# taz.de -- Umstrittenes israelisches Bauprojekt: Probe aufs Exempel
> Seit 30 Jahren liegen die Baupläne für die Siedlung Mevasseret Adumim im
> Westjordanland auf Eis. Dort sollten sie unbedingt bleiben.
(IMG) Bild: Blick auf die Siedlung Ma'ale Adumim im Westjordanland zwischen Jerusalem und dem Toten Meer (20. August 2025)
Der Moment ist günstig, so mag Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu
denken, um den international umstrittensten aller Siedlungsbaupläne
voranzutreiben. Schließlich ist die Weltöffentlichkeit aktuell anderweitig
beschäftigt, mit Venezuela, Grönland, Perspektiven für die Ukraine. E1
(East 1) heißt das Gelände im Westjordanland, auf dem gut 3.000 neue
Wohneinheiten entstehen sollen. Seit Anfang der Woche läuft [1][die
Ausschreibung]. Geplant ist die unmittelbar an Ostjerusalem angrenzende
Siedlung allerdings schon seit über 30 Jahren.
Dass es nie zu einer Umsetzung der Baupläne kam, ist dem Protest aus den
USA und Europa zuzuschreiben. [2][E1 oder Mevasseret Adumim], wie die
Siedlung heißen soll, würde das Westjordanland in zwei Teile schneiden. Es
wäre der letzte Nagel im Sarg der Zweistaatenlösung, soll Ex-US-Präsident
George Bush einst gewarnt haben. Die Tatsache, dass die geplanten Neubauten
„[3][die Idee eines palästinensischen Staates beerdigen“], gibt auch
Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich unverblümt zu.
Fest steht, dass die israelische Regierung mit dem seit Jahrzehnten
international verurteilten Siedlungsbau die europäischen Freunde vor den
Kopf stößt. Provoziert fühlen könnte sich auch US-Präsident Donald Trump,
der – wie die Weltöffentlichkeit – momentan andere Prioritäten setzt als
Frieden im Nahen Osten. Durchaus denkbar ist, dass die Regierung Netanjahus
mit der Ausschreibung einen Versuchsballon startet, um auszutesten, wie
weit sie der lästigen Kritik zum Trotz gehen kann.
Jetzt ist der Zeitpunkt, um den Ballon platzen zu lassen. Der Protest gegen
E1 hat das Projekt für 30 Jahre auf Eis gelegt. Europa und die USA haben es
offensichtlich in der Hand, dass es dort liegenbleibt. Den riskanten
Expansionsgelüsten der Extremisten in Netanjahus Kabinett einen Riegel
vorzuschieben, ist das Gebot der Stunde. Was Israel braucht, ist kein neuer
Widerstand und Gewalt, sondern ein palästinensischer Staat, an dessen Seite
man in friedlicher Koexistenz lebt.
8 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.timesofisrael.com/last-hurdle-cleared-to-start-controversial-settlement-project-near-jerusalem/
(DIR) [2] /Umstrittenes-israelisches-Bauprojekt/!6106021
(DIR) [3] https://www.timesofisrael.com/smotrich-to-approve-frozen-e1-settlement-homes-buries-idea-of-palestinian-state/
## AUTOREN
(DIR) Susanne Knaul
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