sei nicht das Ziel der
EU-Kommission und eher ein letztes Mittel, hatte ein Sprecher der Brüsseler
Behörde in der Vergangenheit gesagt. Indonesien und [5][Malaysia hatten
Grok als erste Länder weltweit Mitte Januar vorübergehend gesperrt.]
Die Einleitung des Verfahrens auf Grundlage des Gesetzes über digitale
Dienste (Digital Services Act, kurz DSA) bedeutet noch keinen Nachweis
eines Verstoßes. Sollte X aber nicht einlenken oder entlastende Beweise
liefern, könnten Strafen durch die Europäische Kommission drohen. Sie wacht
in der EU über die Einhaltung der Digitalregeln. Wie lange das Verfahren
dauern wird, ist offen.
Unter zunehmendem Druck wegen der übergriffigen Bilder – etwa von Schwedens
stellvertretender Ministerpräsidentin Ebba Busch – hatte die US-Firma ihren
Chatbot zuletzt eingeschränkt. „Die Bilderzeugung und Bearbeitung ist
derzeit auf zahlende Abonnenten beschränkt“, antwortet der Chatbot
inzwischen. Von Abonnenten erstellte Bilder lassen sich aber auch weiterhin
für alle öffentlich anzeigen.
Der EU-Kommission und auch anderen Aufsichtbehörden auf der Welt reichte
dieser Schritt nicht. Es folgten weitere Einschränkungen. So seien
„technologische Maßnahmen“ eingeführt worden, die die Bearbeitung von
Bildern realer Personen mit leichter Bekleidung wie Bikinis verhindern
sollen, teilte X mit. Diese Beschränkung gelte sowohl für kostenlose
Accounts als auch für zahlende Nutzer.
Auch die britische Medienaufsichtsbehörde [6][Ofcom] hatte Mitte Januar
eine offizielle Untersuchung gegen Musks Onlineplattform eingeleitet. Als
Grund gab die Behörde ebenfalls die von Grok sexualisierten Bilder an. Dies
könne mitunter als Missbrauch gewertet werden, hieß es in einer Mitteilung.
Der britische Premierminister Keir Starmer nannte die Erzeugnisse der KI
„widerlich“.
Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt seit Sommer 2025 gegen X. Die
ursprüngliche Ermittlung dreht sich um den Vorwurf, dass Algorithmen in dem
sozialen Netzwerk verändert worden sein sollen, um rechtsextremen Inhalten
mehr Aufmerksamkeit zu bescheren. Neu sind jetzt auch Vorwürfe wegen
Holocaustleugnung und sexueller Abbildungen.
26 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /EU-geht-gegen-X-vor/!6135776
(DIR) [2] /KI-Chatbok-Grok/!6145829
(DIR) [3] /Wegen-Holocaust-Leugnung/!6131762
(DIR) [4] /Organisation-gegen-Hass-im-Netz/!6141191
(DIR) [5] https://www.tagesanzeiger.ch/malaysia-sperrt-grok-ki-bilder-loesen-internationale-krise-aus-218539656048
(DIR) [6] https://www.ofcom.org.uk/online-safety/illegal-and-harmful-content/ofcom-launches-investigation-into-x-over-grok-sexualised-imagery
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gewesen.