# taz.de -- Politische Zukunft der USA: Das Ende der Donaldwelle
> Für den US-Präsidenten läuft es nicht gut. Sein „Golden Age“ bleibt
> bisher ein leeres Versprechen, sein Agieren spaltet seine MAGA-Bewegung.
(IMG) Bild: Hoffnung geben die Proteste im ganzen Land: „No Kings“-Demonstration am 18. Oktober 2025 in New York
Das Jahr 2026 wird kein gutes Jahr für den US-Präsidenten. Donald Trump ist
nicht das letzte Wort der amerikanischen Demokratie, auch wenn er sie jeden
Tag angreift. Ja – es mag Jahre dauern, bis sich die amerikanische
Gesellschaft von dem autokratischen Schock erholt haben wird, womöglich
erst nach einer weiteren Amtsperiode mit seinem Vize [1][J. D. Vance] oder
jemandem aus der Dynastie von King Donald. Vielleicht wird das einstige
Demokratiemodell bürgerkriegsartige Gewalt durchmachen und die westliche
Führungsmacht in die Zweitklassigkeit absteigen. Aber ein anderes Szenario
ist möglich.
Hoffentlich bald wird die depressive, selbstbezogene Talfahrt der
demokratischen Opposition enden und sie mit einem populären Gegenprogramm
aufwarten, wie sich die Lage der „working people“ bessern lässt. Die leiden
faktisch am stärksten unter der Geld- und Tech-Oligarchie. Mit
„affordability“ (Erschwinglichkeit) hat Trump selbst die Messlatte dafür
gelegt, sei es Wohnen, Einkaufen, Verreisen. Steigende Lebenshaltungskosten
treffen auch die Maga-Basis, womit statt haltloser Paranoia wieder die
bread-and-butter issues ins Zentrum rücken können: Wie viel habe ich mehr
oder weniger im Portemonnaie und auf dem Konto? Nur noch ein Drittel der
Amerikanerinnen und Amerikaner sehen ihr Land „on the right track“.
Hoffnung geben die Proteste im ganzen Land. Im Oktober 2025
[2][demonstrierten fast sieben Millionen Bürgerinnen und Bürger in mehr als
2700 Ortschaften]. Ihr Motto „No Kings!“ erinnert an die Geburtsstunde der
amerikanischen Demokratie 1776, als sich die Menschen vom englischen König
abwandten. In einem immer noch halbmonarchischen Präsidialsystem braucht es
eine überzeugende Middle-of-the-road-Gegenkandidatin, vorzugsweise aus
einem Swing State, die nicht als Sozialistin oder Woke-Liberale abgetan
werden kann. Bei den Zwischenwahlen im November müssen republikanische
Abgeordnete um ihre Wiederwahl bangen, schon bei den Primaries wird sich
zeigen, ob Trump alle radikalen Favoriten durchbringt.
Auch die sogenannten Strongmen fürchten die nächste Wahl. Trumps
Zustimmungswerte stürzen ab, sein „Golden Age“ findet nicht statt. Die
messianische Überhöhung des Präsidenten durch seine evangelikale
Gefolgschaft bröckelt, da es nun auch in den USA immer mehr „nones“,
Konfessionslose und Atheisten, gibt. Und die Vermutung, Trump habe die
„Persönlichkeit eines Alkoholikers“, kam aus berufenem Munde, auf die
Entourage der Schmeichler, Kriegsgewinnler und Ideologen ist kein Verlass.
Die Paranoia, die Trump stark macht, kann gegen ihn umschlagen. Nur mit
Mühe kann er verhindern, dass die „[3][Epstein-Dokumente]“ die Maga-Basis
explodieren lassen.
So rückt die Szene aus dem Märchen Hans Christian Andersens, ausgerechnet
eines Dänen, näher. Darin öffnet das kluge Kind den Schranzen die Augen
„Der König ist nackt!“ Gefolgsleute aus der Tech-Branche werden von Trump
abrücken, wenn die Geschäfte schlecht laufen, China als Weltmacht Nummer 1
vorbeizieht und einer, der versprochen hat, Amerika aus allen Konflikten
der Welt herauszuziehen, die Nation in [4][Kriege von Venezuela] und Mexiko
über Nigeria bis in die Straße von Taiwan und die Arktis hineinreitet. Der
von der Basis gewünschte Isolationismus sieht anders aus.
Auch geoökonomisch läuft es nur scheinbar gut für Donald Trump. Sein
Schlachtruf „Drill, baby, drill!“ zielt auf die Ausbeutung sämtlicher noch
im Boden befindlicher Rohstoffe, vor allem der immensen Erdöl- und
Erdgasreserven sowie Kohlevorkommen. Trump leugnet den menschengemachten
Klimawandel aus einem materiellen Grund: Seine „extraktivistische“
Kapitalfraktion will die fossile Energieerzeugung um jeden Preis erhalten.
Da liberale Demokratien sich ansatzweise eines Besseren besinnen, fördert
er allerorts autokratische Bewegungen und Regime, um die ökologische
Transformation aufzuhalten. Doch unaufhaltsam vollzieht sich – auch in der
VR China und der Golfregion – die Energie-, Bau- und Verkehrswende. Genauer
betrachtet sind Trump und Konsorten Auslaufmodelle. Europas Kollaborateure
sind gewarnt. Der ungarische Ministerpäsident Viktor Orbán, das europäische
Vorbild und Lieblingskind von Trump (und Putin), könnte im April 2026
abgewählt werden. Allzu optimistisch darf man aber nicht sein. Die
illiberale Internationale steht fest, weiterhin gehen mehr Demokratien seit
der Jahrtausendwende unter, als Autokratien überwunden werden.
Die Macht Trumps und die Putschbereitschaft seiner Milizen sind groß, einem
normalen demokratischen Machtwechsel bis 2028 stellen sie große Hindernisse
in den Weg: Wahlkreise werden passend zugeschnitten, die Registrierung
potenzieller demokratischer Wählerinnen und Wähler wird behindert, Gerichte
werden unter Druck gesetzt, Medien mit Prozessen überzogen, die Briefwahl
soll ganz verhindert werden. Nun kommt es zum Schwur, ob es noch
unabhängige Richter in Amerika gibt und wie stark die ehrwürdigen
Institutionen schon unter den Schlägen von DOGE (Abteilung für staatliche
Effizienz) gelitten haben. Trump hat die Axt an den ohnehin schwach
ausgestatteten Bundesstaat gelegt und die Sicherheitsdienste gegeneinander
ausgespielt, selbst die Streitkräfte versucht er zu seiner Privatarmee und
Leibgarde zu degradieren.
Gleichwohl: Die amerikanische Demokratie, so unfertig sie immer blieb, hat
die Könige davongejagt und frühere Kipppunkte überstanden, darunter die
Reichen-Oligarchie am Ende des 19. Jahrhunderts und die erste Welle
falscher America-first-Propheten, die sich in den 1930er Jahren am liebsten
mit Adolf Hitler verbündet hätten. Vom Alter des Greises, der im Juni 80
wird, war noch gar nicht die Rede, der unüberwindbar wirkende Präsident
verliert seine Aura. Dem kann im Jahr 2026 mit einer Machtentziehungskur
nachgeholfen werden. Fun Fact: Die Bäckerei Trump im pfälzischen Freinsheim
hat schon zugemacht, Donaldwellen werden nicht mehr hergestellt.
8 Jan 2026
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