# taz.de -- Tagebuch aus Kasachstan: Dienen für die Ukraine, woher auch immer man kommt
> Auch ausländische Soldaten verteidigen die Ukraine. Sie tun dies, obwohl
> in ihrer Heimat harte Strafen drohen. Einige aus voller Überzeugung.
(IMG) Bild: Ukrainische Soldaten in der Region Donezk
Im Frühjahr 2022 bekam ich die Information, dass in den Reihen der
[1][ukrainischen Armee] auch ein Kasache kämpft. Ich kontaktierte den Mann,
und er teilte mir seine Motive mit. „Meine Frau ist Ukrainerin und unsere
beiden Kinder haben kasachische und ukrainische Wurzeln“, sagte er. „Dieses
Land hat mir Liebe und Familie geschenkt, ich bin verpflichtet, es zu
verteidigen. Das ist meine Pflicht.“
Der in einer ukrainischen Uniform steckende Kasache erwies sich als
interessanter und gebildeter Mann. Zum Zeitpunkt des Interviews war er
etwas über 30 Jahre alt. Als ich ihn kontaktierte, befand er sich mitten im
Zentrum der Kampfhandlungen. Das war in der Region [2][Donezk]. Sein
Bataillon verteidigte die Stadt Wolnowacha und sorgte für die Verlegung der
Zivilbevölkerung.
Ich führte das Interview, als die ukrainischen Soldaten sich bereits aus
der Stadt zurückgezogen hatten. Weil das Internet in dieser Gegend nur
sporadisch funktionierte, hatten wir das Interview mit dem Messenger von
Instagram aufgezeichnet. Ich schickte ihm meine Fragen, und der Soldat
antwortete mit Voicemails, sobald er Internetverbindung und Zeit hatte. Im
Hintergrund dieser Sprachnachrichten waren heulender Wind und explodierende
Granaten zu hören.
Er ist nicht der einzige Kasache, der auf der Seite der Ukraine kämpft. Bei
seiner Rückkehr nach [3][Kasachstan] wird gegen ihn und die anderen ein
Strafverfahren wegen „Beteiligung an einem ausländischen bewaffneten
Konflikt“ oder wegen „Söldnertum“ eingeleitet werden. Das ist der Grund,
warum die ukrainischen Behörden nicht mitteilen, wer die ausländischen
Freiwilligen in ihrer Armee sind und aus welchen Ländern sie kommen.
## Hoffen auf Anerkennung – wenigstens in der Ukraine
„Ich bin auf eine Reise gegangen und weiß, dass die Ukraine mich nicht im
Stich lassen wird, denn ich bin nicht nur aktiver Vertragssoldat der
ukrainischen Streitkräfte, sondern werde auch hier bleiben und ukrainischer
Staatsbürger werden“, erzählte mir der Kasache damals in dem Interview.
Aber nach drei Jahren Krieg hat der Held meines Interviews immer noch nicht
die ukrainische Staatsbürgerschaft erhalten, was eine Menge rechtlicher
Komplikationen mit sich bringt. Und das, obwohl er während des Krieges mit
dem „Orden für Tapferkeit“ dritten Grades ausgezeichnet wurde und mehrere
Verwundungen erlitten hat.
Wenn man all diese Fälle betrachtet, könnten viele sagen, dass die
Kasachen, die die Ukraine verteidigen, richtig handeln, während die
Kasachen, die auf der Seite Russlands kämpfen, dies nicht tun. Für die
kasachischen Behörden sind jedoch beide Seiten Kriminelle, die gegen das
Gesetz verstoßen. In Kasachstan müssen Kämpfer mit einer
[4][Freiheitsstrafe von bis zu zwölf Jahren] rechnen, ganz gleich in
welcher Armee sie waren.
Manche mögen sagen, dass dies ungerecht ist. Andererseits kann man sagen,
dass die kasachischen Soldaten beider Seiten doch wussten, worauf sie sich
einlassen. Aber wussten sie das wirklich?
[5][ Nikita Danilin ] , Jahrgang 1996, ist ein Journalist aus Almaty
(Kasachstan). Er war Teilnehmer eines [6][Osteuropa-Workshops der taz
Panter Stiftung].
Aus dem Russischen von [7][Tigran Petrosyan].
Durch [8][Spenden an die taz Panter Stiftung] werden unabhängige und
kritische Journalist:innen vor Ort und im Exil im Rahmen des Projekts
„Tagebuch Krieg und Frieden“ finanziell unterstützt.
23 Jan 2026
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