# taz.de -- Ost-Sonderrentner in der DDR: Sie wurden vergessen
> Seit Jahren kämpfen Rentner in Ostdeutschland um ihre in der DDR
> erworbenen Zusatzansprüche – vergeblich. Auch eine Regelung für Frauen
> kam nie zustande.
(IMG) Bild: Harte Arbeit: Tagebau im Groitzscher Dreieck in Sachsen, DDR, 1988
Der „Runde Tisch Rentengerechtigkeit“ ist schon wieder Geschichte. Der erst
2023 gegründete Verein hatte sich dem Kampf um die Zusatzrenten aus der DDR
verschrieben, die seit der Wiedervereinigung Ost-Rentnern mehrerer
Berufsgruppen vorenthalten werden. Zum Jahresende hat sich der Verein
aufgelöst – wegen ausbleibender Erfolge.
Aus dem gleichen Grund gab nach 30 Jahren Mitgliedschaft jetzt auch der
83-jährige Rentner Rainer Diebler sein SPD-Parteibuch zurück. Der ehemalige
Bergmann im Südraum Leipzig hatte zuvor auch die taz angeschrieben: Es
klang nach einem letzten Aufbäumen, stellvertretend für viele „Überlebende“
aus Ostdeutschland, die ihre in der DDR erworbenen speziellen
Rentenansprüche nun endgültig verloren zu haben scheinen.
Das Problem: In der DDR gab es – wie in der Bundesrepublik auch – mehrere
Sonderversorgungssysteme, die im Zuge der Beitrittsverhandlungen 1990 beim
sogenannten Rentenüberleitungsgesetz vergessen oder ignoriert wurden. Neben
Bergleuten sind unter anderem Reichsbahner und Postangestellte,
Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen, freie Künstler, Tänzer oder
Spitzenakademiker aus der DDR betroffen.
Rainer Diebler beispielsweise war in der Braunkohleveredlung beschäftigt.
Die besonders schmutzige und gesundheitsgefährdende Herstellung von
Briketts, Koks oder Wachs sollte mit einer Rente wie für Kumpel im Tagebau
entschädigt werden. Allein – Diebler ging leer aus. Der Kampf um die
Einlösung ihrer Zusatzrentenansprüche ist bei Diebler wie bei vielen
anderen inzwischen Resignation oder Sarkasmus gewichen. Zumal die Zahl der
Betroffenen durch die „biologische Lösung“ schwindet.
## Geschiedene Frauen besonders betroffen
Die zahlenmäßig größten Verlierer:innen des Rentenüberleitungsgesetzes
[1][stellen die nach DDR-Recht geschiedenen Frauen dar]. 1990 wurde ihre
Zahl auf 300.000 geschätzt, etwa ein Drittel soll heute noch leben.
Monatlich entgehen ihnen mehrere Hundert Euro Altersbezüge, da ihre Rente
nicht nur ungeachtet der Erwerbsminderung durch Kindererziehungszeiten nach
den letzten 20 Arbeitsjahren berechnet wurde.
Auch entgeht den in der DDR Geschiedenen der in der Bundesrepublik übliche
Versorgungsausgleich durch ihre Ex-Männer. Der darf rückwirkend den
Ost-Ehemännern nicht angelastet werden, entschieden Gerichte nach
Klageversuchen.
Eine Anfang der 1990er Jahre angekündigte Regelung für die Frauen kam nie
zustande. „Sowohl der Einigungsvertrag als auch das
Rentenüberleitungsgesetz wurden im Widerspruch zum Gebot der Gleichstellung
und Verbot der Diskriminierung von Frauen verabschiedet“, sagte [2][Marion
Böker, langjährige Sprecherin des Vereins der in der DDR geschiedenen
Frauen], 2024 bei einer Veranstaltung. Ein Jahr zuvor hatte auch ihr Verein
aufgegeben und sich aufgelöst.
Es ist längst Geschichte, dass 2017 die SPD dieses Ostthema für den
Bundestagswahlkampf entdeckte. Ihr Dortmunder Parteitag setzte damals noch
einen „Gerechtigkeitsfonds“ ins Wahlprogramm, auszustatten mit mindestens
einer Milliarde Euro. Im Vertrag der folgenden schwarz-roten Koalition
[3][blieb davon nur noch ein Härtefallfonds].
## Zwei Drittel der Anträge abgelehnt
Sowohl dessen niedriger einmaliger Auszahlungsbetrag von 2.500 Euro als
auch die Berechtigungskriterien zeigen, dass er lediglich noch eine
symbolische Funktion erfüllt. In den „Genuss“ kamen bis Antragsschluss
Anfang 2024 praktisch auch nur Senioren mit einer Rente auf
Grundsicherungsniveau. Fast zwei Drittel der 168.903 Anträge wurden von
vornherein abgelehnt. In Sachsen etwa profitieren lediglich 2.988 Personen,
darunter nur drei Bergleute.
„Wir haben auf Lohn verzichtet, also eigene Beiträge eingezahlt, und sind
enteignet worden.“: Die Korrespondenz von Rainer Diebler mit
sozialdemokratischen Genossen wie der Ost-Beauftragten der Bundesregierung,
Elisabeth Kaiser, oder der sächsischen Sozialministerin Petra Köpping liest
sich verbittert. „Bergleute im Regen stehen lassen, was kann man von diesen
hochdekorierten Vertretern noch erwarten als Bürger und Bergmann?“, steht
in seiner Absage zum 35. Gründungsjubiläum des SPD-Kreisverbands Altenburg,
den Diebler inzwischen verlassen hat.
Zieht es die teils hochbetagten ehemaligen DDR-Bürger wie andere
Enttäuschte nun zur vermeintlichen Hoffnung AfD? Die Seniorenpolitikerin
der Linksfraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt und Vorsitzende der
Landesseniorenvertretung, Monika Hohmann, beobachtet zwar gelegentliche
Äußerungen pro AfD. Für sonderlich relevant hält sie diese aber nicht.
Tatsächlich verfügt die AfD nicht einmal über eine ernst zu nehmende
Rentenkonzeption. Eine taz-Anfrage an die AfD-Bundestagsfraktion, ob sich
frustrierte DDR-Rentner jemals an sie gewandt haben oder die Partei selbst
für die Sonderrentenansprüche aktiv geworden ist, blieb unbeantwortet.
13 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Michael Bartsch
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