# taz.de -- Rückzug aus Gouverneurswahl in Minnesota: Ex-Vizekandidat Tim Walz stolpert über Betrugsskandal
       
       > 2024 trat Tim Walz als Vize mit Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris
       > an. Jetzt zieht er sich aus dem Gouverneursrennen seines Heimatstaats
       > zurück.
       
 (IMG) Bild: Minnesota, USA, 5. Januar: Tim Walz während einer Pressekonferenz im Minnesota Capitol
       
       Der demokratische Gouverneur des US-Bundesstaates Minnesota, Tim Walz, wird
       nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren. Dies verkündet der 61-Jährige
       am Montag auf einer Pressekonferenz. Seine aktuelle Amtszeit endet im
       Januar 2027. Bis dahin will der ehemalige Highschool-Lehrer und
       Football-Trainer sein Amt weiterhin ausführen.
       
       Für Walz ist die Entscheidung, nicht zur Wiederwahl anzutreten, das Ende
       einer politischen Achterbahnfahrt, die im Jahr 2024 mit der Nominierung als
       demokratischer Vizepräsidentschaftskandidat ihren Höhepunkt fand. Als Grund
       für seinen Entschluss nannte er einen sich ausweitenden Betrugsskandal in
       Minnesota.
       
       „Jeder einzelne Dollar, der durch Betrug verschwendet wird, ist ein Dollar
       zu viel, den wir nicht tolerieren können. Und obwohl jeder eine Rolle zu
       spielen hat – von der Legislative über die Staatsanwaltschaft und die
       Versicherungsunternehmen bis hin zu den Kommunen und Landkreisen –, liegt
       die Verantwortung letztendlich bei mir“, erklärte Walz während seiner
       Pressekonferenz.
       
       [1][Kriminelle Gruppen sollen die Sozialsysteme im Bundesstaat um
       Milliarden betrogen haben]. Laut dem US-Justizministerium könnte sich die
       Schadenssumme des systematischen Betrugs der Sozialsysteme in Minnesota auf
       bis zu 9 Milliarden Dollar belaufen.
       
       „Das Ausmaß kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Was wir in
       Minnesota sehen, ist nicht eine Handvoll Krimineller, die Straftaten
       begehen. Es handelt sich um einen Betrug im industriellen Maßstab“, sagte
       Bundesstaatsanwalt Joe Thompson im vergangenen Monat.
       
       ## Kritik an Walz
       
       Kritiker werfen Walz vor, dass dieser während seiner bisherigen zwei
       Amtszeiten nicht genug unternommen hätte, um dieser Hinterziehung von
       Steuergeldern Einhalt zu gebieten. Zu seinen größten Kritikern gehört
       US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte Walz in den vergangenen Monaten
       [2][immer wieder verbal angegriffen].
       
       „Ich denke, Walz ist ein völlig inkompetenter Mann. Mit ihm stimmt etwas
       nicht“, sagte Trump Anfang Dezember während einer Kabinettssitzung im
       Weißen Haus.
       
       Die offiziellen Untersuchungen hinsichtlich betrügerischer Aktivitäten
       reichen bis in die Vor-Corona-Zeit zurück. Laut dem Justizministerium sind
       bisher 98 Personen angeklagt worden. Mehr als 60 wurden bisher verurteilt.
       Ein Großteil der angeklagten Personen [3][ist somalischer Abstammung]. Für
       Präsident Trump reichte dies, alle in Minnesota lebenden Somalier:innen
       als „Betrüger“ und „Abschaum“ zu verunglimpfen.
       
       Walz schloss republikanische Rufe nach einem sofortigen Rücktritt
       kategorisch aus. Er will seine verbleibende Amtszeit unter anderem dazu
       nutzen, die Menschen, die hinter diesen Betrügereien stehen, zur
       Rechenschaft zu ziehen und den Ruf Minnesotas als Staat, der Einwanderer
       willkommen heißt, wieder herzustellen.
       
       „Jede Minute, die ich damit verbringe, meine eigenen politischen Interessen
       zu verteidigen, wäre eine Minute, die ich nicht dafür verwenden kann, die
       Menschen in Minnesota vor den Kriminellen zu schützen, die unsere
       Großzügigkeit ausnutzen, und vor den Zynikern, die unsere
       Meinungsverschiedenheiten für ihre Zwecke missbrauchen wollen“, so der
       Gouverneur.
       
       Als mögliche Nachfolgerin wird die US-Senatorin Amy Klobuchar gehandelt.
       Diese wurde 2006 in den Senat gewählt und kandidierte im Jahr 2020 für das
       Präsidentenamt. Im Interview mit CNN erklärte sie am Dienstag, dass sie
       eine Kandidatur als Gouverneurin ihres Heimatbundesstaates nicht
       ausschließe. „Ich liebe meine Arbeit, ich liebe meinen Bundesstaat und ich
       ziehe es ernsthaft in Betracht“, sagte sie.
       
       7 Jan 2026
       
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