# taz.de -- Aberkennung von Senegals Afrikacup-Sieg: „Beispiellos und inakzeptabel“
       
       > Senegals Fußballern wird der Sieg des Afrikacups aberkannt und Marokko
       > nachträglich zum Gewinner erklärt. Vor Gericht wird weiter gekämpft.
       
 (IMG) Bild: Tumult nach dem Elfmeterpfiff: Marokkos Achraf Hakimi (M. r.) und Senegals Idrissa Gueye (M. l.) diskutieren im Finale erregt
       
       Das Finale des Afrikacups zwischen Marokko und Senegal wurde vor zwei
       Monaten angepfiffen. Allerdings steht das Endergebnis immer noch nicht
       fest. Das Berufungsgericht des Fußballkontinentalverbands Caf [1][hat das
       Ergebnis (1:0 nach Verlängerung für Senegal)] am Dienstag
       überraschenderweise gedreht. Dem Einspruch der Nordafrikaner wurde
       stattgegeben und die Partie zu deren Gunsten mit 3:0 gewertet.
       
       Unmittelbar nach der Aberkennung des Afrikacup-Titels kündigte wiederum der
       senegalesische Fußballverband an, nun vor den Internationalen
       Sportgerichtshof Cas zu ziehen. Die Partie könnte also noch einmal eine
       Wende erfahren. In einem ersten Verfahren hatte die Caf lediglich Spieler
       von beiden Teams mit Geldstrafen belegt, den Erfolg Senegals aber nicht
       infrage gestellt.
       
       Fehlentscheidungen des kongolesischen Schiedsrichters Jean-Jacques Ndala
       Ngambozu zuungunsten Senegals hatten die Partie im Januar chaotisch werden
       lassen. Der vermeintliche Führungstreffer Senegals in der Nachspielzeit
       durch Moussa Niakhaté (90.+4 Minute) wurde fälschlicherweise aberkannt.
       Zudem sprach Ndala Ngambozu Marokko am Ende der Spielzeit einen
       zweifelhaften Elfmeter zu. Aus Protest beorderte Senegals Trainer Pape
       Thiaw sein Team vom Feld. Zugleich mussten Sicherheitskräfte den Versuch
       von Senegals Fans unterbinden, den Platz zu stürmen. [2][Der einstige
       FC-Bayern-Profi Sadio Mané] holte seine Mitspieler knapp eine Viertelstunde
       später wieder zurück. Brahim Diaz verschoss den Elfmeter für Marokko,
       Senegal gewann das Finale durch einen Treffer von Pape Gueye.
       
       Marokkos Fußballverband legte Protest gegen die Wertung des Spiels ein. In
       der Berufungsverhandlung wurde nun unter Verweis auf Artikel 82 und Artikel
       84 des Regelwerks für den Afrikacup erklärt, das senegalesische Team habe
       durch das Verlassen des Platzes gegen Ende der regulären Spielzeit die
       Partie aufgegeben – und müsse daher als Verlierer gewertet werden.
       
       Die Reaktion auf das Urteil folgte vonseiten Senegals prompt: „Die
       senegalesische Fußballföderation verurteilt diese Entscheidung als
       ungerecht, beispiellos und inakzeptabel und sieht darin eine
       Diskreditierung des afrikanischen Fußballs.“
       
       Weniger formell brachten die betroffenen Nationalspieler ihren Unmut zum
       Ausdruck. „Ihr könnt den Heulsusen ruhig noch drei Tore geben“, schrieb
       Pathé Ciss vom spanischen Erstligisten Rayo Vallecano auf der Plattform X.
       Sein Nationalteamkollege Idrissa Gueye vom englischen Erstligisten FC
       Everton erklärte: „Wir wissen, was wir an jenem Abend in Rabat erlebt
       haben. Und das kann uns niemand nehmen.“
       
       Senegals Zeitung Le Soleil bezeichnete die Entscheidung als „Witz des
       Jahrhunderts“, während die marokkanische Presse erwartbar diese völlig
       anders bewertete. Al Massae schrieb: „Marokko erhält den ‚gestohlenen‘
       Titel zurück.“ Und das Online-Nachrichtenmagazin „Le 360“ befand: „Der Caf
       wird Marokko gerecht und bewahrt den afrikanischen Fußball vor einer
       Wiederholung spielverderbender Verhaltensweisen.“
       
       Nach dem Gewinn des Afrikacups im Jahr 1976 ist Marokko dank dieses
       Sportgerichtsurteils jetzt zum zweiten Mal Kontinentalmeister. [3][Die
       massiven Investitionen der vergangenen Jahre in den nationalen Fußball,]
       die auch mit Blick auf die Gastgeberrolle der WM 2030 getätigt wurden,
       scheinen sich auszuzahlen. Weil der Gerichtsstreit jedoch vor dem Cas
       fortgesetzt wird, bleibt unabhängig vom Ausgang des Verfahrens auch für
       Marokko ein Imageschaden.
       
       Im Land kam es zudem in den vergangenen Monaten zu massiven Protesten gegen
       die üppigen Investitionen in den Fußball. Das Geld, so lautete einer der
       Forderungen, solle doch lieber beispielsweise in das marode
       Gesundheitssystem investiert werden.
       
       Zuletzt gab es weitere schlechte Nachrichten für den marokkanischen
       Fußball. Nach dem Männerkontinentalturnier sollte der Women’s Afrika Cup of
       Nations in dieser Woche ab dem 17. März in dem nordafrikanischen Land
       ausgetragen werden. Doch 12 Tage vor dem Anpfiff der ersten Partie wurde
       verkündet, das Turnier müsse verschoben werden. Im Juli soll es erst so
       weit sein. Die Caf sprach von „unvorhergesehenen Umständen“, nannte jedoch
       keine Einzelheiten. (mit Material von dpa)
       
       18 Mar 2026
       
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