# taz.de -- Fotoarbeiten von Laura J. Padgett: Sich ein Bild von der Natur machen
       
       > Fotografie als menschliche Interpretation der Natur: Laura J. Padgetts
       > großformatige Bilder zeigen Stadtgrün aus Frankfurt, Basel und Brooklyn.
       
 (IMG) Bild: Laura J. Padgett: Imperial and empirical studies in botany
       
       Dies ist also das Vokabular, das gleich in den Sinn kommt bei Laura J.
       Padgetts neuen Fotografien: Hervorlugen, Herausragen, vielleicht auch
       Durchbrechen, Hindurchzwängen, Überwuchern. Die erste Natur bahnt sich
       ihren Weg in den Bildern der Frankfurter Künstlerin, die gerade in der
       Galerie Peter Sillem ausgestellt werden.
       
       Nicht so brachial, eher beständig, eingehegt in Kästen, Mauern, Gärten,
       Gewächshäusern. Aber, das wird deutlich, unaufhaltsam. Blätter scheinen
       durchs halbgekippte Fenster einer botanischen Einrichtung nach draußen zu
       schielen, vielleicht schon in grauer Vorahnung, dass sie irgendwann dorthin
       ausgewildert werden sollen. Auch das natürlich rein menschliche
       Interpretation – wie die Fotografie schlechthin, woraus die Künstlerin kein
       Geheimnis macht.
       
       Padgett wurde 1958 in Cambridge, Massachusetts, geboren, hat in New York
       Malerei studiert und später an der Frankfurter Städelschule bei [1][Peter
       Kubelka] experimentellen Film. Oft sind es Architekturen im weiteren Sinne,
       die sie in den Fokus ihrer Film- oder wie jetzt Fotokamera rückt.
       
       ## Fokus auf die gestaltete Umgebung
       
       Auch private Gärten, in England oder Jordanien, gehörten schon dazu. Nicht
       die leere, urwüchsige Landschaft interessiert die Künstlerin, sondern die
       auf den Menschen bezogene (und von diesem mehr oder weniger gestaltete)
       Umgebung. Für die aktuelle Serie „Bliss“ hat sie Stadtgrün in Frankfurt,
       Basel und Brooklyn eingefangen.
       
       Die Logik analoger Arbeitsweisen hat die Künstlerin nie ganz verlassen,
       auch wenn die Kamera inzwischen digital ist. Noch immer fotografiert sie
       eher wenige Bilder. Orte besucht sie oft mehrmals, teils über lange
       Zeiträume. Das Motiv selbst entsteht eingedenk dieser Vorbereitung schnell,
       im Moment selbst. Das Resultat ist eine Fotografie wider die Überwältigung,
       die auf den ersten Blick geradezu unspektakulär anmuten kann.
       
       Im Ausstellungsraum addieren sich die großformatigen (und ungerahmten)
       Ausschnitte von Grün zu einem Mehr als die Summe ihrer einzelnen Teile: So
       sieht sie offenkundig aus, die städtische Botanik, und das ist doch schon
       allerhand.
       
       ## Der Blick von außen
       
       Padgetts Bilder machen sich keine romantisch überhöhte Vorstellung von
       ihrem Sujet, geben aber auch keine allzu kühle Distanz vor. In dieser
       vermeintlich nüchternen Betrachtung liegt viel Fantastisches. Ein
       zugewandter Blick auf ebendiese Natur, der Mensch davon ein Teil und
       zugleich auch nicht, mit seiner Fähigkeit zum Blick von außen.
       
       Der fällt im letzten Ausstellungswinkel auf eine kurze Videoarbeit,
       aufgenommen vor einem Brunnen in New York City, in der beiläufig These und
       Antithese, kontrolliertes und unbeherrschbares Naturbild zusammentreffen:
       Ein Vorhang aus künstlichem Wasserfall rauscht wie ein unveränderliches
       Standbild, bis einige Spatzen den Ausschnitt von rechts betreten, kurz
       verweilen und mittig links wieder herausfliegen.
       
       4 Feb 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina J. Cichosch
       
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