# taz.de -- Feministischer Berlin-Guide: Girls Club statt Boys Club
> Von Ballroom bis Nagelkunst: In „The Feeling of Berlin“ zeigen 33 Frauen,
> wie sie die Stadt prägen und cis-männliche Netzwerke herausfordern.
(IMG) Bild: The Feeling of Berlin: Die Hauptstadt aus der Perspektive von Frauen
Auf rot glänzendem Glibber tummeln sich Drachen und Leoparden, Hello Kitty
und gelbe Smileys. Auf anderen, sattgrünen Fingernägeln funkeln neongelbe
Kügelchen und pinke Herzchen. Geschaffen werden die aufwendigen
Nagelkunstwerke von den Künstlerinnen von isla berlin, einem Nagelstudio in
Mitte.
„Nägel waren nur Mittel zum Zweck“, sagt Charissa Chioccarelli. „Es ging
darum, eine Plattform und einen Treffpunkt für gleichgesinnte Frauen zu
schaffen.“ Die Niederländerin gründete das Nagelstudio vor acht Jahren.
Heute gehört dazu auch das Flinta*-Musikkollektiv isla radio. In Berlin
habe sie erstmals eine authentische Frauengemeinschaft gefunden, die sie
wirklich unterstütze und trage, so Chioccarelli. Gleichzeitig beobachtet
sie: „An der Spitze stehen nach wie vor [1][Männer, die sich gegenseitig
Chancen zuschieben].“ Ihr Appell: Frauen müssen einander Chancen eröffnen.
Das ist auch Ziel des Stadtführers „The Feeling of Berlin“, in dem
Chioccarelli vorgestellt wird. Der englischsprachige Guide zeigt Berlin aus
der Perspektive von 33 Frauen, die die Stadt gestalten. Porträtiert werden
Frauen aus der Kunst- und Kulturbranche, Gastronomie, Fashion, Clubkultur
und Nachtleben sowie der Tech-Branche.
„Wir hoffen damit, Menschen zu inspirieren, sich ihre eigenen Räume zu
schaffen – Orte, in denen sie sich sicher fühlen, gesehen werden und Teil
einer Community sind“, sagt Cynthia Mensah-Neglokpe. Die Wahlberlinerin ist
Autorin des Guides, zusammen mit Daria Suvorova-Konstandin. Mensah-Neglokpe
gründete nach ihrem Umzug aus München nach Berlin clicqui, ein Netzwerk,
das kreative Frauen bei Abendessen, Sportevents und Workshops
zusammenbringt. Inzwischen gibt es clicqui auch in München, Paris,
Kopenhagen und bald auch in Mexiko-Stadt.
## Ziel: Gatekeeping cis-männlicher Netzwerke durchbrechen
Suvorova-Konstandin ist Host des Podcasts „Women Authors of Achievement“.
Darin spricht sie mit Frauen, die in männerdominierten Branchen Barrieren
überwunden und Veränderungen angestoßen haben. Mit ihrem Podcast will
Suvorova-Konstandin, die selbst aus der Tech-Branche kommt, Frauen auf
professioneller Ebene sichtbar machen – darunter die Geschäftsführerin des
[2][Frauenfußballvereins FC Viktoria Berlin].
Der Stadtführer stellt neben frauengeführten Restaurants, Cafés und
Vintagestores auch Frauen vor, die die Clubkultur prägen. Mit dabei:
Ballroom-Dancerin Sophie Yukiko. [3][Ballroom, ursprünglich eine queere
schwarze Dance-Subkultur in New York,] ist inzwischen auch nach Europa
übergeschwappt. Yukiko, Gründungsmutter des Ballroom-Hauses House of
Laveaux, tritt immer wieder in Berlin auf, zuletzt beim Popkultur-Festival
im Silent Green in Mitte.
Ziel der beiden Autorinnen sowie der im Buch porträtierten Frauen, ist es,
das Gatekeeping cis-männlicher Netzwerke zu durchbrechen. Informelle
Netzwerke haben cis-Männern seit jeher den Zugang zu einflussreichen
Positionen und Aufträgen erleichtert. „The Feeling of Berlin“ kann als
Gegenentwurf verstanden werden – ein Girls Club, der den Boys Club
herausfordert.
7 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lilly Schröder
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