# taz.de -- Betrugsvorwürfe in Minnesota: US-Regierung stoppt alle Fördergelder für Kinderbetreuung
> Washington hat Zahlungen für Kinderbetreuung an alle Bundesstaaten
> gestoppt. Trump beschuldigt Somalier, während der Pandemie Gelder
> hinterzogen zu haben.
(IMG) Bild: Hetzt auch zum Jahreswechsel gegen Somalier: US-Präsident Donald Trump, hier bei Silvesterfeier in Mar-a-Lago, Florida
Die US-Regierung um Präsident Donald Trump hat alle Fördergelder zur
Unterstützung von Kinderbetreuungsprogrammen in den einzelnen Bundesstaaten
vorübergehend gestoppt. Dies berichteten mehrere US-Medien am Mittwoch und
beziehen sich dabei auf Regierungsinformationen.
Grund für die Entscheidung sind angebliche Betrugsfälle in Minnesota. Dort
sollen Kinderbetreuungseinrichtungen in großem Stil Steuergelder veruntreut
haben. Viele von diesen Einrichtungen sollen von somalischen Einwanderern
betrieben werden. Die Tatsache, dass es vor allem Ausländer seien, die den
Staat betrügen, hat besonders bei Präsident Trump und unter Republikanern
für große Empörung gesorgt.
Das US-Gesundheitsministerium HHS, das für die Verteilung der Fördermittel
zuständig ist, will so lange keine Gelder an die Bundesstaaten auszahlen,
bis diese beweisen, dass die Gelder wirklich zur Unterstützung von
Kinderbetreuung verwendet werden. Der stellvertretenden Gesundheitsminister
Jim O’Neill erklärte in einer Videobotschaft am Dienstag, dass das
Ministerium ab sofort „eine Begründung, eine Quittung oder einen
Fotobeweis“ verlange, bevor eine Zahlung vorgenommen werde.
## Auflagen gelten im ganzen Land
O’Neills Ankündigung wurde zunächst so interpretiert, dass diese neuen
Auflagen nur für Minnesota gelten würden. Doch HHS-Pressesprecher Andrew
Nixon erklärte am Mittwoch gegenüber ABC News, dass es die Verantwortung
eines jeden Bundesstaates sei, „sicherzustellen, dass diese Gelder, diese
Bundesmittel, Steuergelder, für legitime Zwecke verwendet werden.“
Empfänger von Kinderbetreuungszuschüssen müssten dem Gesundheitsministerium
umfangreiche Unterlagen vorlegen, wie beispielsweise „Anwesenheitslisten,
Lizenzen, Inspektions- und Überwachungsberichte, Beschwerden und
Ermittlungen“, fügte Nixon hinzu.
Der temporäre Stopp betrifft Gelder aus einem Fördertopf für
einkommensschwache Familien. Diese beziehen monatlich Gelder, um die
Betreuung ihrer Kinder zu finanzieren. Im Jahr 2019 – dem letzten Jahr, aus
dem offizielle Regierungsdaten vorliegen – bezogen mehr als 850.000
Familien und damit rund 1,4 Millionen Kinder diese Art von Unterstützung.
Unklar ist, was genau die Länder und Einrichtungen dem
Gesundheitsministerium vorlegen müssen, damit die Gelder wieder fließen.
## Somalische Einwanderer unter Verdacht
Trump, der es seit mehreren Wochen auf somalische Einwanderer in Minnesota
abgesehen hat, postete mehr Kritik am Mittwoch. Auf Truth Social
bezeichnete er die somalische Gemeinde als „Betrüger“ und „Abschaum“.
„Ein Großteil des Betrugs in Minnesota, bis zu 90 Prozent, wird von
Menschen begangen, die illegal aus Somalia in unser Land eingereist sind.
[…] [1][Dieser Abschaum ist nichts als eine große Belastung für unser
Land]. Schickt sie dorthin zurück, woher sie gekommen sind, nach Somalia,
vielleicht dem schlimmsten und korruptesten Land der Welt“, schrieb der
republikanische Präsident dort.
Er griff auch [2][die somalisch-stämmige Kongressabgeordnete Ilhan Omar an]
und behauptete, auch sie sei eine Betrügerin. Beweise gibt es dafür
allerdings keine.
## Betrugsfälle aus der Corona-Zeit
Auslöser für diese und andere Attacken des Präsidenten sowie von
Influencern und Medien aus dem rechten Lager sind Betrugsfälle in
Minnesota, die während der Pandemie aufgedeckt wurden.
Bereits unter Ex-Präsident Joe Biden klage das US-Justizministerium mehrere
Personen in Minnesota an. Sie sollen Fördergelder in Höhe von 250 Millionen
Dollar hinterzogen haben. Diese Gelder waren für ein Essensprogramm für
bedürftige Kinder vorgesehen.
In den letzten Wochen haben diese und andere Betrugsvorwürfe, darunter auch
unbestätigte Vorwürfe gegen mehrere Kindertagesstätten in Minnesota weiter
Fahrt aufgenommen. Die [3][<i>New York Times</i> berichtete im November]
von betrügerischen Strukturen, die den Bundesstaat in den vergangenen
Jahren mehr als eine Milliarde Dollar gekostet hätten.
Ein Großteil der Angeklagten in den Betrugsfällen seien somalischer
Abstammung. In den folgenden Wochen haben rechte Influencer wie Nick
Shirley und konservativen Medien es sich zur Aufgabe gemacht, mehr Betrug
unter somalischen Einwanderern nachzuweisen. Shirley behauptete in der
vergangenen Woche Beweise gefunden zu haben, die belegen würden, dass
Kindertagesstätten in Minneapolis, die von somalischen Einwanderern und
Staatsbürgern betrieben werden, Betrug in Höhe von bis zu 100 Millionen
Dollar begangen hatten. Einen konkreten Beweis legte er nicht vor.
Trotzdem will die Trump-Regierung die Untersuchungen in Minnesota und
anderen US-Bundesstaaten ausweiten. Dass vor allem demokratische Staaten
Ziel dieser Untersuchungen sein werden, spricht die Regierung offen an.
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, sagte am Mittwoch
in einem Interview in der Fox News Sendung „Fox & Friends“, dass die
Regierung auch in anderen von Demokraten regierten Bundesstaaten wie
Kalifornien und New York Betrugsermittlungen in Erwägung ziehe.
1 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Buergermeisterwahl-in-New-York/!6126885
(DIR) [2] /USA-stoppen-Einwanderungsantraege/!6134924
(DIR) [3] https://www.nytimes.com/2025/11/29/us/fraud-minnesota-somali.html
## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
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