# taz.de -- Eskalation im Südjemen: Saudi-Arabien und die Emirate geraten aneinander
       
       > Die beiden Golfstaaten unterstützen konkurrierende Kräfte im Jemen. Eine
       > vereinigte Front gegen die von Iran unterstützte Huthi-Miliz zerfällt.
       
 (IMG) Bild: Wollen einen eigenen Staat: sepratistische Kämpfer des Southern Transitional Councils am 20. Dezember in Aden
       
       Der Konflikt in Südjemen eskaliert weiter: Am Dienstag flog das Militär des
       Königreichs Saudi-Arabien einen Luftangriff am Hafen von Mukalla. Getroffen
       wurde dabei nach Medienberichten eine Lieferung von Waffen und Fahrzeugen.
       Sie sollten von den Vereinigten Arabischen Emiraten wohl an das sogenannte
       Southern Transitional Council, eine von den Emiraten unterstützte Miliz,
       geliefert werden.
       
       Der Hintergrund des Angriffs: Der Jemen ist seit über zehn Jahren faktisch
       geteilt. Den Norden und Westen des Landes kontrolliert de-facto die
       Huthi-Miliz, die von der Islamischen Republik Iran unterstützt wird. Den
       Süden und Osten des Landes kontrollieren verschiedene Milizen, darunter das
       Southern Transitional Council. Sie sind formal Teil der international
       anerkannten Regierung in der Stadt Aden.
       
       Eigentlich sind Saudi-Arabien und die Emirate Verbündete im Kampf gegen die
       Huthis. Sie unterstützen jeweils Anti-Huthi-Milizen. [1][Doch in den
       vergangenen Wochen wurde immer deutlicher, dass die beiden Staaten in Jemen
       unterschiedliche Ziele verfolgen.] Die Emirate unterstützten Separatisten,
       die den Südjemen vom Norden des Landes abspalten wollen. Diesen Zustand gab
       es bereits: Erst im Jahr 1990 wurde Jemen nach über zwanzig Jahren Teilung
       wiedervereinigt. Saudi-Arabien will keine erneute Aufspaltung des Jemen.
       
       Die von den Emiraten unterstützten Separatisten hatten zuletzt im Osten und
       Süden des Jemen große Gebiete eingenommen – zum Missfallen von Riyad.
       
       ## Zwist innerhalb der Regierung
       
       Schon vor einigen Tagen gab es einen Luftangriff seitens Saudi-Arabien in
       Jemen. Er richtete sich wohl gegen führende Köpfe des Southern Transitional
       Councils. Videos und Bilder in sozialen Netzwerken zeigten aufsteigenden
       Rauch in einer Wüstenlandschaft.
       
       Die derzeitige Eskalation hat Konsequenzen für die Emirate – und für die
       international anerkannte Regierung in Jemen: So hat der Vorsitzende des
       Präsidialrats angekündigt, die Zusammenarbeit mit den Vereinigten
       Arabischen Emiraten im Kampf gegen die Huthi-Miliz zu beenden. Und den
       sofortigen Abzug ihrer Truppen gefordert.
       
       Der Vorsitzende Raschid al-Alimi habe diese Entscheidung „allein“
       getroffen, teilten vier Mitglieder des insgesamt acht Mitglieder zählenden
       Präsidialrats mit. Die vier werden von den Emiraten unterstützt.
       
       Der achtköpfige Präsidialrat, der an der Spitze der international
       anerkannten Regierung sitzt, wurde 2022 eingerichtet mit dem Ziel, die
       Gegner [2][im Kampf gegen die Huthis] in einem Gremium zu vereinen. Der Rat
       ist aber geplagt von internen Differenzen. Und diese nehmen nun weiter zu.
       
       Niemand inner- oder außerhalb des Rats habe die Befugnis, „einseitig
       souveräne, militärische oder strategische politische Entscheidungen zu
       treffen“, hieß es in einer Erklärung der vier von den Emiraten
       unterstützten Mitglieder heute. Solche Entscheidungen müssten im
       Einvernehmen des Rats oder durch Mehrheit getroffen werden. Andernfalls
       seien solche Schritte rechtlich ungültig. „Die Vereinigten Arabischen
       Emirate waren – und sind – ein Schlüsselpartner dabei, dem Projekt der
       Huthi entgegenzutreten“, hieß es. Die Emirate hätten „enorme Opfer“
       gebracht und bei der Befreiung großer Gebiete von der Huthi-Miliz geholfen.
       
       ## Saudi-Arabiens Rhetorik wird schärfer
       
       Angesichts des sich zuspitzenden Konflikts im Jemen hat außerdem
       Saudi-Arabien die Vereinigten Arabischen Emirate aufgefordert, sich binnen
       24 Stunden aus dem Jemen zurückzuziehen. Das Außenministerium in Riad
       erklärte am Dienstag, dass „der Schwesterstaat Vereinigte Arabische
       Emirate“ der Aufforderung des Jemen entsprechen müsse, seine militärischen
       Kräfte „binnen 24 Stunden“ aus dem Land abzuziehen und „jede militärische
       oder finanzielle Unterstützung irgendeiner Seite im Jemen“ einzustellen.
       
       Am Nachmittag kündigte das Verteidigungsministerium der Vereinigten
       Arabischen Emirate dann den Rückzug der verbleibenden Truppen des Landes
       aus dem Jemen an. Wann der Abzug erfolgen soll, bleibt aber bislang unklar.
       
       Derweil dürfte der Zwist die Huthi-Miliz im Norden des Landes freuen. Sie
       hatte jüngst durch Luftangriffe seitens des israelischen Militärs
       [3][führende Köpfe verloren.] Sie [4][galt zumindest als verwundet.] Dass
       sich die Anti-Huthi-Front im Land nun scheinbar selbst zerlegt, könnte ihre
       Macht im Land weiter stärken.
       
       Mit Agenturen 
       
       Hinweis: Wir haben den Text mit fortlaufendem Kenntnisstand aktualisiert
       
       30 Dec 2025
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lisa Schneider
       
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