# taz.de -- Zeitreise nach 2016: Hundefilter, Choker und Essstörung
       
       > Auf Social Media ist eine kollektive Sehnsucht nach dem Jahr 2016
       > ausgebrochen. Dabei war auch da schon vieles schlecht.
       
 (IMG) Bild: Die Sängerin Zara Larsson (M.) während der MTV Europe Music Awards 2016 in Rotterdam, Niederlande, am 6. 11. 2016
       
       Es gibt keinen Grund zur Panik: Der Snapchat-Hundefilter feiert kein
       dauerhaftes Comeback. Und doch taucht er gerade überall wieder auf. Warum
       posten plötzlich alle ein Bild aus dem Jahr 2016? Vor allem die Gen Z und
       Millennials teilen auf Social Media Einblicke in ihr Leben als Teenager
       oder junge Erwachsene: pausbäckig, durchtrainiert, scheinbar sorglos.
       Bilder aus einer Zeit, in der alles einfacher war – zumindest aus heutiger
       Perspektive.
       
       Die Nostalgiewelle soll indirekt von der schwedischen Sängerin Zara Larsson
       ausgelöst worden sein. 2016 landete sie mit „Lush Life“ einen
       internationalen Hit. Dass alte Songs auf Tiktok viral gehen, ist nichts
       Neues. Doch dieser Soundtrack des „üppigen Lebens“ (so die Übersetzung des
       Titels) hat sich verselbstständigt, und plötzlich ist alles wieder da: alte
       Snapchat- und Instagram-Filter, aus heutiger Sicht fast niedlich im
       Vergleich zu den Möglichkeiten von KI. Dazu Camouflage-Hosen, Choker,
       Skinny Jeans und starkes Contouring, ein Make-up-Trend aus der Primetime
       von Kim Kardashian.
       
       Allein auf Instagram finden sich über 37,9 Millionen Beiträge unter dem
       Hashtag #2016. Dabei war auch dieses Jahr keineswegs nur leicht und
       unbeschwert. Nicht ohne Grund existiert der Gegentrend #Fuck2016, der die
       dunklen Seiten des Jahres beleuchtet: [1][Brexit], die erste
       Trump-Administration, der [2][Tod von Ikonen wie David Bowie] und George
       Michael, Ausbrüche des Zika-Virus sowie terroristische Anschläge, etwa in
       Nizza, als ein Lkw in eine Menschenmenge raste. Nur ein paar Monate später
       wiederholte sich ein ähnliches Szenario am [3][Berliner Breitscheidplatz].
       
       ## Verlockender als der Blick in die Zukunft
       
       Und wer lange genug durch die Throwbacks scrollt, stößt auch auf weniger
       rosige individuelle Erinnerungen: Essstörungen, massive Verunsicherung, das
       Gefühl, noch nicht zu wissen, wer man ist oder was man will. Viele waren
       bereit, sich zu verbiegen, um zu gefallen. Nur wem eigentlich? Mangelnde
       Zuneigung und fehlendes Zugehörigkeitsgefühl gehörten für viele Teenager
       damals zum Alltag. Und von Trends wie [4][Body Positivity], Selbstfürsorge
       oder gar Psychotherapie hatte man damals noch nicht viel gehört.
       
       Der Trend fokussiert sich jedoch weniger auf persönliche Krisen als auf
       Popkultur und das Gefühl, dass das Leben trotz alldem irgendwie leichter
       war und Spaß gemacht hat, obwohl auch schlimme Dinge geschahen und die
       geopolitisch stabilen Verhältnisse, mit denen viele westliche Millennials
       aufgewachsen sind, bereits zu bröckeln begannen.
       
       Der Blick zurück ist also sicher nicht immer angenehm. Aber zumindest
       aktuell erscheint er trotzdem verlockender als der Blick in die Zukunft.
       Oder aber gucken alle auf 2016, genau weil auch schon vor einem Jahrzehnt
       die Welt düster schien und man sich in Anbetracht des holprigen
       Jahresstarts von 2026 ein paar Bewältigungsstrategien von früher abkupfern
       will? Möglich.
       
       20 Jan 2026
       
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