# taz.de -- Tragikomödie „Song Sung Blue“: Es geht auch ohne Ellenbogen
       
       > Der Kino-Film „Song Sung Blue“ basiert auf der wahren Geschichte zweier
       > Underdogs, die zueinander finden. Hugh Jackman und Kate Hudson brillieren
       > als Paar.
       
 (IMG) Bild: Mike (Hugh Jackman) und Claire (Kate Hudson) in „Song Sung Blue“
       
       Es ist schon ein beachtliches Kunststück, das so oft erzählte Klischee der
       großen Liebe so entwaffnend und alles andere als ermüdend in Szene zu
       setzen, wie es Regisseur Craig Brewer in „Song Sung Blue“ gelingt. Und das
       liegt nicht nur an der gekonnten Inszenierung seiner Geschichte, sondern
       auch am Sujet selbst. Es sind Underdogs, von denen hier erzählt wird.
       Menschen aus der Arbeiterklasse, deren Leben von materiellen Nöten,
       psychischen Problemen und schweren Schicksalsschlägen gezeichnet sind, die
       sich dennoch nicht kleinkriegen lassen. Ein Milieu, das im Genre des
       klassischen Liebesfilms eine Seltenheit ist.
       
       Hugh Jackman spielt Mike Sardina, einen geschiedenen [1][Vietnamveteranen],
       der in Milwaukee Ende der 1980er Jahre sein 20-jähriges Jubiläum als
       trockener Alkoholiker feiert und sich mit Gelegenheitsarbeiten als
       Automechaniker über Wasser hält. Abends steht er als Musiker auf den
       kleinen Bühnen der Stadt.
       
       Bei einem Gig auf einem Jahrmarkt – es werden die großen Idole der
       amerikanischen Musikgeschichte wie [2][Elvis], [3][Barbra Streisand,]
       [4][James Brown] oder [5][Buddy Holly] imitiert – trifft er auf die
       Friseurin und Musikerin Claire Stengl (Kate Hudson). Mike ist hin und weg
       von ihrem Auftritt als Countrymusikerin Patsy Cline und beherzigt ihren
       Rat, doch künftig als sein großes Idol Neil Diamond aufzutreten.
       
       „Song Sung Blue“ spielt zunächst sehr hinreißend auf der Klaviatur eines
       klassischen Wohlfühlfilms. Mike und Claire verlieben sich und gründen als
       „Lightning & Thunder“ eine Neil-Diamond-Tribute-Band. Gemeinsam mit ihrer
       Begleitband erobert das Duo rasch die Herzen des Stadtpublikums. Der
       Höhepunkt ist ein Auftritt als Vorband von Pearl Jam, die Anfang der 1990er
       zu Grunge-Superstars avancieren und in Milwaukee haltmachen. Es folgt die
       Heirat, der Umzug ins gemeinsame Haus – und der große Knall.
       
       Craig Brewer konterkariert radikal die Erwartung des Publikums. Auf die
       wohlige Wärme folgt ein harter Schlag in die Magengrube. Denn dieser
       bescheidene amerikanische Traum, als Coverband groß rauszukommen, wird jäh
       von einem Unfall zunichtegemacht. Die Musical-Romanze entwickelt sich
       kurzzeitig zu einem knallharten Familiendrama.
       
       ## Empathische Grundhaltung
       
       Dieser Spurwechsel in der Tonalität mag irritieren, entfaltet aber eine
       ungemeine Wirkung und ist letztlich wahren Begebenheiten geschuldet. Der
       Film basiert auf dem gleichnamigen Dokumentarfilm aus 2008, der die
       Geschichte der echten Mike und Claire Sardina erzählt, die es in Milwaukee
       zu lokaler Berühmtheit schafften.
       
       „Song Sung Blue“ ist ein (im positiven Sinne) kitschiger
       Nostalgie-Crowdpleaser mit einem großartigen Cast. [6][Hugh Jackman] hat
       bereits in „Les Misérables“ (2012) und „Greatest Showman“ (2017) bewiesen,
       dass er singen kann. Als Patchwork-Daddy und Neil-Diamond-Fanboy holt er
       sich hier alle Sympathiepunkte, wenn er etwa zu Hause in weißer
       Feinripp-Unterhose sein Idol imitiert und sich eine Zerrung zuzieht.
       
       [7][Kate Hudson] steht ihm als alleinerziehende und vom Leben gezeichnete
       Claire in nichts nach. Für ihre Rolle ist sie bei den Golden Globes in der
       Kategorie „Musical/Comedy“ nominiert. James Belushi spielt in einer
       grandiosen Nebenrolle deren naiv-treuherzigen Promoter.
       
       Was „Song Sung Blue“ aber vor allem so sehenswert macht, ist seine
       empathische Grundhaltung. Der Film erzählt von Menschen, die einander
       helfen. Eine solidarische Gemeinschaft der kleinen Leute, in der man es
       nicht schafft, weil man seine Ellenbogen ausfährt, sondern weil man sich
       gegenseitig unterstützt und füreinander einsteht. In der Hinsicht ein fast
       schon zu rührseliger Film. Ein Film aber, der in diesen trostlosen Zeiten
       umso tröstlicher ist.
       
       12 Jan 2026
       
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