# taz.de -- Russland nach Angriff auf Venezuela: Moskau verliert mehr als Macht
       
       > Das Kidnapping des Diktators Maduro und Präsident Trumps geplanter
       > Zugriff auf Venezuelas Öl haben Konsequenzen für Russland – und dessen
       > Kriegs-Etat.
       
 (IMG) Bild: Begehrt: der petrochemische Komplex El Palito in Puerto Cabello. Tatsächlich ist er heruntergekommen und für Öllecks bekannt
       
       Für den Kriegstreiber braut sich mächtig Ungemach zusammen: Russland,
       Venezuela und Iran würden gemeinsam über [1][ein Drittel der weltweiten
       Ölreserven] verfügen, hatte Igor Setschin vor einem halben Jahr noch auf
       dem St. Petersburger Wirtschaftsforum frohlockt. Der Chef des russischen
       Mineralölkonzerns Rosneft und Weggefährte von Kremlherr Wladimir Putin
       malte damals aus, wie Moskau trotz der westlichen Sanktionen die weltweiten
       Ölmärkte beeinflussen könne. Nun ist der venezolanische Russlandfreund
       Nicolás Maduro in US-Haft und in Iran fordern immer mehr Menschen auf
       Massendemonstrationen einen Sturz des Mullah-Regimes.
       
       Im November erst hatte Venezuelas Staats-Ölkonzern Petróleos de Venezuela
       (PDVSA) seinen 15-Jahres-Vertrag mit der russischen Roszarubezhneft bis
       2041 verlängert. „Keine illegitime Blockade kann unsere Stärken im
       Energiebereich überwinden“, sagte die seinerzeitige venezolanische
       Vizepräsidentin Delcy Rodriguez zu dem Deal.
       
       Jetzt steht sie als derzeit in der Nachfolge Maduros amtierende
       Staatschefin massiv unter US-Druck, [2][die größten nachgewiesenen
       Erdölreserven der Welt] wieder US-Konzernen zur Ausbeutung zur Verfügung zu
       stellen. Diese hatten die venezolanische Ölindustrie vor deren
       Verstaatlichung wesentlich mitaufgebaut.
       
       Der Jahrzehnte-Deal zwischen PDVSA und den Russen gab Roszarubezhneft das
       Recht, die zwei Ölfelder Boqueron und Perija im Westen Venezuelas zu
       erschließen. Roszarubezhneft wurde als staatliches Unternehmen des
       russischen Wirtschaftsministeriums 2020 gegründet – nachdem die USA
       Tochtergesellschaften von Rosneft wegen des Handels mit venezolanischem Öl
       mit Sanktionen belegt hatten. Da übernahm Roszarubezhneft die
       venezolanischen Vermögenswerte des vom Kreml kontrollierten Ölriesen
       Rosneft – des damals nach Saudi Aramco zweitgrößten börsennotierten
       Ölkonzerns der Welt.
       
       ## Russlands Pläne Schall und Rauch
       
       Russische Firmen sollten im Rahmen des Deals auch große
       Infrastrukturprojekte im krisengeplagten südamerikanischen Petrostaat
       bekommen. Das ist nun in akuter Gefahr. Denn die neue offizielle
       [3][Nationale Sicherheitsstrategie der USA] schreibt vor: „Wir wollen eine
       Hemisphäre, die frei von feindlichen ausländischen Eindringlingen oder
       deren Besitz wichtiger Vermögenswerte bleibt“, und „wir wollen unseren
       fortgesetzten Zugang zu wichtigen strategischen Infrastrukturen
       sicherstellen“.
       
       Das ist eine große Gefahr für Russlands ohnehin wegen der gewaltigen
       Ausgaben für die Finanzierung des Überfalls auf die Ukraine stark
       strapazierten Staatshaushalt. Denn: Venezuela ist finanziell tief in
       Russlands Schuld. Der Kreml hat von 2006 bis 2017 Kredite in Höhe von 17
       Milliarden US-Dollar an Venezuelas Regierung – meist für russische
       T-72-Panzer und S-300-Flugabwehrsysteme – und an PDVSA vergeben.
       
       2017 vereinbarten Putin und Maduro wegen der Zahlungsunfähigkeit des
       krisengeschüttelten Venezuelas, die Rückzahlungen auf 2024 bis 2027 zu
       verschieben. Teilweise bediente die Regierung Maduro russische
       Zinszahlungen mit Öl, das Rosneft auf dem Weltmarkt weiterverkaufte – und
       dadurch unter US-Sanktionen gestellt wurde.
       
       ## Wirtschaftsmodell bedroht
       
       Dass aus Venezuela jetzt noch Geld an den Kreml zurückfließt, bezweifeln
       Expert:innen in Moskau. Vielmehr ist Aluminium-Oligarch Oleg Deripaska
       überzeugt: „Wenn unsere amerikanischen ‚Partner‘ die Ölfelder Venezuelas
       erreichen (die Ölfelder Guyanas haben sie bereits erreicht), werden sie
       mehr als die Hälfte der weltweiten Ölreserven unter ihrer Kontrolle haben“
       und „darauf achten“, dass der Preis für russisches Öl „nicht über 50 Dollar
       pro Barrel steigt“.
       
       Der ebenfalls unter westlichen Sanktionen stehende Vizepräsident des
       russischen Industriellenverbandes sieht dadurch das derzeitige
       Wirtschaftsmodell der Russischen Föderation gefährdet. „Für unseren
       heiligen Staatskapitalismus wird es eng“, so Deripaska.
       
       Wie eng, zeigen bereits die Reaktionen Putins und der Zentralbank: Die
       Notenbank warnt, dass Haushaltskürzungen nötig würden, wenn der Ölpreis
       nicht steige. [4][Zuletzt bekam Russland noch 34 US-Dollar pro Barrel
       exportierten Rohöls] – das Staatsbudget plant indes mit 59 Dollar pro Fass
       (je 159 Liter). Putin verlangte auf der Sitzung des Rates für strategische
       Entwicklung und nationale Projekte, „deutlich mehr Steuern“ einzusammeln
       und das Wirtschaftswachstum anzutreiben. Russlands Industrie steckt in
       einer Rezession.
       
       Dabei braucht der Kreml für seinen als „Spezialoperation“ verbrämten
       Ukraine-Überfall allein umgerechnet 120 Milliarden Euro, wie
       Verteidigungsminister Andrej Beloussow kürzlich erstmals öffentlich
       einräumte. Das entspricht gut einem Viertel des gesamten Staatshaushalts –
       und die Ausgaben für das gesamte Militärbudget sind noch höher.
       
       6 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.statista.com/infografik/19366/weltweite-erdoelreserven-nach-laendern/
 (DIR) [2] /US-Sanktionen-gegen-Venezuela/!5569385
 (DIR) [3] /Folgen-der-US-Sicherheitsstrategie/!6134632
 (DIR) [4] /Russische-Oel-Einnahmen/!6142010
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mathias Brüggmann
       
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