# taz.de -- Finale vom Afrika-Cup: Triumph im Chaos
> Senegal siegt in einem von Tumulten geprägten Finale dramatisch über
> Gastgeber Marokko. Dessen Star Brahim Diaz wird zum tragischen Helden.
(IMG) Bild: Der schicksalhafte Moment: Brahim Díaz schickt sich an, den verunglückten Elfmeter zu schießen
Was für ein Finale! Senegal triumphierte am späten Sonntagabend zum zweiten
Mal [1][beim Afrika-Cup], schlug Gastgeber Marokko nach Verlängerung mit
1:0. Doch hinter den nüchternen Zahlen steckte ein großes Drama. Das
Endspiel des 35. Afrika-Cups stand kurz vor dem Abbruch: Es erlebte Tumulte
und körperliche Auseinandersetzungen auf dem Rasen, Schlägereien zwischen
Fans und Ordnern und fand schlussendlich doch noch einen sportlichen
Sieger. Zurück blieb ein geschundener Finalverlierer Marokko und mit Brahim
Diaz ein Fußballer, der zum Held seiner Nation hätte werden können. Der am
Ende aber einer der größten Verlierer war, die der Cup gesehen hat.
90 Minuten lang hatten sich [2][Gastgeber Marokko] und Senegal im schaurig
kalten Prince Moulay Abdellah Stadium von Rabat ein hochklassiges Finale
geliefert, doch es stand 0:0. Dann wurde es dramatisch. Und Schiedsrichter
Jean-Jaques Ndala geriet in den Mittelpunkt des Geschehens. Zunächst
verweigerte er Senegal in der Nachspielzeit einen Treffer wegen eines
angeblichen Foulspiels, anschließend entschied er auf der anderen Seite
aufgrund eines leichten Haltens auf Elfmeter für Marokko.
Auf den Rängen waren die senegalesischen Fans außer sich, Dutzende
übersprangen die Barrieren und legten sich mit den Ordnern an. Die
westafrikanischen Spieler verließen den Platz, kamen erst nach 20 Minuten
und Intervention ihres Kapitäns Sadio Mané zurück.
Den Elfmeter gab’s trotzdem. Und es trat an: Brahim Diaz. Doch der Star von
Real Madrid, der Team Marokko mit schon fünf Turniertreffern maßgeblich den
Weg ins Finale geebnet hatte, versagte vom Punkt. Allzu lässig wollte er
den Ball in die Tormitte lupfen – was Senegals Keeper Edouard Mendy geahnt
hatte. Der Keeper konnte locker parieren. Die Partie musste in die
Verlängerung.
## Senegal obenauf
Was dort passierte, war im Grunde genommen vorgezeichnet: Senegal war bei
mittlerweile strömendem Regen obenauf, Marokkos Akteure brauchten Minuten,
um sich einigermaßen zu sammeln. Das westafrikanische Team, die „Löwen von
Teranga“, wie sie genannt werden, nutzte dies: In der 94. Minute stieß Pape
Gueye von halblinks durchs Mittelfeld und zielte aus rund 16 Metern
Torentfernung ganz genau. Sein Linksschuss schlug unhaltbar für Marokkos
Keeper Yassine Bounou rechts oben im Winkel ein – Senegal führte mit 1:0.
Diesen Vorteil gab das Team um Sadio Mané nicht mehr aus der Hand. War
Brahim Diaz der tragische Held dieses Finals, avancierte Mané zum
Glückshelden. Mit seiner besonnenen Reaktion und der Initiative, die
Teamkollegen aufs Feld zurückzuholen, ebnete er Senegal erst die Chance,
dieses verrückte Spiel tatsächlich noch auf seine Seite zu ziehen.
Nach 2022 – damals schlug man Ägypten im finalen Elfmeterschießen –
sicherte sich Mané so gemeinsam mit seinen Kollegen von der „Goldenen
Generation“ s seinen zweiten Afrikameistertitel. Der 33 Jahre alte
Angreifer, der beim FC Liverpool zum Weltstar geworden ist und nach einem
unglücklichen Jahr beim FC Bayern München seit 2023 für Al Nassr in
Saudi-Arabien spielt, hatte schon vor dem Endspiel angekündigt, dass dieses
das letzte Afrika-Cup-Spiel in seiner Karriere sein würde. In zwei Jahren,
beim Turnier 2027, das in Uganda, Kenia und Tansania ausgetragen wird,
möchte Mané nicht mehr dabei sein.
Das Aus in der Nationalmannschaft ist aber beileibe noch nicht gleich
anberaumt. Im kommenden Sommer wird Mané mit seinen Teamkollegen erst noch
die Weltmeisterschaft spielen. Ebenfalls wie Marokko übrigens, das sich
beim Afrika-Cup auf heimischem Boden eigentlich nur hatte warmspielen
wollen für das große Weltturnier.
## Marokkos Unterschiedsspieler
Den Afrika-Cup hatte man in Marokko als Top-Favorit quasi im Vorbeigehen
mitnehmen wollen, was bis zum Finale auch ganz gut klappte. Das Team, das
seit [3][seinem Halbfinaleinzug bei der WM 2022] in Katar als aktuell
bestes des afrikanischen Kontinents gilt, spielte zwar selten brilliant,
setzte sich aber bis zum Endspiel hin sicher durch und machte einen
zunehmend stabilen Eindruck. Mit einem Unterschiedsspieler in den Reihen,
der sich erst im Oktober 2024 überhaupt dafür entschieden hatte, für
Marokkos Nationalteam spielen zu wollen.
Brahim Diaz – im spanischen Malaga geboren – hat eine spanische Mutter und
einen marokkanischen Vater. In seiner Jugend lief er für die
Nachwuchs-Nationalmannschaften Spaniens auf, für das A-Team absolvierte er
sogar ebenfalls ein Testspiel. Doch dann entschied er sich – weil ihn
Trainer Regragui überzeugte – zum Teamwechsel. Beim Turnier entwickelte er
sich zum entscheidenden Mann Marokkos, hätte zum Helden werden können. Es
gelang nicht. Senegal triumphierte und neben Marokkos Niederlage blieb ein
schaler Beigeschmack.
„Es wurden wieder einmal Zeichen von chaotischen Verhältnissen in Afrikas
Fußball in die Welt hinausgetragen“, sagte Sadio Mané nach dem Spiel. Und
Marokkos Trainer Regragui meinte: „Dieses Spiel war eines Finales unwürdig.
Was Senegal zwischendurch getan hat, war nicht in Ordnung. Dass Diaz den
Elfmeter so geschossen hat, wie er ihn geschossen hat, damit müssen und
werden wir leben.“ Brahim Diaz sagte nach dem Spiel: nichts. Er nahm mit
traurigem Blick die Trophäe für den besten Torschützen des Turniers
entgegen. Und ging.
19 Jan 2026
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## AUTOREN
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