# taz.de -- Reiches Gaskraftpläne: Noch immer keine Einigung mit der EU-Kommission
> Die Ausschreibung für neue Gaskraftwerke wird sich wohl weiter verzögern.
> Dabei gibt es Zeitdruck.
(IMG) Bild: Hat sich noch nicht mit der EU-Kommission über die Ausschreibung von Gaskraftwerken geeinigt: Wirtschaftsministerin Reiche (CDU)
Das von [1][Katherina Reiche (CDU)] geführte Bundeswirtschaftsministerium
hat noch immer keine Einigung mit der EU-Kommission über die Ausschreibung
neuer Gaskraftwerke erzielt. „Die Gespräche mit der EU-Kommission zu den
Einzelheiten der Ausschreibungen stehen kurz vor dem Abschluss“, sagte ein
Sprecher des Ministeriums der taz. Diese Sprachregelung wird allerdings
schon seit Monaten verbreitet. Weder EU-Kommission noch
Bundeswirtschaftsministerin machen auf Anfrage der taz Angaben dazu, wann
mit einem Abschluss der Gespräche zu rechnen ist.
„Die Ministerin kündigt immer wieder an, dass die Einigung kommt, aber sie
liefert nicht“, kritisiert der ehemalige grüne Wirtschaftsstaatssekretär
Michael Kellner. Sie habe wertvolle Zeit verloren, weil sie nicht an die
Pläne ihres Vorgängers Robert Habeck angeknüpft hat. Zeitdruck besteht,
weil ab 2030 die Kohlekraftwerke im Rheinischen Revier vom Netz gehen
sollen. Das ist nur möglich, wenn bis dahin Ersatzkapazitäten vorhanden
sind – sonst müssen Kohlekraftwerke weiterlaufen oder als Reserve
vorgehalten werden. „Das ist nicht nur klimaschädlich, sondern auch sehr
teuer“, sagt Kellner.
Schon jetzt steht fest, dass die erforderlichen neuen Gaskraftwerke nicht
bis 2030 betriebsbereit sein werden. Sollte die Ausschreibung für die
Anlagen Mitte 2026 tatsächlich beginnen – und das könnte sich durchaus noch
verzögern –, könnten sie nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und
Wasserwirtschaft (BDEW) frühestens Ende 2031 in Betrieb gehen.
Mit den Gaskraftwerken soll die Energiewende abgesichert werden. Der Ausbau
von Sonnen- und Windkraft kommt gut voran. Doch für sogenannte
Dunkelflauten – wenn weder die Sonne scheint noch Wind weht – müssen
Ersatzkapazitäten bereitstehen. Das sind unter anderem Gaskraftwerke.
Darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten wie die Nutzung von Speichern
oder Biogas. [2][Deshalb ist umstritten, wie viele neue Gaskraftwerke
tatsächlich nötig sind].
## Habecks Vorlage war mit der EU abgestimmt
Der frühere grüne Bundeswirtschaftsminister Habeck hatte im Oktober 2024
einen Gesetzentwurf dazu vorgelegt, der wegen des Bruchs der Ampelkoalition
nicht mehr vom Bundestag verabschiedet wurde. Darin vorgesehen waren neue
Gaskraftwerke mit einer Leistung von 10 Gigawatt. Von den 10 Gigawatt
sollten 5 auf konventionelle Gaskraftwerke entfallen, die nicht umgerüstet
werden sollten. 5 Gigawatt waren für Gaskraftwerke vorgesehen, die auf
Wasserstoffbetrieb umgerüstet werden sollten.
Dieser Entwurf war mit der EU-Kommission abgestimmt. Weil die neuen
Gaskraftwerke vor allem eine Reserve sind und wenig laufen, wird der Staat
sie bezuschussen. Aus diesem Grund muss die EU die Pläne genehmigen.
[3][Die Union war im Herbst 2024 nicht dazu bereit, das vorbereitete, mit
der EU geeinte Gesetz zu verabschieden.] Der BDEW hatte wegen des
Zeitdrucks gefordert, dass die neue Bundesregierung das Kraftwerksgesetz
auf ihre 100-Tage-Prioritätenliste setze.
Hätte sich die schwarz-rote Regierung an Habecks Vorlage orientiert, wäre
es schnell gegangen. Doch das hat Ministerin Reiche zunächst nicht getan.
Ursprünglich wollte sie neue Gaskraftwerke mit Kapazitäten von mindestens
20 Gigawatt. Davon ist sie nach und nach abgerückt. Die jetzigen Pläne der
Bundesregierung haben sich stark auf die ursprünglichen von Habeck
zubewegt. Sie verhandelt mit der EU über 12 Gigawatt (GW). Immer wieder hat
Reiche angekündigt, dass eine Einigung mit der Kommission bald erreicht sei
und die Ausschreibungen beginnen könnten. Im vergangenen Juni hatte sie
erklärt: „Wir werden ein Schnellboot mit 5 bis 10 GW starten.“ Doch dieses
Versprechen hat sie nicht gehalten.
Aus dem Schnellboot sei mittlerweile ein Schleppkahn geworden, sagt
BDEW-Chefin Kerstin Andreae. „Dass die Ausschreibungskriterien für die
Kraftwerksstrategie noch nicht vorliegen, bedeutet für uns, dass der
Zeitdruck weiter steigt.“
8 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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