# taz.de -- Liebeskomödie „Is This Thing On?“: Trennung ist hier mehr als Misere
       
       > In „Is This Thing On?“ schickt Regisseur Bradley Cooper ein Ehepaar zu
       > therapeutischen Zwecken zur Stand-up-Comedy. Improvisiert wird hier
       > grandios.
       
 (IMG) Bild: Tess Novak (Laura Dern) und Alex Novak (Will Arnett) in „Is This Thing On?“
       
       Tess und Alex haben zwei Söhne und sind so lange verheiratet, dass ihnen
       die Erinnerung an ein Leben ohneeinander mindestens schwerfallen dürfte.
       Das zeigt sich jetzt besonders gut, denn sie stecken mitten in der
       Trennung. In der Eröffnungsszene von „Is This Thing On?“ sieht man Alex,
       der mit Will Arnett umwerfend treffsicher besetzt ist, am Rand einer
       Schulaufführung sitzen. Ein chinesischer Löwe tanzt, die Aula tobt, nur der
       Vater lehnt erschlafft in der Ecke und blickt ins Leere, das
       bedauerlicherweise keine Antwort auf die Frage bereithält, wie alles so
       weit kommen konnte.
       
       Bradley Coopers dritte Regiearbeit ist eine Rom Com, eine jener
       Liebeskomödien, mit denen fourtysomethings wie Tess und Alex groß geworden
       sind. Die Handlung von „Is This Thing On?“ setzt jedoch ein bis zwei
       Jahrzehnte nach deren üblichem Happy End ein. Wie macht man weiter als
       Paar, wenn Nachwuchs folgt oder nicht? Wenn Haare ausfallen, Karrieren
       versanden und man unterwegs versäumt hat, einander nah zu bleiben, sich
       selbst allerdings auch? Tess und Alex wissen es nicht. Für die Klärung
       dieser Fragen ist es jetzt ohnehin zu spät.
       
       Also hat Cooper sie mit allem ausgestattet, was man für eine
       vergleichsweise sanfte Trennung braucht (Geld, belastbare Freundschaften,
       Großeltern in der Nähe) und ausgespart, was die Erodierende-Ehe-Erzählung
       zum Drama machen würde (Anwälte, tiefe Verletzungen, traumatisierte
       Kinder). „Is This Thing On?“ ist eine relativ heitere Rom Com über eine
       scheiternde Langzeitbeziehung. Relativ ungestört kann sie sich der Frage
       widmen, wozu so ein Vorgang gut sein mag.
       
       Da wäre etwa Tess (Laura Dern), die sich durch den neuen Alltag bewegt, als
       hätte sie sich soeben einer Sauerstoffkur unterzogen. Richtig, die Sache
       ging von ihr aus. Allerdings sind Dern, Arnett und Cooper zu lebens- und
       scheidungserfahren, um dem Publikum weiszumachen, dass so ein Neustart hier
       wie da leicht fiele. Erlebt man Tess beim ersten Date Ü40, kommt alles
       andere als Neid auf. Aber es steckt eine unverhoffte, ansteckende Energie
       darin, wenn die Figuren ausloten, wer sie jenseits der Paarbeziehung sein
       könnten. Trennung ist hier mehr als Misere, sie ist auch eine Möglichkeit.
       
       ## Der Auftrittt setzt etwas in ihm frei
       
       Das zeigt sich besonders bei Alex, der eines Abends, bitte nicht lachen,
       auf der Bühne eines Comedy-Clubs landet. Hier wird kein großes Talent aus
       dem Hut gezaubert, es ist interessanter: Der erste Stand-up-Auftritt setzt
       etwas in ihm frei und das ist mehr als Angst. Könnte man es gar
       Gruppentherapie nennen? Statt müde zu scrollen, sitzt der Mann zu später
       Stunde nun jedenfalls am Küchentisch und notiert eifrig Ideen.
       
       In all ihrer behaupteten oder tatsächlichen Improvisation gehören die
       Szenen im Comedy-Keller zu den wahrhaftigsten dieses Films. Cooper hat
       echte Comedians engagiert und ist nah dran an Arnett, dessen unbearbeitetes
       Gesicht mehr über das Leben von Alex erzählt als über das Altern im
       Showbusiness. Als Tess zufällig und unbemerkt im Publikum landet, erleben
       die beiden einen entscheidenden Wendepunkt.
       
       Ungern würde man selbst mit ansehen, wie der Noch-Ehemann intime
       Beziehungsdetails als Material für einen Gig nutzt. Weil Laura Dern aber
       eine sehr gute Schauspielerin ist, kauft man ihr ab, dass diese Demütigung
       etwas mit sich bringt, das Tess lange gefehlt hat: Aus der Distanz lernt
       sie den Menschen, der ihr mal am nächsten stand, aufs Neue zu sehen.
       
       Es klingt arg konstruiert, dabei basiert das Skript auf der Ehekrise des
       Komikers John Bishop. Deren Adaption gelingt „Is This Thing On?“ überall
       da, wo sie vom Zauber des Unbekannten und vom Wiederentdecken erzählt.
       Irgendwann aber scheint Cooper der Ungeduld und der eigenen popkulturellen
       Prägung zu erliegen. Dann umrieselt Konfetti die lachenden Protagonisten
       wie im Werbeclip, wirkt das Tempo ihrer Wiederannäherung etwas forciert.
       Warum eigentlich nicht in Serie über die Wachstumsschmerzen der mittleren
       Jahre erzählen? Genug Material für dynamische Figurenentwicklung über
       mehrere Staffeln ließe sich finden.
       
       22 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Böhm​
       
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