# taz.de -- Die Kunst der Woche: Im dritten Raum
> Die Installation „Zwischen Tür und Zukunft“ macht Zukunftsvisionen
> sichtbar – und reimaginiert Zugehörigkeit für Menschen, die Rassismus
> erleben.
(IMG) Bild: Videostill aus Arin Ismails „Repeat“, 2025, HD Video, 7 Minuten
Es war die schönste Eröffnung seit langem. Schon am ersten Abend des von
Diane Izabiliza und Saida-Mahalia Saad kuratierten Projekts [1][„Zwischen
Tür und Zukunft“] bei Spore dachte und hörte ich es immer wieder:
Vernissage kann so anders sein.
Von Lesung und Konzerten getragen, eröffnete die immersive Installation,
die Video- und Soundarbeiten sowie Workshops zur Frage zusammenbringt, wie
insbesondere für Menschen, für die in Deutschland Rassismus und/oder
Antisemitismus Alltagserfahrungen sind, Zukunftsvisionen aussehen können.
Zugespitzt auf die Frage: „Ist hier noch Sicherheit zu finden?“, löst sich
das Projekt von der binären Gegenüberstellung Gehen oder Bleiben – schon
allein, da nicht immer gegeben ist, überhaubt gehen oder bleiben zu können.
Den Weg der Annäherung an Zugehörigkeit und Safety, den Izabiliza und Saad
gewählt haben, führt dabei nicht über die politische Form der Manifeste,
sondern entlang nicht weniger politischer Pfade: in und durch Körper.
Angefangen dabei, dass die beiden ihre Rolle als Gastgeber:innen auch
darin ausdrückten, die Besucher:innen zu einem Festmahl einzuladen.
Und so übersetzte der Eröffnungsabend, was in Communities of Color und
queeren Communities selbstverständliche Praxis ist: das familiäre
Zusammenkommen mit Menschen, die ich vielleicht nicht persönlich kenne, mit
denen ich aber ein bestimmtes Erleben und in der Welt sein teile. Das
kuratorische Konzept der Kollaboration als Arbeitsweise ist da nur
konsequent.
Der für das Projekt bespielte Ausstellungsraum im Erdgeschoss mit seinem
angeschrägten Fenster, das schon von außen den Blick auf die collagierten
Bewegtbilder aus Arin Ismails Videoarbeit „Repeat“ freigibt, lässt sich als
Shuttle Bay des Projekts beschreiben. Im Inneren angelangt verdoppelt sich
„Repeat“ an den Wänden und trifft auf die responsive Audioinstallation
„Sustained Vacillation – Responsive System“ der Soundkünstlerin Kim Diana
Vu. Mit den Bewegungen des Publikums ändert sich der Soundteppich, der die
Bilder rahmt. Es ist Weite zu hören, Wasserrauschen, dann wieder
bedrohliches Dröhnen und knisternde Störgeräusche, die schließlich von
einem Waterphone in glockenartigen Feedback-Loops abgelöst werden.
Footage und Sound, für das die beiden Künstler:innen erstmals
kollaborierten, entstanden auf einem Curatorial Lab, für das sieben
Teilnehmende unter somatischer Begleitung von Auro Orso unter anderem
Gegenstände mitbrachten, die sie mit einem Gefühl von Sicherheit in
Verbindung bringen. Arin Ismail wiederum reagierte mit eigenen Bildern.
In der so entstandenen Videoarbeit begegnen uns immer wieder Sphären und
Spiralen: Säulenreihen schmiegen sich in Gehörwindungen; Wendeltreppen
verwandeln die Seiten eines Buches zur kurdischen Frauenbewegung zu
Portalen in andere Dimensionen. Über Händen schwebend dreht sich ein aus
seiner Halterung gelöster Globus um die eigene Achse. Er transformiert zur
Glasmurmel; derweil saust ein aufgedrehter Kreisel über den Boden;
kaleidoskopartige Multiplizierungen lassen die Bilder immer fragmentierter
werden.
Im Wandtext werden diese Fragmente als „visuelles Tauziehen zwischen
Intimität und Überwältigung“ beschrieben. Und so schafft sich hier eine
künstlerische Form der queeren Abstraktion Ausdruck. Ist doch das
körperliche Erleben manchmal die tiefere Antwort als das ewige Reagieren
auf die hegemoniale Anrufung des (Sich-)Zeigens in Form eindeutiger
Zeichen.
Wie ein Echo gleiten mehrsprachige Sätze in blauer Schrift über eine dritte
Wand: „Zwischen uns liegen Geschichten, die sich nicht entscheiden wollen.“
Und so ist es vielleicht ein „Dritter Raum“ der hier spür- und denkbar
wird, wie es auch Diane Izabiliza und Saida-Mahalia Saad in der
reboot.fm-Radiosendung „Talking Feminisms“ als Hoffnung formulieren.
Die Musik, die sie dabei haben, liefert einen weiteren Soundtrack zum
Projekt – von Labi Siffre über Jamila Woods und Mykki Blanco feat. Blood
Orange (Folge #62: [2][www.mixcloud.com/rebootfm]). Im Gespräch beschreibt
Moderatorin Tatjana eine Sensation, die ich nur ebenso an das Projekt
zurück spiegeln kann: Ambivalenz als Erleichterung.
20 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.instagram.com/tuerundzukunft/?hl=en
(DIR) [2] https://www.mixcloud.com/rebootfm/playlists/talking-feminisms/
## AUTOREN
(DIR) Noemi Molitor
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