# taz.de -- Buch über XXL-Kunst: Das Atelier, der mächtige Produktionsapparat
       
       > In ihrem Buch „Große Kunst“ untersucht die Kunsthistorikerin Karen van
       > den Berg das „Hyperwachstum in der Studiopraxis“.
       
 (IMG) Bild: Eher Agentur als Kunstatelier: Blick in das Berliner Studio von Ólafur Elíasson, 2015
       
       Wenn im Mai die 61. Ausgabe der Venedig-Biennale eröffnet, wird man ihn
       wieder einmal besichtigen können, den Größenwahn der Kunst. Installationen,
       Skulpturen, Ausstellungen, das weiß jede:r, der oder die sich in den
       vergangenen Jahren in der internationalen Kunstwelt herumgetrieben hat,
       scheinen physische Grenzen nicht mehr zu kennen. Immer raumgreifender,
       immer spektakulär will die Kunst sein, muss sie auch sein, um so manche der
       heutigen Ausstellungshäuser und Galerien überhaupt füllen zu können.
       
       Gleich zu Beginn ihres fast 400 Seiten schweren Buches „Große Kunst.
       Hyperwachstum in der Studiopraxis“, in dem Karen van den Berg den Trend zum
       Groß-und-Größer untersucht und analysiert, wie sich dieser auf
       künstlerische Werke, Arbeitsprozesse und Selbstverständnisse auswirkt,
       blickt auch die Kunsthistorikerin nach Venedig. Sie erzählt vom
       US-Pavillon, [1][den 2024 der Choctaw-Cherokee-Künstler Jeffrey Gibson
       innen wie außen in grellbunte Farben tauchte.]
       
       Gesamtkosten: 5,8 Millionen Dollar. Eine Summe, die Gibson, ohne
       Großgalerie im Hintergrund und von der US-Regierung mit nur 375.000 Dollar
       unterstützt, zu weiten Teilen selbst organisieren musste.
       
       Interessant ist der Fall für van den Berg aus verschiedenen Gründen. Als
       Beispiel für die Selbstverständlichkeit, mit der in der Kunst Werke
       entstehen, die auch einen „mächtigen Produktionsapparat“ voraussetzen. Für
       die Summen, mit denen dort gehandelt wird, und für die unternehmerischen
       Anforderungen, die beides an Künstler:innen stellt.
       
       ## Die unsichtbaren Hände
       
       Karen van den Berg ist Professorin für Kunsttheorie & inszenatorische
       Praxis an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Die
       Kunsthistorikerin hat selbst zahlreiche Ausstellungen kuratiert und forscht
       insbesondere zu den Produktionsbedingungen von Kunst. In früheren
       Publikationen hat sie sich etwa [2][mit Formen politischer Kunst]
       beschäftigt.
       
       Für ihr neues Buch hat sie gemeinsam mit der Soziologin Ursula Pasero über
       einen Zeitraum von sechs Jahren zahlreiche Interviews geführt und
       Studiobesuche unternommen. Dabei widmete sie sich insbesondere jenen
       „unsichtbaren Händen“, die dafür sorgen, dass aus einem künstlerischen
       Konzept ein spektakuläres Werk wird, wie auch all den
       [3][hochspezialisierten Dienstleistungs- und Fertigungsbetrieben, die daran
       beteiligt sind].
       
       Aufschlussreich ist van den Bergs Buch vor allem da, wo sie an konkreten
       Beispielen untersucht und kritisch zuspitzt, wie sich heutige
       Mega-Künstler:innen organisieren. Katharina Grosse wird dort aufgeführt,
       die selbst von ihrem „Apparatus“ spricht, dem sie stets ausführliche
       „Credits“ zuteilkommen lässt und dessen Zentrum sie selbst als Künstlerin
       bildet.
       
       Sie nennt auch El Anatsui und sein Studio im nigerianischen Nsukka. Dort
       knüpfen Assistent:innen in Abertausenden Stunden Handarbeit Rohmaterial
       – von recycelten Aluminiumschraubdeckeln bis zu Schnapsflaschen – zu
       riesigen Gobelins zusammen. Das Studio sei „durch eine geteilte
       lebensweltliche Tiefe“ geprägt, „die es mit den Kleinbetrieben,
       Gebrauchsgegenständen und Alltagspraktiken der Umgebung verbindet“.
       
       ## Total durchprofessionalisiert
       
       Oder [4][Ólafur Elíasson], der mittlerweile drei GmbHs betreibt, eine
       dreistellige Zahl an Mitarbeiter:innen in slicken
       Design-Labor-ähnlichen Büro-Werkstätten beschäftigt und der „beinahe alles,
       was in seinem Studio passiert, zur experimentellen Forschung“ erklärt.
       
       All das hat vielschichtige Gründe, die van den Berg nachzuzeichnen
       versucht. Was bei alldem mitschwingt, ist die Frage, was es mit der Kunst
       macht, wenn sie in immer stärker durchprofessionalisierten Zusammenhängen
       entsteht. „Womöglich verliert sie nicht nur ihren Reiz, sondern auch ihre
       gesellschaftliche Funktion“, überlegt van den Berg. Und eine gewisse
       Freiheit.
       
       15 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Beate Scheder
       
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