# taz.de -- Konflikt im Südjemen: Saudi-Arabien lädt zu Konferenz nach Riad
       
       > Separatisten im Südjemen sind zu Gesprächen bereit. Zuvor hatte die
       > saudisch unterstützte Regierung die ölreiche Region Hadramaut
       > zurückerobert.
       
 (IMG) Bild: Alltag im Südjemen: Ein Straßenverkäufer schiebt seinen Karren durch eine Straße in Aden
       
       afp / Reuters | Die Separatisten ⁠im Süden des Jemen haben sich [1][nach
       ihren jüngsten militärischen Rückschlägen] zu Gesprächen mit der
       international anerkannten Regierung bereit erklärt. In einer Erklärung
       begrüßte der Südliche Übergangsrat (STC) am Samstag einen entsprechenden
       Aufruf Saudi-Arabiens zum Dialog als „echte Chance“. Tarek ‍Saleh, ein
       Mitglied des jemenitischen Präsidialrats, traf sich bereits mit dem
       saudischen ⁠Verteidigungsminister Prinz Chalid bin Salman, um die
       diplomatischen Bemühungen des Nachbarlands zu unterstützen.
       
       Zuvor hatten die von Saudi-Arabien unterstützten Regierungstruppen im Jemen
       die ölreiche Region Hadramaut zurückerobert. Die von Riad unterstützten
       Kräfte hätten bei der Offensive, die am Freitag begonnen hatte, einen
       „Rekord-Erfolg“ gegen die von den Vereinigten Arabischen Emiraten
       unterstützte STC-Miliz erzielt, erklärte der Vorsitzende des jemenitischen
       Präsidialrates, Raschad al-Alimi, am Samstag. Das Militärbündnis habe „alle
       Militär- und Sicherheitsstellungen in der Provinz“ an der Grenze zu
       Saudi-Arabien zurückerobert, sagte er.
       
       Die Kämpfe hatten zu einem offenen Konflikt zwischen ⁠den ehemals
       verbündeten Golfmächten Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen
       Emiraten (VAE) geführt. Die VAE unterstützen die Seperatisten, die im
       vergangenen Monat ⁠weite Teile des ehemaligen Südjemen eingenommen hatten
       und eine Abspaltung vom Norden anstreben. Saudi-Arabien, das die
       international ‍anerkannte Regierung ⁠stützt, hatte daraufhin eine Basis
       ‌bombardiert und den Abzug der verbliebenen Truppen der Vereinigten
       Arabischen Emirate gefordert.
       
       ## Saudi-Arabien zerstreitet sich mit Golf-Emiraten
       
       Traditionell sind Saudi-Arabien und die Emirate enge Verbündete. Beide
       Länder führen eigentlich eine Militärkoalition an, die im Jemen gegen die
       vom ‌Iran unterstützten Huthi-Rebellen kämpft. Beide Staaten unterstützen
       aber auch [2][seit langem rivalisierende Fraktionen in der zerstrittenen
       jemenitischen Regierung].
       
       Der von den Emiraten unterstützte STC gehört zwar formal der international
       anerkannten Regierung des Jemen mit Sitz in Aden an. Sie streitet aber seit
       Jahrzehnten für einen unabhängigen Staat im Südjemen, wie er schon einmal
       von 1967 bis 1990 bestand. Im Dezember hatte die Miliz in einer
       Blitzoffensive, in der sie auf wenig Widerstand stieß, große Teile der
       ölreichen und an Saudi-Arabien angrenzenden Provinz Hadramaut sowie auch
       Teile der benachbarten Provinz Mahra an der Grenze zum Oman unter ihre
       Kontrolle gebracht.
       
       Infolge der Offensive der STC-Miliz waren die Emirate und Saudi-Arabien,
       die sich im Jemen auch im [3][Kampf gegen die vom Iran unterstützte
       Huthi-Miliz] zusammengeschlossen haben, in beispielloser Weise miteinander
       in Konflikt geraten. Riad hatte den Emiraten vorgeworfen, den STC zu der
       Offensive an der Südgrenze Saudi-Arabiens gedrängt zu haben. Die Emirate
       dementierten, hinter der STC-Offensive zu stecken.
       
       ## Rückzieher der Vereinigten Arabischen Emirate
       
       Wegen des eskalierenden Konflikts hatte Saudi-Arabien die Emirate am
       Dienstag aufgerufen, ihre verbliebenen Streitkräfte im Jemen binnen 24
       Stunden abzuziehen. Abu Dhabi ging darauf ein.
       
       Zuvor hatte das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis mutmaßliche
       emiratische Waffenlieferungen bombardiert. Bei den von der saudiarabisch
       geführten Militärkoalition ausgeführten Luftangriffen gegen den STC in
       Al-Chascha wurden am Freitag 20 Kämpfer getötet.
       
       Ein Militärvertreter der Regierung teilte mit, in der Stadt 160 Kilometer
       nordwestlich von Mukalla gelegenen Stadt Seijun hätten von Saudi-Arabien
       unterstützte Kräfte die Kontrolle über den Flughafen sowie über
       Verwaltungsgebäude übernommen. Am Samstag teilte ein Militärbeamter des STC
       der AFP mit, dass saudische Kampfflugzeuge „intensive“ Luftangriffe auf
       einen weiteren STC-Stützpunkt in Barschid westlich von Mukalla geflogen
       hätten. Zur Zahl der Getöteten machte er zunächst keine Angaben.
       
       ## Der Jemen ist ohnehin gespalten
       
       Vor diesem Hintergrund hat Saudi-Arabien die dortigen Kräfte zu einer
       Konferenz in Riad eingeladen. Das Außenministerium drang am Samstag in
       einer in Online-Netzwerken veröffentlichten Erklärung auf einen „Dialog“
       und eine „umfassende Konferenz in Riad, um alle südlichen Gruppierungen
       zusammenzubringen, um die richtigen Lösungen für die Sache des Südens zu
       diskutieren“. ⁠
       
       Der Jemen ist seit mehr als einem Jahrzehnt faktisch gespalten: Der Norden
       des Landes wird von der vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Miliz
       kontrolliert, über den Süden des Landes herrscht ein fragmentiertes
       Regierungsbündnis. Sowohl der von den Emiraten unterstützte STC als auch
       von Saudi-Arabien unterstützte Islamisten sind formal Teil der
       international anerkannten Regierung, stehen jedoch seit Jahren in Rivalität
       zueinander.
       
       4 Jan 2026
       
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