# taz.de -- Berliner Tatort: Nicht noch eine Midlfecrisis
> In ihrem letzten Berliner Tatort wird Komissarin Bonard auf eine
> Selbstfindungsreise geschickt. Inklusive Survival-Training am
> Teufelsberg.
(IMG) Bild: Ihr letzter gemeinsamer Fall führt Susanne Bonard (Corinna Harfouch) und Robert Karow (Mark Waschke) in den Wald
Am Berliner Teufelsberg wurde ein Wolf gesehen und eine Leiche gefunden.
Die Frage ist: Hat das eine mit dem anderen zu tun? Erst mal abwarten, sagt
Kommissar Karow (Mark Waschke), was die Indizien sagen.
Dazu kommt es aber nicht, denn kurz darauf treffen er und Kollegin Bonard
im Wald auf eine abgedrehte Survival-Trainerin (Anne Ratte-Polle). Wie
praktisch, denn es ist ja die letzte Folge mit Corinna Harfouch als
Kommissarin Bonard, und die soll doch in ihrem letzten Fall ein bisschen in
den Mittelpunkt treten.
Deswegen drückt sie kurzerhand den Pauseknopf auf dem Krimiplot und nimmt
uns mit auf eine kleine Selbstentdeckungs-Survival-Tour.
Frau Bonard ist angesichts der Pensionierung nämlich am Kriseln. Und da
hilft nichts besser, als auf sich allein gestellt sein in der Natur.
Deswegen lässt sie Karow stehen („Ich muss das jetzt machen!“) und folgt
der Survivaltante ins Westberliner Unterholz.
## Austauschbare Midlifecrisis
Es wird sich viel verabschiedet derzeit beim deutschen Sonntagskrimi.
Zuletzt aufgehört haben Kommissar Borowski in Kiel und Staatsanwältin Klemm
in Münster. Demnächst folgen Abschiede in Dortmund, Halle, München und
Wien.
Elegant ist immer, wenn die Fernsehkommissar*innen einigermaßen
geräuschlos ihren Hut nehmen, als bescheidene Bedienstete der
Krimiunterhaltung. Leider haben immer mehr von ihnen Hauptfigursyndrom und
belagern den kompletten Plot ihres letzten Films mit irgendeiner
austauschbaren Midlifecrisis.
Corinna Harfouch kann nichts dafür, dass man ihr genau so einen
Midlifecrisis-Abschiedsplot geschrieben hat. Sie ist halt eine Grande Dame
des Fernsehens.
Jedenfalls, von der Frage nach Wolf und Leiche ist erst mal nichts mehr zu
hören, stattdessen gibt es Feuermachen mit Flintstein und Fischefangen mit
spitzem Stock. Warum? Langsam wird klar, dass dieser „Tatort“ eher
thematisch assoziativ aufgebaut ist als erzählerisch.
## Wolf, Wald, Gefahr
Das Thema ist Survival, Krise, und dass „der Mensch des Menschen Wolf“ ist.
Während Bonard im Grunewald Lagerfeuer macht, vögelt Karow in der Stadt mit
einem Tech-Bro-Prepper (Nils Kahnwald) in dessen eigenem Luxusbunker. Wolf,
Wald, Gefahr, Überleben, Bunker, okay, Assoziationskette verstanden.
Nichts einzuwenden gegen ein assoziatives Drehbuch. Ist aber für einen
Krimifan ganz schön schwierig, klarzukommen in einem Film, der jegliche
Ermittlungen, Fährten, Verdachtsfälle und Motive einfach liegen lässt
zugunsten von lauter vereinzelten Plots, die nur symbolisch miteinander zu
tun haben.
Es ist wohlgemerkt auch nichts dagegen einzuwenden, dass man eine
„Tatort“-Kommissarin in die Wildnis schickt, auf der Suche nach sich
selbst. Aber ausgerechnet am Berliner Teufelsberg? Dort kann man wandern,
baden, picknicken, Fotoshootings für Albumcover machen und Drachen steigen
lassen. Was man dort nicht kann, ist einen atmosphärischen „Tatort“ drehen.
Auf ihrem „Survival“-Trip befindet Kommissarin Bonard sich jederzeit in
Hörweite von B 2 und A 115.
Schade ist vor allem, dass dieser Film, der ganz viel aufmacht zur
Vertrauenskrise unserer Zeit, zu dieser am Ende gar nichts zu sagen hat. Er
zeigt ein paar Archetypen, die im Wald schlafen und sich Bunker bauen.
Schau mal, so was gibt es, sagt dieser Film – krass, oder? Und dabei bleibt
es dann.
1 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Peter Weissenburger
## TAGS
(DIR) Berlin
(DIR) Serien-Guide
(DIR) Krimi
(DIR) Tatort
(DIR) Tatort Berlin
(DIR) Wochenendkrimi
(DIR) Tatort Berlin
(DIR) Wochenendkrimi
(DIR) Wochenendkrimi
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Roter Teppich für den „Tatort“: Kniefall für Corinna Harfouch
Mit viel Trara geht die Premiere des neuen RBB-„Tatort“ im Delphi
Filmpalast über die Bühne. Es ist der letzte Fall für Kommissarin Bonard.
(DIR) Tatort-Krimi „Das jüngste Geißlein“: Wie im schaurigen Märchenwald
Im neuen Schwarzwald-Tatort trifft der böse Wolf aus dem Märchen auf
schauerliche Realität. Perfekt zum Gruseln in der dunkelsten Jahreszeit.
(DIR) Berlin-Tatort „Erika Mustermann“: Die Abgründe alltäglicher Ausbeutung
Im neuen Berlin-Tatort trifft eine Hochsicherheitszone aufs Prekariat. Es
geht um falsche Identitäten, verlorene Liebe und brillante Ermittler.