# taz.de -- Protestwelle im Iran: Mut in seiner Reinform
       
       > Wirtschaftliche Not hat die neue Protestwelle im Iran initiiert. Doch der
       > Aufstand richtet sich gegen das gesamte System der Islamischen Republik
       
 (IMG) Bild: Exil-Iraner demonstrieren vor der iranischen Botschaft in Berlin in Solidarität mit den Protesten im Iran
       
       Seit einer Woche gehen die Menschen in Iran auf die Straße. Begonnen haben
       die Proteste, wie so oft, [1][aufgrund der desolaten wirtschaftlichen
       Lage]. Eine Währung im freien Fall und ein unbezahlbarer Alltag nehmen der
       Bevölkerung regelrecht die Luft zum Atmen. Was als Wirtschaftsprotest auf
       den Teheraner Basaren begann, ist zu einer Revolte gegen das gesamte System
       der Islamischen Republik geworden.
       
       Mindestens 582 Menschen wurden laut der Menschenrechtsorganisation HRANA in
       den ersten sieben Tagen festgenommen, mindestens 15 Protestierende getötet.
       In Ilam, im Westen des Landes, schossen Regimekräfte am Samstag auf
       Demonstrant:innen und versuchten anschließend, ein Krankenhaus zu
       stürmen, um Verletzte festzunehmen. Dass es ihnen nicht gelang, lag am
       Widerstand der Bevölkerung. Menschen stellten sich den Bewaffneten
       entgegen, um ihre Verletzten zu schützen. Es sind Szenen, die man kaum
       aushält und die dennoch Hoffnung machen.
       
       Diese Proteste leben nicht von großen Bühnen oder Anführern. Sie leben von
       vielen mutigen Einzelpersonen, die auf die Straßen gehen. Jeder Einzelne
       von ihnen wird zum Symbol des Widerstands. Von dem jungen Mann, der in
       Teheran alleine auf der Straße sitzt und den Polizisten auf Motorrädern
       nicht weicht, bis hin zu den zwei jungen Menschen in Hamedan, die sich den
       Wasserwerfern entgegenstellen. [2][Von den Frauen, die ihre Kopftücher
       abnehmen und dafür Peitschenhiebe riskieren,] bis hin zu den Kindern in
       Belutschistan, die „Nieder mit dem Diktator“ rufen.
       
       Die internationale Gemeinschaft darf nicht, wie so oft, den Fehler machen,
       die Bewegung als einen einmaligen, kurzzeitigen Ausbruch der Wut zu
       betrachten. Es ist vielmehr die [3][Fortsetzung des Widerstands, der nie
       aufgehört hat]. Die Proteste sind der Normalzustand eines Landes, das seit
       Jahren gegen ein System aufbegehrt, das nur Gewalt kennt. Die Menschen
       wissen, was ihnen droht, und sie gehen trotzdem auf die Straße. Das ist Mut
       in seiner Reinform.
       
       4 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Proteste-in-Iran/!6141756
 (DIR) [2] /Filmemacherin-ueber-ihr-Leben-in-Iran/!6132108
 (DIR) [3] /Jafar-Panahi-ueber-seinen-neuen-Film/!6137293
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniela Sepehri
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Proteste in Iran
 (DIR) Menschenrechte
 (DIR) Proteste in Iran
 (DIR) Proteste in Iran
 (DIR) Narges Mohammadi
 (DIR) wochentaz
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Natalie Amiri über Iran: „Der instabilste Moment seit 46 Jahren“
       
       Natalie Amiri schreibt in „Der Nahost-Komplex“ immer wieder über den Iran.
       Ein Gespräch über das Bröckeln des Mullah-Regimes und die Wut im Land.
       
 (DIR) Proteste gegen das Mullah-Regime: Mindestens sieben Tote in Iran
       
       Die Demonstrationen in Iran wegen der miserablen Wirtschaftslage
       eskalieren. Es sind die größten Proteste seit dem Tod von Mahsa Amini im
       Jahr 2022.
       
 (DIR) Kritikerin des Mullah-Regimes: Friedensnobelpreisträgerin Mohammadi in Iran festgenommen
       
       Der Tod eines iranischen Anwalts erschüttert Aktivisten in dem Land. Nun
       werden Menschenrechtler festgenommen, darunter Narges Mohammadi.
       
 (DIR) Drei Jahre nach dem Tod Mahsa Aminis: Iran braucht Hilfe von außen
       
       Der Tod der Kurdin im Polizeigewahrsam löste Massenproteste aus. Viele
       Iraner*innen glauben, dass sie Israel ihre relative Ruhe vor der
       Sittenpolizei verdanken.