# taz.de -- Arbeiten im Kulturbereich: Eine brotlose Kunst
       
       > Das Statistische Bundesamt berichtet über die Lebenssituation von
       > Kulturbeschäftigten. Ein Drittel verdient demnach weniger als 1500 Euro
       > pro Monat.
       
 (IMG) Bild: Viele Künstler:innen leben am Existenzminimum
       
       Die letzte umfassende Studie des Statistischen Bundesamts zur
       Lebenssituation von Beschäftigten im Kulturbereich stammt aus dem Jahr
       2021. Aus einer Zeit also, in der, coronabedingt, Theater, Konzerthallen
       und Museen geschlossen waren und daher viele Kulturschaffende um ihre
       Existenz bangten. Am vergangenen Dienstag, fünf Jahre später, legte das
       Statistische Bundesamt nun erstmals wieder eine Sonderauswertung vor. Aus
       ihr wird sofort ersichtlich: Die Pandemie ist zwar vorbei, die prekären
       Verhältnisse für die Mehrheit der [1][Beschäftigten in der Kulturbranche]
       sind aber geblieben.
       
       Niedrige Einkommen sind im Kulturbereich sogar überdurchschnittlich
       verbreitet, wie der Bericht belegt. Ein Drittel der Beschäftigten verdiente
       demnach 2024 weniger als 1.500 Euro netto im Monat und liegt damit deutlich
       unter dem bundesweiten Durchschnitt. In anderen Branchen betrifft das nur
       etwa ein Viertel der Erwerbstätigen. Und das, obwohl wieder mehr Menschen
       im Kulturbereich arbeiten, rund 1,3 Millionen waren es im letzten Jahr. Es
       scheint eine Kunst geworden zu sein, allein von der Kunst leben zu können.
       
       Besonders prekär ist die Lage in der bildenden Kunst, dort sind niedrige
       Einkommen laut Statistik besonders weit verbreitet. Eine Umfrage des
       Bundesverbands Bildender Künstler*innen (BBK) aus dem September 2025
       zeigt: Für die meisten reicht das Einkommen aus künstlerischer Arbeit kaum
       noch zum Leben aus, geschweige denn für Rücklagen im Falle von Krankheit
       oder für eine ausreichende Altersversorgung.
       
       ## Aus der Künstlersozialkasse fallen
       
       Rund ein Drittel der Kulturarbeiter*innen finanziert sich zumindest
       teilweise aus anderen Quellen als der eigenen Kunst, 80 Prozent sind mit
       ihrem Einkommen unzufrieden. Finanzielle Unsicherheit ist mit Abstand die
       größte Herausforderung für Künstler*innen, manche verdienen dabei so wenig,
       dass sie aus der Künstlersozialkasse fallen. Falls sie es überhaupt
       schaffen, in dem Bereich aktiv zu bleiben.
       
       Drastische [2][Einsparungen in den Kulturhaushalten] der vergangenen Jahre
       tragen zu dieser fatalen Entwicklung bei, sie treiben vor allem
       Selbstständige und Akteur*innen der freien Szene an die Existenzgrenze
       und darunter. Oder sie zwingen dazu, sich einen anderen Job zu suchen. Wenn
       prekäre Arbeitsverhältnisse zum Normalzustand werden, blutet die kreative
       Szene langfristig aus.
       
       22 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Gefaehrdete-Ateliers-in-Berlin/!6128455
 (DIR) [2] /Dramatische-Kulturkuerzungen-in-Berlin/!6139739
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lilli Braun
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kulturpolitik
 (DIR) Kulturförderung
 (DIR) Freie Szene
 (DIR) Freiberufler
 (DIR) Kreativszene
 (DIR) Prekariat
 (DIR) Künstlersozialkasse
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Kultur in Berlin
 (DIR) Kulturförderung
 (DIR) Berliner KünstlerInnen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Dramatische Kulturkürzungen in Berlin: Das Ausbluten der kreativen Szene
       
       In Berlin wurde der Kulturhaushalt der nächsten beiden Jahre verabschiedet.
       Drastische Kürzungen bedrohen die freie Szene in ihrer Existenz.
       
 (DIR) Kulturkürzungen des Bundes: Alles liegt auf Eis
       
       Der Bund beendet die Netzwerkförderung der großen Produktionshäuser für
       Darstellende Kunst. International werden sie eine kleinere Rolle spielen
       müssen.
       
 (DIR) KünstlerInnen bangen um Atelierräume: Wenig gespart, viel verloren
       
       KünstlerInnen haben sich das Arbeitsraumprogramm hart erkämpft. Es ist
       weltweit einzigartig. Doch es ist in Gefahr, wenn es zu Kürzungen kommt.