# taz.de -- Tag des bedrohten Anwalts: Weltweite Sorge um Kolleg*innen in den USA
       
       > UN-Berichterstatterin Satterthwaite und mehr als 50 Organisationen sehen
       > die freie Advokatur unter Trump in Gefahr. Das zeigt auch ein neuer
       > Bericht.
       
 (IMG) Bild: Dürfte verzweifelt über Rechte wie Trump sein: Justizia
       
       Während die Welt auf Grönland und die Ukraine blickt, baut die US-Regierung
       im eigenen Land Demokratie und Rechtsstaat ab. Ein oft übersehener Aspekt:
       Der Angriff auf freie Anwält*innen.
       
       Der neueste Skandal: Am Donnerstag wurde die Anwältin Nekima Levy Armstrong
       bei einer Protestaktion festgenommen, danach veröffentlichte [1][das Weiße
       Haus ein mit KI gefälschtes Fotos von ihr]. Doch nicht nur Armstrong ist
       betroffen: Die freie Anwaltschaft der Vereinigten Staaten insgesamt ist in
       Gefahr, warnt [2][ein neuer Bericht]. Veröffentlicht hat ihn eine Koalition
       von mehr als 50 Anwaltsorganisationen aus aller Welt. Die Rede ist von
       massiven Einschüchterungen gegen all diejenigen, die Regierungskritiker,
       Migranten, LGBTIQ- und Umweltaktivisten oder pro-palästinensische
       Demonstranten vertreten. Mehr als 50 Verteidiger seien demnach zuletzt
       strafrechtlich verfolgt worden.
       
       „Die Regierung verweigert Mandanten den Zugang zur Justiz und verrät unsere
       grundlegenden Werte“, kritisiert der Präsident der US-Amerikanischen
       Anwaltskammer, William R. Bay. Alarmiert ist auch die
       UN-Sonderberichterstatterin für die Unabhängigkeit von Richtern und
       Rechtsanwälten, Margaret Satterthwaite: „Anwältinnen und Anwälte in den USA
       sind aktuell einer ganzen Reihe von Angriffen ausgesetzt“, [3][sagte sie am
       Donnerstag].
       
       Aus diesem Grund sind die USA dieses Jahr als Fokusland für den „Tag des
       bedrohten Anwalts und der bedrohten Anwältin“ ausgesucht worden. Dieser
       findet jedes Jahr am 24. Januar statt. Ins Leben gerufen wurde er zum
       Gedenken an das Massaker von Atocha, bei dem 1977 vier
       Menschenrechtsanwälte und ein Kollege in ihrer Kanzlei in Madrid ermordet
       wurden. Rund um diesen Tag finden [4][weltweit Kundgebungen] und andere
       Veranstaltungen statt.
       
       ## In Roben vor die US-Botschaft
       
       In Berlin wurde bereits am Freitag demonstriert. „Lawyers at risk =
       democracy at risk“, stand auf Plakaten, die die Teilnehmenden am Pariser
       Platz vor dem Gebäude der diplomatischen Vertretung der Vereinigten Staaten
       in die eisige Luft streckten. Oder auch „Trump, stop blackmailing lawyers!“
       Einige trugen symbolisch ihre Roben über ihren Wintermänteln. „Eigentlich
       wollten wir den 50-seitigen Bericht der internationalen Koalition hier bei
       der US-Botschaft abgeben. Doch das ist nicht gestattet“, sagt einer der
       Anwälte der taz.
       
       Der Bericht weist auf Probleme der Justiz hin, die es in den USA schon vor
       Donald Trump gab – so wie rassistische Ungleichheit oder der große
       Ermessensspielraum von Staatsanwälten –, betont aber vor allem die „neuen
       Phänomene“: „Executive orders“, öffentliche Outings, Entlassungen, Entzug
       staatlicher Aufträge, Razzien oder die Verweigerung von Zugang zu
       Bundesgebäuden, der für die anwaltliche Tätigkeit nötig ist.
       
       Von Repressionen betroffen gewesen sind zum Beispiel die Kanzleien Perkins
       Coie LLP, WilmerHale oder die Elias Law Group. Die Kanzlei Paul Weiss
       knickte ein und einigte sich mit der Trump-Regierung [5][darauf,
       pro-bono-Rechtsberatung im Wert von 40 Millionen Euro für die Regierung zu
       leisten], um deren Sanktionen zu entgehen. Die Anwältin Rachel Cohen hat
       aus Protest gegen diese [6][Art von Erpressung ihren Job gekündigt]. Das
       Problem ist: Wenn sogar Großkanzleien aufhören, Trump-Kritiker zu
       unterstützen, wer soll dann noch gegen dessen Machenschaften vorgehen?
       
       ## Neuer Schurkenstaat: USA
       
       Normalerweise stehen am „Tag des bedrohten Anwalts“ Länder wie Belarus,
       Iran oder Afghanistan im Fokus, die für viele klar als Schurkenstaaten
       gelten. An der Wahl der USA gab es durchaus Kritik, sowohl von einzelnen
       aus der Branche, die finden, in anderen Ländern sei es schlimmer, als auch
       von Rechten, die die Politik der Trump-Administration gutheißen.
       
       Die Anwält*innen, die am Freitag vor der US-Botschaft in der klirrenden
       Kälte demonstrierten, sind sich allerdings einig: Trumps Repressionen sind
       auch deshalb gefährlich, weil sie [7][als Blaupause für die extreme Rechte
       weltweit] dienen können. „Als Nächstes kann es uns treffen“, erklärte eine
       Referendarin ihre Motivation, Solidarität zu zeigen.
       
       „Rechtsstaatlichkeit verteidigt sich nicht selbst. Das tun Anwälte“,
       erinnert auch William R. Bay – und verspricht: Seine Anwaltskammer werde
       den Kampf darum „niemals aufgeben“.
       
       Die Autorin ist taz-Redakteurin und für den Republikanischen Anwältinnen-
       und Anwälteverein tätig.
       
       24 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Gefaelschtes-Bild-zu-US-Verhaftung/!6148044
 (DIR) [2] https://www.rak-berlin.de/site/assets/files/33923/reportdel2026_with_coverpage.pdf
 (DIR) [3] https://vimeo.com/1157142137
 (DIR) [4] https://eldh.eu/2025/12/day-of-the-endangered-lawyer-24-january-2026-solidarity-with-our-colleagues-in-the-us/
 (DIR) [5] https://www.lto.de/recht/kanzleien-unternehmen/k/pro-bono-arbeit-kanzleien-usa-verstaendigung-trump-dei
 (DIR) [6] https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/interview-rachel-cohen-associate-grosskanzlei-kuendigt-nach-trump-deals-us-justizsystem
 (DIR) [7] /Schattenaussenpolitik-der-AfD/!6134633
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lotte Laloire
       
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