# taz.de -- Vor Start des Weltwirtschaftsforums: Davos beschwört den Geist des Dialogs
> Im Risiko-Bericht des Weltwirtschaftsforums stehen die Sorgen um Krieg
> und ökonomische Konflikte ganz oben. Das Klima-Thema rückt etwas nach
> hinten.
(IMG) Bild: Soldaten arbeiten vor dem kommenden Treffen des Weltwirtschaftsforums auf dem provisorischen Flugplatz am Davoser See
Als eine Art Fieberthermometer der globalen Politik wirkt [1][das
Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos]. In den nächsten zwei Jahren sei mit
starken Turbulenzen zu rechnen, ist im neuen Welt-Risiko-Bericht des WEF zu
lesen. „Geoökonomische Konfrontation“ und Kriege zwischen Staaten sind nun
die beiden Top-Risiken. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren rutscht die
Sorge um [2][Wetterextreme] auf den dritten Platz.
Der Risiko-Bericht basiert auf einer regelmäßigen Umfrage unter ungefähr
1.300 weltweit führenden Firmenvorständen, Fachleuten aus Politik,
Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Das alljährliche Forum in den Schweizer
Bergen startet am kommenden Montag. Es ist ein riesiger Kongress mit
Tausenden Manager:innen und Politiker:innen. 64 Staats- und
Regierungschefs hätten sich bisher angekündigt, sagte WEF-Präsident Borge
Brende, darunter die Spitzen der größten westlichen Staaten. US-Präsident
Donald Trump soll ebenfalls erscheinen. Auch Kanzler Friedrich Merz reist
in das verschneite Städtchen in 1.500 Meter Höhe.
Die Hälfte der Befragten befürchten „turbulente“ oder „stürmische“
Situationen für die weltweite Wirtschaft und Politik in den kommenden zwei
Jahren. Im Risiko-Bericht 2025 äußerte sich nur ein Drittel in diese
Richtung. 2024 waren es 30 Prozent.
„Geoökonomische Konfrontation“ belegt nun Platz 1 der Risiko-Hitliste – mit
18 Prozent der Nennungen. Darunter sind beispielsweise Auseinandersetzungen
um hohe Zölle zu verstehen, wie sie Trump auslöste. Auf Platz 2 folgen
jetzt „bewaffnete Konflikte“ mit 14 Prozent der Nennungen, wobei nicht nur
der russische Angriff auf die Ukraine und der Gaza-Krieg, sondern auch die
Attacke Israels und der USA auf die iranischen Atomanlagen eine Rolle
gespielt haben dürften. Im vergangenen Jahr belegten solche Probleme die
Plätze 1 und 3. 2024 wurden sie nicht unter den fünf größten Risiken
genannt.
## Multilaterale Zusammenarbeit weniger intensiv
„Eine neue Weltordnung“ nehme Gestalt an, in der Großmächte ihre
Interessensphären absteckten, sagte Brende. Wobei dieser Befund im
Risiko-Bericht kein Hexenwerk ist. Das Stimmungsbarometer der Weltelite
gibt oft das wieder, was auch die normale Bevölkerung umtreibt. So drängen
die aktuellen Sorgen das Klima-Thema mehr nach hinten, das zum Beispiel
2024 noch ganz oben im Risiko-Ranking stand. Im Zeitraum der nächsten zehn
Jahre betrachtet, bleibt es für die Teilnehmenden der Umfrage allerdings
höchst relevant. Wetterextreme, Kollaps von Ökosystemen und Klimawandel
nehmen die drei obersten Positionen der langfristigen Risiko-Wahrnehmung
ein.
Vor dem Start des Kongresses veröffentlichte das WEF außerdem die neueste
Ausgabe seines „Barometers der globalen Kooperation“, wobei dieses nur bis
Ende 2024 reicht. Demnach hat die Intensität multilateraler, friedlicher
Zusammenarbeit nachgelassen, an der die Mehrheit der Staaten
gleichberechtigt teilnehmen kann. Verursacht haben diesen Rückgang unter
anderem die Angriffe Russlands auf die Ukraine und der Hamas auf Israel –
Verletzungen der Charta der Vereinten Nationen.
Auf anderen Feldern nehme die Kooperation dagegen zu, etwa in der
Klimapolitik, sagt das WEF. Als Beispiele nennt es die EU-Politik zur
Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes in der Industrie oder ein Abkommen
zur Energie-Zusammenarbeit zwischen Laos, Thailand, Malaysia und Singapur.
Themenspezifische und regionale Kooperationen setzten dem momentanen
Verfall des Multilateralismus durchaus etwas entgegen, lautet die These.
## Globaler runder Tisch
In diesem Sinne trägt das Forum dieses Jahr die Überschrift „Geist des
Dialogs“ („Spirit of Dialogue“). Sowieso versteht es sich als globaler
runder Tisch, an dem gleichberechtigte Diskussionen stattfinden, um den
„Zustand der Welt zu verbessern“. Auch ein paar Linke und Ökologen werden
eingeladen und dürfen mitmachen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen,
produziert das Treffen in den Bergen meist keine konkreten, einflussreichen
Initiativen. Trotzdem kommen Hunderte Vorstandsvorsitzende. Getragen wird
das WEF von den größten Konzernen der Welt, als deren Lobbyorganisation es
auch wirkt.
Zum ersten Mal seit Anfang der 1970er-Jahre findet der Kongress diesmal
[3][ohne seinen Erfinder Klaus Schwab] statt. Der gebürtige Ravensburger
taucht in der Liste der aktiven Führungsfiguren nicht mehr auf, nur als
„Gründer“ ist er noch verzeichnet. Anschuldigungen wegen vermeintlichen
finanziellen und organisatorischen Missverhaltens, die offenbar wenig
Substanz hatten, nutzten jüngere Leute aus, um Schwab hinauszudrängen. Er
hatte seinen Abschied verzögert, obwohl er schon 87 Jahre alt ist.
14 Jan 2026
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## AUTOREN
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