# taz.de -- Ukraine-Verhandlungen in Genf: Kleine Schritte
> In Europa herrscht das Narrativ vor, dass man mit der russischen
> Regierung nicht reden kann. Warum hätten die Europäer dann in Genf
> vertreten sein sollen?
(IMG) Bild: Die russischen Delegierten auf dem Weg zum InterContinental in Genf, wo sie unter Vermittlung der USA mit der Ukraine verhandeln
Während in Genf scheinbar oder tatsächlich um einen Frieden zwischen
Russland und der Ukraine gerungen wurde, sprechen die Waffen eine andere
Sprache. Teilweise im 15-Minuten-Takt setzt der Telegram-Kanal der
ukrainischen Luftwaffe [1][neue Warnungen vor russischen Luftangriffen] ab.
Während in der Nacht zum Mittwoch ukrainische Städte von russischen Drohnen
und Raketen angegriffen werden, schießt die Ukraine Raketen auf Objekte der
russischen Energieversorgung.
Ganz offensichtlich scheint den Amerikanern in Genf eine Einigung nicht zu
gelingen. Möglicherweise hätte US-Präsident Donald Trump doch auch die
Europäer mit an den Tisch bitten sollen. Doch auch die Europäer scheinen
nicht an einem schnellen Stopp des russischen Angriffskrieges interessiert
zu sein. Und so ist das europäische Fehlen in Genf verschmerzbar. Denn in
Europa herrscht das Narrativ vor, dass man mit der russischen Regierung
nicht reden kann.
In Europa ist zudem die Erzählung verbreitet, die Ukraine kämpfe für unsere
europäische Sicherheit. Und solange die Ukrainer gegen das Russland von
Wladimir Putin kämpfen, so lange haben wir unsere Ruhe. Schön für uns
Europäer, weniger schön für die Ukrainer. Unter europäischen Politikern
herrscht die Ansicht vor, dass nur mit einem geschwächten Russland ein
Friedensabkommen möglich ist. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz,
denn mit einem schnellen Frieden kann man Russland nicht schwächen. Also
muss der Krieg fortgeführt werden.
Europa setzt auf Paketlösungen. Man nennt das auch gerne einen „gerechten
Frieden“. In der Praxis heißt das, dass eine Lösung schon daran scheitern
kann, dass man sich in einem einzigen Punkt nicht einigt. Praktikabler als
Paketlösungen sind hingegen Step-by-step-Einigungen. Wenn ich zwei Aufgaben
habe, erledige ich zuerst die einfachere Aufgabe. Sobald die erfolgreich
erledigt wurde, mache ich mich an die schwerere Aufgabe. Ähnlich ist es
beim Verhandeln.
## Punktuelle Annäherung
Anstatt mit den schwierigsten Konfliktpunkten anzufangen, sollte man mit
den Punkten beginnen, bei denen eine Einigung realisierbar erscheint.
[2][Bei der humanitären Frage von Kriegsgefangenen gibt es direkte
Kontakte] zwischen dem ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro
Lubinets und der russischen Menschenrechtsbeauftragten Tatjana Moskalkowa.
Die Erfolge bei dem [3][Austausch von Gefangenen] haben gezeigt, was
machbar ist. Es ist wichtig, alle Kanäle, die einen Kontakt der
Kriegsparteien ermöglichen, offenzuhalten. Schade, dass ausgerechnet
während der Verhandlungen von Genf Präsident Wolodymyr Selenskyj den
belarussischen Präsidenten [4][Alexander Lukaschenko mit Sanktionen belegt]
hat. Damit ist ein weiterer Kommunikationskanal versperrt.
18 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Tagebuch-aus-der-Ukraine/!6151981
(DIR) [2] https://www.unian.net/society/lubinec-vstretilsya-s-moskalkovoy-storony-dostigli-neskolkih-vazhnyh-dogovorennostey-13228173.html
(DIR) [3] /Krieg-in-der-Ukraine/!6152078
(DIR) [4] https://www.n-tv.de/politik/Ukraine-verhaengt-Sanktionen-gegen-Lukaschenko-id30375678.html
## AUTOREN
(DIR) Bernhard Clasen
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