# taz.de -- Myanmars Militär soll gewählt werden: Warum Chinas Einparteienregime Wahlen in Myanmar unterstützt
> Die autoritär regierte Volksrepublik unterstützt das brutale
> Militärregime bei seinen Scheinwahlen mit technischer Hilfe und schickt
> Wahlbeobachter.
(IMG) Bild: Myanmars Juntachef Min Aung Hlaing (2. von links) beim Treffen mit Chinas Machthaber Xi Jinping Ende August 2025 in Tianjin
China hat den Militärputsch in seinem südlichen Nachbarland Myanmar nie
verurteilt. Vielmehr hatte Peking den Coup vom 1. Februar 2021 nur als
[1][„größere Regierungsumbildung“] bezeichnet. Doch glücklich war Peking,
das sich guter Beziehungen zur Regierung der gestürzten Aung San Suu Kyi
rühmte und ihr wenige Wochen zuvor noch zum Wahlsieg gratuliert hatte, mit
dem Putsch auch nicht. Doch jetzt unterstützt Peking, das im eigenen Land
selbst keine demokratischen Wahlen zulässt, das Regime in Naypyidaw nicht
nur mit technischer Wahlhilfe. Auch schickt es als eines von wenigen
Ländern Wahlbeobachter. Warum?
China ging es in Myanmar nie um Demokratie. Als dominierender Investor,
Handelspartner, Kreditgeber und Waffenlieferant hat China dort
wirtschaftliche, strategische und Rohstoffinteressen. Diese umfassen etwa
den Hafenzugang am Indischen Ozean als Schutz gegen eine mögliche Blockade
der Straße von Malakka, die Sicherung der Öl- und Gaspipelines, die von
Myanmars Küste zum südchinesischen Yunnan führen, sowie den Zugriff auf
Myanmars Seltene Erden. Sie sind Chinas wichtigste Importe dieser
strategischen Metalle. Auch möchte Peking nicht, dass in Myanmar eine
womöglich pro-westliche Regierung demokratische und China-kritische Impulse
aussendet.
Schon früher sollen Chinas Kader myanmarische Generäle wegen ihrer
grobschlächtigen Politik verachtet haben. Doch dann stoppte deren Putsch
auch abrupt noch die vorsichtige Transformation Myanmars und stürzte das
Land in Bürgerkrieg und Chaos.
Immer wieder gab es Gerüchte, dass China den Putschführer Min Aung Hlaing
für ungeeignet hält, um das Land zu befrieden. Das gab Peking nie zu, aber
auffällig war, dass der General schon mehrfach von Russlands Präsident
Wladimir Putin hofiert wurde, Chinas Xi Jinping ihn aber mied.
## China gab Rebellen erst grünes Licht, später dann rotes
Trotzdem schützte Peking Myanmars Junta vor einer Verurteilung im
UN-Sicherheitsrat. Sanktionen hätten nicht nur Kosten für China bedeutet,
sondern wollte Peking damit auch einen Präzedenzfall erfolgreicher
Sanktionen verhindern.
Nach dem Putsch florierten im Shan-Staat, einer von Myanmars fünfzehn
Verwaltungseinheiten an der Grenze zu China, immer mehr vom Militär
protegierte Spielcasinos und Cyberbetrugszentren. Die Opfer waren meist
Chinesen. Als die Junta nicht wie von China gewünscht dagegen vorging,
signalisierte Peking drei im Shan-Staat aktiven ethnischen Rebellengruppen,
dass bei ihrer Offensive Peking dem Regime nicht beistehen würde.
Die „Operation 1027“ genannte Offensive der Drei-Brüder-Allianz führte Ende
2023 zur Einnahme fast der ganzen Grenzregion durch die Rebellen. In der
Folge kam es [2][auch landesweit zu einer militärischen Schwächung der
Regimes.] Das verlor 2024 die Kontrolle über die Hälfte des Landes.
Doch traut China den Rebellen auch nicht und fürchtet den Kollaps des
Regimes. Peking nutzte deshalb seinen Einfluss und zwang zwei
Rebellengruppen der Allianz zur Rückgabe eroberter Gebiete einschließlich
der einzigen bisher von Rebellen eroberten Provinzhauptstadt.
Peking setzte auch ein Verbot der Weitergabe eroberter Waffen an andere
Rebellen durch und zwang eine Rebellengruppe aus der Allianz zum
Waffenstillstand mit der Junta. Zwei Rebellenführer sollen während ihrer
medizinischen Behandlung im chinesischen Yunnan festgehalten worden sein,
bis sie wie von Peking gewünscht handelten. Das Militär ist seitdem wieder
in der Offensive.
## Wahlen nur als Facelifting ohne Risiko des Regime Change
[3][Chinas Vizepräsident Han Zheng versprach im September] einer
Junta-Delegation, Peking werde in Myanmar weiter „die nationale Stabilität,
Souveränität und Unabhängigkeit unterstützen sowie die Umsetzung der
innenpolitischen Agenda.“
Dazu gehören auch Wahlen, die ein Facelifting des Regimes sowie die
Einhegung des 69-jährigen Juntachefs durch vielleicht fähigere Militärs
ermöglichen. Peking dürfte hoffen, dass Min Aung Hlaing als gleichzeitiger
Juntachef und Staatspräsident nach den Wahlen auf einen Posten verzichtet.
Erst nachdem er die Wahlen angekündigt hatte, war Chinas Xi im Mai 2025 zum
ersten Treffen seit dem Putsch bereit. Im August folgte dann schon das
zweite.
Inzwischen ist die Junta offener für Pekings Wünsche und erwägt sogar,
[4][den 2011 vom früheren Militärregime suspendierten Bau des
Mytsone-Damms] wieder aufzunehmen. Das von China finanzierte Projekt im
nördlichen Kachin-Staat, das 90 Prozent seiner Elektrizität an China
liefern soll, ist in Myanmar heftig umstritten.
29 Dec 2025
## LINKS
(DIR) [1] /Myanmar-nach-dem-Putsch/!5755166
(DIR) [2] /Widerstand-in-Myanmar/!6046869
(DIR) [3] https://www.stimson.org/2025/major-events-in-china-myanmar-relations/
(DIR) [4] /Umstrittenes-Staudamm-Projekt-in-Birma/!5110701
## AUTOREN
(DIR) Sven Hansen
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