# taz.de -- Afrikanischer Fußball: Wichtig is aufm Platz, oder?!
> Im Freundschaftsspiel gegen Peru präsentieren die senegalesischen Spieler
> die Trophäe des Afrika-Cups. Dabei beansprucht Marokko diese für sich.
(IMG) Bild: Noch darf er sie halten: Kalidou Koulibaly und die Afrika-Cup-Trophäe
Es kommt nicht oft vor, dass ein Freundschaftsspiel am inneren Gefüge der
Fifa rüttelt; vor allem nicht, wenn die Gegner Senegal und Peru heißen. Der
vergangene Samstag allerdings, als diese beiden Mannschaften in Paris
aufeinandertrafen, wird den internationalen Fußball noch länger
beschäftigen.
Die senegalesischen Spieler nutzten die Gelegenheit, um den in Frankreich
lebenden Fans die Trophäe der Afrikameisterschaft zu präsentieren. [1][Die
hatten sie vor drei Monaten zumindest auf dem Rasen gewonnen] – ob sie nun
aber tatsächlich Afrikameister sind oder nicht, ist aktuell Teil eines
schwebenden Verfahrens. Entsprechend hat auch der Vorsitzende der
marokkanischen Anwaltskammer die Feier im Stade de France gerichtlich zu
unterbinden versucht.
Zum größeren Bild gehört, dass Fifa-Präsident Gianni Infantino 2020 die
„Dekade des afrikanischen Fußballs“ ausrief. [2][Höhepunkt dieser Ära soll
die Weltmeisterschaft 2030 werden, die wie schon der diesjährige Afrika-Cup
in Marokko stattfinden soll.]
Unter anderem wurde dort eine Fifa-Dépendance eröffnet. Und eine Art
Testballon war eben der Afrika-Cup, der „beste aller Zeiten“ – wie ungefähr
alle Funktionäre der involvierten Verbände ihn nannten.
## Unwürdiges Gezerre rund um den Titel
Beobachter*innen zufolge war er das auch – jedenfalls bis zum
Endspiel: Da standen sich Marokko und Senegal gegenüber. Nachdem Senegal
kurz vor Schluss ein regulärer Treffer aberkannt wurde und sie danach einen
zweifelhaften Elfmeter gegen sich bekamen, verließen die Spieler aus
Protest für eine Viertelstunde das Feld.
Zwar wurde das Spiel fortgesetzt und die Senegalesen gewannen, aber Marokko
legte Protest ein. Überraschenderweise entschied der Sportgerichtshof des
Afrikanischen Fußballverbands (CAF), dass [3][Senegal der Titel ab- und
Marokko zuerkannt werden sollte]. Gegen diesen Entscheid erhob nun
seinerseits der senegalesische Verband Einspruch; der Fall liegt jetzt beim
Internationalen Sportgerichtshof (CAS).
Dieses unwürdige Gezerre rund um den Titel konterkarieren Gianni Infantinos
Bemühungen, der CAS ein professionelleres Image zu verpassen. Dabei hat
Infantino selbst das Vertrauen sowohl in den afrikanischen als auch in den
Weltverband nachhaltig erschüttert, als er nach dem Finale Konsequenzen für
einige senegalesische Spieler gefordert hatte.
## Unterwegs auf abgedrehten Sphären
Das ganze unwürdige Schauspiel ist genau die Sorte Spektakel, die ein
derart korrupter und korrumpierter Verein wie die Fifa unter Infantino
verdient hat. Während der damit beschäftigt war, das Ego irgendwelcher
Despoten zu streicheln und zu liebkosen, fehlen essenzielle Grundlagen zur
Durchführung eines solchen Events – eine vernünftige
Schiedsrichterausbildung zum Beispiel.
CAS und Fifa bewegen sich inzwischen in derart abgedrehten Sphären, dass
man ihnen direkt ein Set Kaffeetassen schicken wollen würde mit dem Satz:
Wichtig is aufm Platz. Selbst eine derart abgedroschene Binse scheint unter
Infantino nicht mehr common sense zu sein.
Ach ja: Senegal gewann 2:0 gegen Peru.
29 Mar 2026
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(DIR) Frédéric Valin
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