# taz.de -- Die USA unter Donald Trump: Das war erst ein Jahr
       
       > Seit zwölf Monaten ist der MAGA-Präsident im Amt und hat im Schnelltempo
       > den Staat umgebaut. Doch der Rückhalt brökelt. Ein Überblick.
       
 (IMG) Bild: Wie lange stärkt die MAGA- Bewegung noch Trump?
       
       Von Deutschland und Europa aus betrachtet war das erste Jahr der zweiten
       Amtszeit von US-Präsident Trump ein Jahr der außenpolitischen Tabubrüche.
       [1][Trump streicht USAID zusammen], Trump bombardiert Iran, Trump
       verhandelt einen (Nicht-)Waffenstillstand in Gaza, [2][Trump entführt den
       Präsidenten Venezuelas], Trump postet seine [3][Grönland-Annexionsgelüste].
       Es fühlt sich an wie vier Jahre, dabei sind es erst 12 Monate.
       
       Doch was bewegt eigentlich die US-amerikanische Bevölkerung? Wie viel
       Rückhalt hat Trump? Die Außenpolitik spielt auch in der US-Debatte eine
       Rolle, doch es sind vor allem der Umbau im Inneren des Landes und die
       Wirtschaftslage, die die Menschen besorgt.
       
       In seiner zweiten Amtszeit ist Trump [4][besser vorbereitet] als noch acht
       Jahre zuvor. Er regiert mit einem rechtskonservativ besetzten Supreme Court
       und mit einem Kongress, in dem die Republikaner in beiden Kammern die
       Mehrheit stellen. Trump hat bereits mehr Executive Orders – Verfügungen per
       Federstrich – unterzeichnet, als während seiner gesamten ersten Amtszeit.
       Das erinnert an das Motto von Meta-Gründer Mark Zuckerberg: „Move fast and
       break things.“ Welchen Scherbenhaufen hat Trump bisher verursacht?
       
       Staatsumbau
       
       Es war ein Tech-Oligarch, der mit dem Kahlschlag der US-Bürokratie
       beauftragt wurde. Tesla- und X-Besitzer [5][Elon Musk führte in den ersten
       Monaten das Department of Government Efficiency,] mit dem Ziel, möglichst
       viele der 2,4 Millionen Bundesbediensteten zu feuern. Fast 300.000 Menschen
       haben seitdem ihre Posten verloren. Seitdem existiert die Agentur für
       Entwicklungshilfe USAID nur noch auf dem Papier. Die Regierung hat
       Milliarden für wissenschaftliche Forschung gestoppt, Programme für
       Bürgerrechte oder Diversität eingestellt und Einstellungskriterien so
       verändert, dass sie Loyalität zu Trump einfordern.
       
       Obwohl er und sein Gesundheitsminister [6][Robert F. Kennedy] mit dem
       Slogan „Make America Healthy Again“ antraten, betraf die Entlassungswelle
       auch die knapp 20.000 Angestellten der FDA, der Behörde für Lebens- und
       Arzneimittelsicherheit. Frühere Mitarbeiter sagen, dass die Gefahr für
       Lebensmittelvergiftungen dadurch steigt. So hat die Behörde für
       Krankheitskontrolle die Zahl der Erreger, nach denen sie in Lebensmitteln
       stichprobenartig sucht, von acht auf zwei gesenkt.
       
       Aktuell klagen Gewerkschaften für Bundesmitarbeiter gegen das Vorgehen der
       Regierung. Doch Trumps Leute planen weitere Einschnitte, etwa bei der
       Gesundheitsversorgung für Veteranen. Es ist kaum vorstellbar, dass sich das
       einer Mehrheit der Bevölkerung verkaufen lässt. Während das
       Bildungsministerium Einschnitte von 40 Prozent hinnehmen musste, gab es
       aber besonders eine Agentur, die einen großen Personalzuwachs verzeichnen
       konnte: die Abschiebebehörde ICE.
       
       Migration
       
       Von Januar bis November 2025 wuchs die Zahl der Mitarbeiter bei ICE von
       20.000 auf 27.000. Neben der Grenzpolizei fungiert ICE als zweite Säule in
       Trumps migrationsfeindlicher Politik. Ihre Aufgabe ist es, im Inneren der
       USA Migranten ohne gültige Aufenthaltspapiere aufzuspüren und sie in
       Abschiebeknästen festzusetzen, von wo aus sie aus den USA ausgeflogen
       werden sollen. [7][Die Regierung schickt immer wieder Suchtrupps] vor allem
       in liberale US-Städte und macht Jagd auf Migranten. Mindestens siebenmal
       kam es dabei zu Schießereien, von denen zwei tödlich verliefen. Für viel
       Aufmerksamkeit sorgte erst am 7. Januar die [8][Tötung von Renée Good durch
       einen ICE-Beamten in Minneapolis.] 2025 starben mindestens 34 Menschen in
       ICE-Gewahrsam.
       
