# taz.de -- Syrien und die Kurden: Regierung verkündet Waffenruhe mit Kurden in Aleppo
> Kurdische Kämpfer sollen laut der Übergangsregierung in den Nordosten.
> Zwar hielt die Waffenruhe zunächst, doch äußerten sich die Kurden bisher
> nicht.
(IMG) Bild: Bewaffnete Kräfte der Übergangsregierung wachen in Aleppos am Freitag
afp | Nach tagelangen Gefechten und der Flucht zahlreicher Zivilisten in
Aleppo hat die syrische Übergangsregierung eine Waffenruhe in mehreren
Vierteln der Großstadt verkündet. Die Waffenruhe in den Vierteln Scheich
Maksud, Aschrafijeh und Bani Seid solle eine „erneute militärische
Eskalation“ verhindern, erklärte das Verteidigungsministerium in der Nacht
zum Freitag. Die USA begrüßten die Waffenruhe und dankten allen Beteiligten
für ihre „Zurückhaltung“.
Das Verteidigungsministerium in Damaskus verkündete den Beginn der
Waffenruhe für 3.00 Uhr Ortszeit. Den kurdischen Kämpfern wurde bis 9.00
Uhr Zeit gegeben, die Viertel Scheich Maksud, Aschrafijeh und Bani Seid zu
verlassen. Die Behörden in Aleppo erklärten am Freitagmorgen, die
kurdischen Kämpfer würden mit ihren „leichten Waffen“ in den Nordosten des
Landes gebracht.
Der Verkündung der Waffenruhe waren die schwersten Kämpfe in Aleppo seit
dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad vorausgegangen. Das
syrische Verteidigungsministerium erklärte, die Waffenruhe solle es den
Tausenden geflüchteten Zivilisten ermöglichen, „zurückzukehren und ihr
normales Leben in einer Atmosphäre der Sicherheit und Stabilität
fortzuführen“.
Die USA begrüßten die Waffenruhe. Der US-Gesandte für Syrien, Tom Barrack,
dankte im Onlinedienst X allen Beteiligten „für die Zurückhaltung und den
guten Willen, die dies möglich gemacht haben“. Sein Land wolle „aktiv“ dazu
beitragen, „die Waffenruhe zu verlängern“.
## Busse sollen kurdische Kämpfer abholen
Die EU hatte am Donnerstag alle Konfliktparteien zur Zurückhaltung
aufgerufen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und
EU-Ratspräsident António Costa trafen am Freitag zu ihrem ersten Besuch in
Damaskus seit Assads Sturz ein. Das Treffen mit dem syrischen Präsidenten
Ahmed al-Scharaa soll laut EU-Kommission der Vertiefung der politischen und
wirtschaftlichen Beziehungen zu Syrien dienen.
Die kurdischen Einheiten äußerten sich zunächst nicht zu der Waffenruhe.
Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, hielt die
Waffenruhe am Freitagmorgen. Die Regierungstruppen kamen mit Bussen nach
Aschrafijeh, um die kurdischen Kämpfer fortzubringen. Einige wenige
Zivilisten nutzten das Einstellen der Kämpfe zur Flucht.
Bei den Gefechten zwischen Truppen der islamistischen Übergangsregierung
und kurdischen Kämpfern waren in Aleppo seit Dienstag mindestens 21
Menschen getötet worden. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld für
die Gewalteskalation. Laut Staatsfernsehen flohen etwa 16.000 Menschen aus
den umkämpften Vierteln.
Seit Assads Sturz im Dezember 2024 wird das im Norden Syriens gelegene
Aleppo von der neuen Übergangsregierung kontrolliert. Nur die Stadtviertel
Scheich Maksud und Aschrafijeh standen bisher noch unter der Kontrolle
kurdischer Einheiten, die Verbindungen zu den mehrheitlich kurdischen
Demokratischen Kräften Syriens (SDF) und anderen kurdischen Milizen im
Nordosten des Landes haben.
## Türkei und Israel mischen mit eigenen Interessen mit
Gemäß einem im März geschlossenen Abkommen sollten die zivilen und
militärischen Institutionen der Kurden eigentlich bis zum Jahresende 2025
in die syrische Zentralregierung und Armee integriert werden. Zudem hatten
die kurdischen Kämpfer zugestimmt, sich aus den beiden Stadtvierteln in
Aleppo zurückzuziehen. Beides wurde jedoch nicht umgesetzt, unter anderem,
weil die Kurden darauf bestehen, dass von ihnen dominierte Gebiete
dezentral regiert werden.
In dem Konflikt zwischen den Kurden und der syrischen Regierung mischen
auch internationale Akteure mit. [1][Die Türkei, die eine 900 Kilometer
lange Grenze mit Syrien teilt, hat immer wieder Angriffe ausgeführt, um die
kurdischen Kämpfer von der Grenze zurückzudrängen.] Syriens Nachbarland
Israel wiederum hat den Einsatz der syrischen Armee gegen die Kurden
verurteilt.
Aron Lund vom Forschungszentrum Century International warnte, wenn sich der
Konflikt zwischen der syrischen Regierung und den SDF auf den gesamten
Norden des Landes ausdehne, womöglich noch mit einer Beteiligung der Türkei
und Israels, könne dies „zerstörerisch für Syriens Stabilität“ sein.
9 Jan 2026
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