# taz.de -- Folgen der Anerkennung Somalilands: Das Wespennest am Roten Meer
> Viele arabische Länder beobachten die Vorgänge um Somaliland mit Argwohn.
> Aber nicht wegen Somalia, sondern wegen der Kriege in Jemen und Gaza.
(IMG) Bild: Nach der Anerkennung durch Israel freuen sich nur manche in der Region
Der beste Ausgangspunkt, die strategische Bedeutung der Anerkennung
Somalilands durch Israel zu verstehen, ist ein Blick auf die Landkarte. Vor
der Küste von Somaliland endet das Rote Meer und öffnet sich nach der
Meerenge Bab El-Mandab das Arabische Meer hin zum Indischen Ozean.
Hier entlang führt eine der wichtigsten internationalen Handels-Routen, die
Europa und Asien verbindet. An der gegenüberliegenden Küste zu Somaliland
liegt Jemen. [1][Das Land hatte sich in den letzten zwei Jahren zu einem
Nebenschauplatz des Gaza-Krieges] entwickelt. Die Huthi-Rebellen im Norden
Jemens hatten Raketen und Drohnen in Richtung Israel abgeschossen und auch
die internationale Schifffahrt im Roten Meer angegriffen, bedroht.
Wer in Somaliland sitzt, erhält strategische Aufklärungstiefe weit nach
Jemen hinein. Das „Institute for National Security Studies“ der Tel Aviv
University beschreibt Somaliland als eine vorgeschobene militärische Basis.
Von dort aus könnten die Bewegungen der Huthis beobachtet und direkte
militärische Operationen durchgeführt werden.
Somaliland beherbergt bereits im Hafen Berbera eine Militärbasis der
Vereinigten Arabischen Emirate, die mit den Abraham-Abkommen auch
diplomatische und sicherheitspolitische Beziehungen mit Israel unterhalten.
Berbara ist ein Stützpunkt, den die Emirate sowohl für militärische
Operationen im Jemen nutzen, wie in den letzten Wochen in Hadramaut, als
auch für den Nachschub von Waffen an [2][die RSF-Milizen in Sudan].
## Ein „Desaster“ für Ägypten?
Die neue Partnerschaft zwischen Israel und Somaliland alarmiert zahlreiche
Länder am Roten Meer sowie in der weiteren Region. Saudi-Arabien betrachtet
die Vereinigten Arabischen Emirate als Konkurrent am Golf und verfolgt
deren Aktivitäten mit Missgefallen, ebenso einen möglichen Ausbau
israelischer militärischer Infrastruktur im südlichen Teil des Roten
Meeres. Das gilt auch für Ägypten, das eine israelische Präsenz am Südende
des Roten Meeres als ein potenzielles Erpressungspotential für eine seiner
wichtigsten strategischen Lebensadern betrachtet – den Suezkanal.
Muhammad Bassal, leitender Redakteur der ägyptischen Tageszeitung Schrouk,
beschreibt das Ganze als „ein Desaster“ und zeigt mit seinem Finger noch
auf einen weiteren Aspekt: Er spricht von der Gefahr einer israelischen
militärischen Infiltration in der Nähe der Nilquellen in Äthiopien.
Die Türkei ist eine andere Regionalmacht, die sich betroffen fühlt. Sie
unterhält wie Ägypten gute Beziehungen zu Somalia, mit dem es eine
Sicherheitskooperation unterzeichnet hat. Türkische Firmen betreiben den
Hafen von Mogadischu und das Land unterhält dort auch eine Militärbasis.
## Von Gaza nach Somaliland?
Somaliland ist also ein strategisches Wespennest. Und als ob das nicht
schon alles genug wäre, gibt es noch eine weitere ungute Verbindung von
Somaliland nach Gaza, über 2.200 Kilometer entfernt. Mitte letzten Jahres
gab es Diskussionen zwischen der israelischen und der US-Regierung über
Somaliland als eine mögliche Destination [3][für aus dem Gazastreifen zu
vertreibende Palästinenser.]
Während einer Pressekonferenz im Weißen Haus wurde US-Präsident Donald
Trump über eine mögliche Verbindung zwischen einer Anerkennung Somalilands
und der dortigen Aufnahme von Palästinensern gefragt. Man sehe sich das an,
das sei eine komplexe Frage, antwortete Trump damals ausweichend. Indem
Israel nun selbst die Anerkennung vollzieht, wird die Möglichkeit von
Somaliland als möglichem Abladeplatz für Palästinenser für die Zukunft
zumindest offengehalten.
28 Dec 2025
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## AUTOREN
(DIR) Karim El-Gawhary
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