# taz.de -- Reproduktionsmedizin: Künstliche Gebärmutter im Labor
> Eine neue Studie zeigt anhand eines Uterusmodells, wie Embryonen sich in
> der Gebärmutter einnisten – und warum das auch schiefgehen kann.
(IMG) Bild: Ultraschall-Bilder eines Babys im Mutterleib
Was passiert in der frühesten Phase der Schwangerschaft? Klar ist, dass
sich der Embryo eine Woche nach der Befruchtung in die Gebärmutter
einnisten muss, damit es überhaupt zu einer Schwangerschaft kommt. Probleme
in dieser Phase können zu Fehlgeburten und Schwangerschaftskomplikationen
führen. Wie genau [1][dieser Prozess] beim Menschen vonstatten geht, war
bisher kaum bekannt. Warum es zum Beispiel nur ein Drittel der natürlich
gezeugten menschlichen Embryonen schafft, sich in die Gebärmutter
einzunisten, wissen Forschende bislang nicht.
## Die Studie
Gleich drei Forschungsteams, zwei chinesischen und [2][einem
internationalen aus Europa und den USA], ist es gelungen, erstmals
realistische Uterusmodelle im Labor zu entwickeln, die diese frühe
Schwangerschaftsphase modellieren. Die Studien erschienen Anfang Januar in
den Fachmagazinen Cell und [3][Cell Stem Cell]. In allen drei
Untersuchungen gelang es den etwa eine Woche alten Embryonen, sich mit
einer künstlichen Gebärmutter zu verbinden. Die Embryonen wurden im Zuge
künstlicher Befruchtung gespendet. Tatsächlich entwickelte sich in allen
drei Modellen der Embryo bis zu einer Phase weiter, in der die Forschenden
Vorläuferstrukturen für Plazenta und Fötus beobachten konnten. Alle
Experimente wurden aufgrund gesetzlicher Auflagen spätestens am 14. Tag
nach der Befruchtung beendet.
Alle Gebärmuttermodelle folgen einem ähnlichen Aufbau: Die Forschenden
bauten über zwei Gelschichten eine Art Sandwich. Dafür isolierten sie zwei
Zellarten aus entnommenem Gebärmuttergewebe: die sogenannten Stromazellen,
die Organen ihre Struktur geben, in einem Gel und darüber gelagert die
Zellen der Gebärmutterschleimhaut. Sie interagiert als Erstes mit dem
Embryo und trägt maßgeblich zu dessen Einnistung bei.
## Was bringt’s?
Die neuen Modelle sind ein Meilenstein in der Forschung und versprechen
Fehlgeburten und Komplikationen in der frühen Schwangerschaft besser zu
verstehen. So untersuchte ein Team die Blockade eines wichtigen Signalwegs
zwischen Gebärmutterschleimhaut und Embryo, der zu schweren Schäden im
Gewebe führte, das später die Plazenta bildet.
Ein anderes [4][Team] untersuchte Modelle, die auf Gebärmutterproben von
Patient*innen basieren, bei denen bereits mehrfach eine [5][künstliche
Befruchtung scheiterte]. Dabei konnten sie feststellen, wie die Embryonen
dort nur lose oder gar keine Bindungen zur künstlichen
Gebärmutterschleimhaut bildeten. Am Modell testeten sie den Effekt
Hunderter in den USA zugelassener Medikamente, von denen einige die
Einnistungsrate erhöhen konnten. Auch Start-ups wie Simbryo Technologies in
Houston sind an solchen Modellen interessiert. Mit ihnen sollen
Patient*innen künftig ihre individuelle Wahrscheinlichkeit für die
Einnistung eines [6][künstlich befruchteten Embryos] erfahren.
29 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Doku-Sex-and-the-Scientists-bei-ARD/!6090138
(DIR) [2] https://doi.org/10.1016/j.cell.2025.10.027
(DIR) [3] https://doi.org/10.1016/j.stem.2025.12.002
(DIR) [4] https://doi.org/10.1016/j.cell.2025.10.026
(DIR) [5] /Je-Schulklasse-ein-bis-zwei-Kinder/!6133750
(DIR) [6] /Fortschritte-der-Reproduktionsmedizin/!5947390
## AUTOREN
(DIR) Adefunmi Olanigan
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