# taz.de -- Rechtsextremismus in Sachsen: AfD gewinnt Bürgermeisterwahl in Altenberg
       
       > Das Erzgebirge gilt seit vielen Jahren als rechte Hochburg. Nun übernimmt
       > im Wintersportzentrum Altenberg ein AfD-Politiker das Rathaus.
       
 (IMG) Bild: Macht auch schon mal Witze über Terroranschläge: Altenbergs AfD-Bürgermeister André Barth
       
       Für den sächsischen AfD-Politiker André Barth war es ein glatter
       Durchmarsch. Bei der Bürgermeisterwahl im Wintersportort Altenberg im
       Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge holte der Kandidat der extremen
       Rechten am Sonntag fast 62 Prozent der Stimmen, und das bereits im ersten
       Wahlgang. Die vier anderen Kandidat:innen – alle parteilos – hatten
       keine Chance. Am besten schnitt noch die Leiterin einer örtlichen Kita ab,
       die auf 21 Prozent kam.
       
       „Überrascht hat mich die Deutlichkeit des Ergebnisses schon in der ersten
       Runde“, sagt Marcel Gundel am Montag zur taz. Er sitzt als Parteiloser für
       die Linke im Stadtrat von Altenberg und kennt den AfD-Mann gut. Schließlich
       stand Barth schon vor der Wahl an der Spitze der Verwaltung der
       7.500-Einwohner-Stadt, wenn auch nur kommissarisch. Nachdem der vormalige
       CDU-Bürgermeister im März 2025 nach Auseinandersetzungen mit dem Stadtrat
       überraschend zurückgetreten war, übernahm dessen AfD-Stellvertreter Barth
       das Ruder.
       
       Ein Wahlsieg des 56-Jährigen habe sich aufgrund des faktischen
       Amtsinhaberbonus vielleicht sogar abgezeichnet. Aber, so Gundel auch mit
       Blick auf die ungewöhnlich hohe Wahlbeteiligung von über 70 Prozent: „Ich
       kann das einfach nicht nachvollziehen, wie viele Leute hier kein Problem
       haben, ihr Kreuz bei einer Partei zu machen, die vom Verfassungsschutz
       beobachtet wird.“
       
       Tatsächlich ist der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge seit vielen
       Jahren eine sichere rechtsextreme Bank. In Pirna, dem Verwaltungssitz des
       Landkreises, [1][wurde bereits 2023 ein Parteiloser auf AfD-Ticket zum
       Oberbürgermeister] gewählt. Seit 2017 holte die AfD in dem Landkreis bei
       jeder Bundestagswahl das Direktmandat. Altenberg ist also kein
       Betriebsunfall. Auch in Großschirma im Landkreis Mittelsachsen gibt es
       längst einen AfD-Bürgermeister. „Der Osten ist blau“, bejubelte
       AfD-Bundeschef Tino Chrupalla das Ergebnis vom Sonntag.
       
       ## Witze über Terroranschläge
       
       André Barth ist in der notorisch völkisch-nationalistischen Sachsen-AfD
       kein Unbekannter. Das langjährige SPD-Mitglied sitzt seit 2014 für die
       extreme Rechte im sächsischen Landtag. Als die AfD im Vorfeld der
       Landtagswahlen 2019 in Umfragen schwächelte, zitierte ihn die Welt am
       Sonntag mit den Worten: „Was die Partei jetzt bräuchte, ist ein Anschlag,
       Anis Amri 2. So was darf man sich natürlich nicht wünschen.“ Vermutlich
       sollte das witzig gemeint sein.
       
       Marcel Gundel beschreibt ihn jedenfalls „als innerhalb der AfD eher
       gemäßigt“. So habe sich Barth auch als kommissarischer Rathauschef gegeben.
       Seine Möglichkeiten seien zudem schwer begrenzt. „Altenberg ist seit Jahren
       defizitär“, sagt Gundel. Daran habe auch Barth im letzten Jahr nichts
       ändern können. Ob beim Winterdienst der flächenmäßig riesigen Gemeinde oder
       den über die 22 Ortsteile weit verstreuten Kitas: Kürzungen seien hier kaum
       möglich, so Gundel.
       
       Trotzdem ist das Stadtratsmitglied besorgt. Denn Altenberg genießt einen
       weit über Sachsen hinausreichenden Ruf als Wintersportzentrum, bekannt für
       seine Biathlonarena und die Rennschlitten- und Bobbahn. Gundel selbst
       arbeitet in der Tourismusbranche. Er sagt: „Die Wahl schlägt extrem hohe
       Wellen.“ Im Ortsteil Zinnwald habe es seit Sonntag bereits erste
       Stornierungen von Übernachtungen gegeben. „Ich befürchte, dass das kein
       Einzelfall sein wird.“
       
       Beim [2][Bob- und Schlittenverband Deutschland] (BSD) sieht man das weitaus
       entspannter. Er könne nichts gegen den AfD-Bürgermeister von Altenberg
       sagen, „ich kenne die Person nicht mal“, sagt BSD-Sportdirektor und
       -Generalsekretär Thomas Schwab zur taz. Überhaupt, so der Sportfunktionär
       weiter: „AfDler sind ja Nationalisten. Die waren noch nie gegen den Sport.
       Auf den Sport wird das keine Auswirkungen haben.“
       
       ## Verlierer in Brandenburg
       
       Dass es für die extreme Rechte keineswegs überall in Ostdeutschland so
       unkompliziert laufen muss wie in Altenberg, Pirna oder Großschirma, zeigte
       am Sonntag ein Blick nach Brandenburg. Trotz tatkräftiger Unterstützung der
       Parteispitze und rechtsradikaler Medien verlor die AfD hier die Stichwahl
       [3][um das Landratsamt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz]. Am Ende setzte
       sich der CDU-Kandidat Alexander Erbert gegen die AfD-Frau Antje
       Ruhland-Führer durch. Erbert erhielt 53 Prozent der Stimmen, Ruhland-Führer
       kam auf 47 Prozent. Zum wiederholten Mal ging die AfD damit in Brandenburg
       bei einer Stichwahl als Verlierer vom Platz.
       
       26 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rainer Rutz
       
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