# taz.de -- Mandelson-Epstein-Affäre: Druck auf den britischen Premier wächst immer mehr
> Nach Enthüllungen über die Ernennung des Epstein-Bekannten Peter
> Mandelson zum Botschafter fordert die gesamte Opposition Keir Starmers
> Rücktritt.
(IMG) Bild: Gerät im Fall Mandelson immer mehr unter Druck: der britische Premierminister Keir Starmer
Der britische Premierminister Keir Starmer ist am Donnerstag in seine
bisher schwerste politische Krise gestürzt. Alle Oppositionsparteien und
wohl auch ein Minister seines eigenen Kabinetts fordern inzwischen seinen
Rücktritt.
Anlass ist eine am Dienstag veröffentlichte Recherche des Guardian. Demnach
soll der frühere britische Botschafter in den USA, Peter Mandelson, Anfang
2025 [1][in sein Amt berufen] worden sein, obwohl er die Hintergrund- und
Sicherheitschecks nicht bestanden hatte. Mandelson war [2][im September
vorigen Jahres abberufen] worden, nachdem eine Verbindung zum verurteilten
Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bekannt geworden war.
Bislang hatte Premier Starmer stets erklärt, bei Mandelsons Berufung seien
alle Regeln befolgt worden. Bei einer Pressekonferenz [3][im Februar] hatte
Starmer behauptet, Mandelson hätte die Sicherheitschecks bestanden.
Am Donnerstag erklärte 10 Downing Street dann, dass Starmer und seine
Regierung erst diesen Dienstag erfahren hätten, dass das überhaupt nicht
der Fall war. Dafür, dass Mandelson trotz fehlender Freigaben zum
Botschafter berufen wurde, soll allein das Außenministerium zuständig
gewesen sein, ohne die Tatsache der nicht bestandenen Überprüfungen an den
Regierungschef weitergegeben zu haben. Der britische Außenminister zur Zeit
der Ernennung Mandelsons, David Lammy, soll sogar erst diesen
Donnerstagnachmittag von dem Durchfallen Mandelsons bei den Checks gehört
haben.
## Hat Starmer wissentlich gelogen, ist der Rücktritt zwingend
Am Donnerstagabend feuerten Starmer und seine derzeitige Außenministerin
Yvette Cooper den verantwortlichen Amtsleiter im Außenministerium, Sir
Oliver Robbins. Robbins, einst Brexit-Verhandler unter Theresa May, leitete
das britische Auslandsministerium als höchster Beamter seit Januar 2025.
Inwiefern der Rauswurf gerechtfertigt oder Robbins nur ein Bauernopfer ist,
steht nun zur Debatte. Im Auswärtigen Ausschuss hatte Robbins im November
2025 angegeben, dass Keir Starmer die Berufung Mandelsons persönlich
übernehmen wollte, also die Entscheidung ausnahmsweise außerhalb des
Außenministeriums gefällt wurde und sich das Amt der Entscheidung Starmers
lediglich fügte.
Robbins’ Rauswurf folgt dem Rücktritt von Keir Starmers bisherigem
Stabschef Morgan McSweeney im Februar. McSweeney sagte damals, er übernehme
die volle Verantwortung, Starmer die Ernennung Mandelsons empfohlen zu
haben.
Die konservative Parteichefin Kemi Badenoch, der Liberaldemokrat Ed Davey
sowie die Fraktionen der Grünen und Reform UKs fordern jetzt, dass Starmer
selber gehen sollte. Die schottische SNP hat derweil eine parlamentarische
Untersuchung eingeleitet, um zu prüfen, ob Starmer wissentlich dem
Parlament bezüglich Mandelson nicht die Wahrheit gesagt hat. Sollte dies
der Fall sein, wäre ein Rücktritt nach den Regeln des britischen Parlaments
zwingend.
17 Apr 2026
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