# taz.de -- Luftschläge in Syrien: Großbritannien und Frankreich greifen IS an
       
       > Nach den USA fliegen nun europäische Kampfjets Angriffe gegen angebliche
       > Ziele der Terrormiliz in Syrien. Die Türkei verhaftet hunderte angebliche
       > IS-Anhänger.
       
 (IMG) Bild: Nach einem Raketenangriff in einer Moschee in der Nähe des Militärflughafens Mezze, Damaskus, Iran, am 4. 1. 2026
       
       Während die USA mit Venezuela beschäftigt sind, haben britische und
       französische Kampfflugzeuge in der Nacht von Samstag auf Sonntag angebliche
       [1][Stellungen des IS in Syrien angegriffen]. Es soll sich um ein
       Waffenlager des IS in der Nähe der Wüstenstadt Palmyra gehandelt haben.
       Über Tote oder Verletzte gab es keine Informationen. Ein Sprecher der
       Briten sagte am Sonntag lediglich: „Ich glaube wir haben Erfolg gehabt.“
       
       Vor Briten und Franzosen hatten [2][bereits die USA] vor einigen Wochen
       eine Vergeltungsaktion gegen den IS in Syrien durchgeführt, nachdem bei
       einer Patrouille in der Nähe von Palmyra zwei US-Soldaten und ein
       amerikanischer Dolmetscher bei einem Überfall von IS-Terroristen getötet
       worden waren. US-Präsident Trump hatte insgesamt 70 Luftangriffe auf
       vermutete IS-Stellungen in Syrien fliegen lassen, ohne später genauere
       Angaben machen zu können, was dadurch erreicht wurde.
       
       Der IS stellt sich in Syrien auch gegen die sunnitisch-islamische
       Übergangsregierung von Präsident Ahmet al Sharaa. In der unübersichtlichen
       Gemengelage ist oft nicht klar, welche Schießerei auf wessen Konto geht und
       ob eine Provokation von sunnitischen Milizen ausgeht, die eigentlich mit al
       Sharaa verbündet sind, oder von IS-Anhängern.
       
       Auch in der benachbarten Türkei kam es Anfang letzter Woche zu einem
       schweren Zusammenstoß mit dem IS. Bei einer Razzia in der Stadt Yalova am
       Marmarameer stieß die Polizei auf einen Hotspot des IS, in dem Waffen und
       Munition gelagert wurde. Die anwesenden IS-Mitglieder erschossen drei
       Polizisten. Bei der anschließenden Belagerung des Hauses töteten
       Spezialkräfte der Polizei sechs IS-Mitglieder.
       
       ## Hinweise auf Anschlagpläne
       
       Der türkische Innenminister sprach davon, man habe Hinweise bekommen, dass
       der IS Anschläge auf Neujahrsfeiern insbesondere nichtmuslimischer
       Gemeinden geplant hätte und deshalb umfangreiche Razzien durchgeführt. Bis
       Ende der letzten Woche wurden landesweit über 500 angebliche IS-Täter oder
       IS-Sympathisanten festgenommen.
       
       Die Türkei gilt seit Langem als Rückzugsraum für IS-Angehörige aus Syrien
       oder dem Irak. Bei den Festnahmen wurde nicht öffentlich gemacht, wie viele
       darunter Ausländer oder aber türkische Staatsbürger sind. Die große Zahl
       von IS-Anhängern in der Türkei hängt damit zusammen, dass der IS und die
       türkische Armee einen gemeinsamen Gegner haben: die Kurden in Syrien, deren
       [3][sogenannten Demokratischen Streitkräfte SDF] als Unterstützertruppe der
       USA die Hauptlast des Kampfes gegen die Terroristen am Boden getragen
       haben.
       
       Seit der IS als besiegt gilt, sitzen Tausende IS-Gefangene und deren
       Angehörige in von Kurden kontrollierten Lagern. Kurden hatten immer wieder
       darauf hingewiesen, dass durch Angriffe der türkischen Armee oder mit der
       Türkei verbündeter syrischer Milizen die SDF-Milizen geschwächt würden und
       der IS dadurch wieder aktiv werden könne.
       
       Die Diskussion um die zukünftige Rolle der Kurden in Syrien und die
       Eingliederung ihrer Milizen in eine neue syrische Armee kommt derweil kaum
       voran. Im März 2025 hatten der syrische Präsident Ahmet al-Sharaa und der
       kurdische Militärführer Mazloum Abdi eine Vereinbarung getroffen, nach der
       die Milizen bis Ende 2025 in die neue Armee integriert werden sollten.
       
       Das ist bis heute aus verschiedenen Gründen nicht passiert. Zum einen
       bleibt unklar, wer von den früheren islamistischen Milizen eigentlich zur
       Armee gehört und wie sich die Kurden da einfügen könnten, zum anderen aber
       wollen die Kurden ihre während des Krieges erkämpfte Autonomie nicht
       aufgeben, solange ihre zukünftigen Rechte per Verfassung nicht geregelt
       sind.
       
       Diese Konflikte zwischen Kurden, der syrischen Regierung in Damaskus und
       der Türkei verschaffen dem IS wieder Luft. Wie weit die Reorganisation der
       Terrortruppe in Syrien wieder gediehen ist, ist unklar. Offenbar schätzen
       Geheimdienste ihr Potenzial wieder als gefährlich ein.
       
       4 Jan 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolf Wittenfeld
       
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