       Die Verhaftungswelle folgt auf Trumps Versprechen der „größten
       Abschiebeoperation in der US-Geschichte“. 1 Million Menschen will Trump
       jedes Jahr abschieben – laut Zahlen des Innenministeriums lag die Zahl
       Anfang Dezember bei gut 600.000. Mit der migrationsfeindlichen Rhetorik und
       der Militarisierung der Südgrenze zu Mexiko kommen ferner kaum noch
       Menschen ins Land, sodass 2025 zum ersten Mal seit 50 Jahren mehr Leute die
       USA verlassen haben als neu hinzukamen. Doch damit nicht genug: 2026 soll
       sich das Budget von ICE verdreifachen. Dagegen scheiterte Trump bislang mit
       seinem Versuch, das Recht auf Staatsbürgerschaft für alle in den USA
       Geborenen auszusetzen.
       
       Für Trump und seinen Einpeitscher, den Vizestabschef Stephen Miller, ist
       die Brutalität dieser Politik gewünscht. Die Bevölkerung ist in ihrer
       Bewertung gespalten, wobei fast alle Demokraten das Vorgehen ablehnen,
       während Republikaner überwiegend dafür sind. Doch in Umfragen Ende 2025
       gaben auch vermehrt konservative und rechte Wähler zu Protokoll, dass ihnen
       die Abschiebekampagne zu weit gehe. Auch Geschäftsleute wehren sich gegen
       ICE-Durchsuchungen in ihren Firmen, weil es schlecht für ihr Business ist.
       Abgesehen von humanitären Bedenken könnte Trump also über seine eigene
       Politik stolpern, wenn sie beeinträchtigt, was ihm und seiner Wählerschaft
       wichtig ist: [9][die Wirtschaft].
       
       Ökonomie
       
       Trotz der permanenten Kulturkampfbeschallung lässt sich Trumps deutlicher
       Sieg bei der Wahl 2024 nicht ohne den Unmut der US-Bürger über die
       wirtschaftliche Lage erklären. Vor allem durch die Coronapandemie waren die
       Lebenshaltungskosten während der Biden-Präsidentschaft deutlich gestiegen –
       und das in einem Land, das seit Jahrzehnten keine Antwort auf
       Deindustrialisierung, Umverteilung von unten nach oben und stagnierende
       Reallöhne gefunden hat und in dem ein beachtlicher Teil der Bevölkerung
       regelmäßig auf Pump lebt. So hatte Trump im Wahlkampf groß angekündigt, er
       wolle die Teuerung zurückdrehen. [10][Aber gelungen ist ihm das kaum].
       
       Die Inflation ist nach einem ersten leichten Abflauen Ende 2025 wieder auf
       3 Prozent angestiegen. Auch Trumps Zölle dürften dazu beitragen. Sie
       treiben den Preis für Importprodukte in den USA in die Höhe, während sie
       nicht den Niedergang der US-Industrieproduktion aufhalten. Weil die
       Republikaner staatliche Subventionen für die Krankenversicherungen
       gestrichen haben, steigen auch dort für viele die Beitragszahlungen. Das
       bestehende Wirtschaftswachstum wird zudem zu einem guten Teil durch die
       Tech-Industrie getrieben, die immer mehr Datenzentren bauen lässt. In der
       Gesamtbetrachtungen werden dagegen deutlich weniger Jobs geschaffen als
       notwendig.
       
       Trump lobt sich natürlich trotzdem und sieht im Gemecker über die hohen
       Preise ein fieses Ablenkungsmanöver der Demokraten. Aber kauft seine
       Wählerschaft ihm das ab? Eine Gallup-Umfrage legt einen anderen Schluss
       nahe. Darin bezeichneten nur [11][21 Prozent der Befragten den Zustand der
       Wirtschaft als „exzellent“ oder „gut“]. [12][40 Prozent der Trump-Wähler
       sagen, die Lebenshaltungskosten in ihrer Gegend seien so schlecht wie nie].
       Und [13][nur 36 Prozent der US-Bürger sind zufrieden mit ihrem
       Präsidenten.]
       
       Selbst während Trumps erster Amtszeit lag der Wert zur gleichen Zeit noch
       höher. Bei den Midterm-Wahlen ein knappes Jahr später verloren die
       Republikaner damals 40 Sitze im Repräsentantenhaus. Bei den Wahlen in
       diesem Herbst könnten sich selbst die uninspirierten Demokraten Hoffnung
       machen, zumindest das Haus zurückzuerobern. Angesichts von schlechten
       Umfragen und vieler skandalgeplagter Regierungsmitglieder sind sogar die
       Republikaner im Kongress etwas von ihrem blinden Gehorsam gegenüber Trump
       abgewichen. Dort stimmten fast alle ihre [14][Abgeordneten für die Freigabe
       der Epstein-Files] und stellten sich gegen den Wunsch des Präsidenten. Die
       frühere Trump-Vertraute und Verschwörungsideologin [15][Marjorie Taylor
       Greene] hat sich mittlerweile von ihm losgesagt und positioniert sich von
       außen als Streiterin der reinen MAGA-Lehre. Auch wenn die aktuelle
       Regierung in der Krise ist, heißt das nicht, dass die Gefahr von rechts
       schwächer wird – im Gegenteil. Der Trumpismus ohne Trump kann noch
       hässlicher werden als das Original.
       
       20 Jan 2026
       
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