# taz.de -- Netanjahu in Mar-a-Lago: Trump droht Iran und Hamas
> Der US-Präsident droht Teheran mit Konsequenzen, sollte das
> Nuklearprogramm fortgesetzt werden. Auch die Hamas warnt er, sie müsse
> ihre Waffen niederlegen.
(IMG) Bild: „Wir werden es sofort tun“: Präsident Trump bei einer Pressekonferenz mit Ministerpräsident Netanjahu in Florida
dpa | US-Präsident Donald Trump droht dem Iran im Schulterschluss mit
Israel neue Militärschläge an. Er befürworte einen erneuten israelischen
Angriff, sollte der Iran weiter Raketen bauen, sagte Trump bei einem
Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in
seiner Residenz Mar-a-Lago in Florida. Noch entschiedener äußerte sich
Trump zum Atomprogramm des Irans: Die USA würden „sofort“ selbst
eingreifen, falls dies nötig sein sollte. Die islamistische Hamas machte
Trump zudem für den stockenden Friedensprozess im Gazastreifen
verantwortlich.
„Wir werden es sofort tun“, sagte der US-Präsident zu möglichen Angriffen
auf den Iran für den Fall, dass diplomatische Versuche scheitern und
Teheran sein Nuklearprogramm fortsetzt. In Abgrenzung zu Israel habe er
sich damit aber offen für eine Wiederaufnahme diplomatischer Gespräche mit
Teheran gezeigt, schrieb dazu das Wall Street Journal. Israels früher
Botschafter in den USA, Michael Oren, sagte dagegen dem Kan-Sender, Trump
habe Israel mit seinen Worten de facto „grünes Licht“ für einen Angriff auf
den Iran gegeben, sollte Teheran sein Raketenarsenal und sein
Nuklearprogramm neu aufbauen.
## Sorge vor neuem Krieg
Ein wichtiger Berater von Irans oberstem Führer Ali Chamenei schrieb auf X,
die Raketenkapazität und Verteidigung des Irans könnten nicht beschränkt
werden und bedürften keiner Erlaubnis. „Jede Aggression wird mit einer
sofortigen harten Reaktion beantwortet, die jenseits der Vorstellungskraft
ihrer Planer liegt.“ Israel hatte im Juni zwölf Tage Krieg gegen den
Erzfeind geführt und mit den USA Atomanlagen bombardiert. Der Konflikt
besteht trotz Waffenruhe fort – eine diplomatische Lösung ist nicht in
Sicht. Israelischen Informationen nach arbeitet Teheran intensiv am
Wiederaufbau seines Raketenarsenals. Zuletzt gab es in beiden Ländern
Berichte über einen möglichen Neubeginn des Kriegs.
Auch der [1][Hamas in Gaza] drohte Trump mit Konsequenzen, sollte diese
nicht wie im Friedensplan vereinbart ihre Waffen niederlegen. Die USA seien
nicht auf eine Eskalation aus. Trump stellte aber klar: „Sie müssen sich
innerhalb einer relativ kurzen Zeit entwaffnen.“ Die anstehende zweite
Phase seines Friedensplans sieht die Entwaffnung der Terrororganisation
vor. Sollte sie dem nicht nachkommen, werde es „wirklich, wirklich schlimm
für sie“, warnte Trump.
Seit dem 10. Oktober herrscht eine Waffenruhe im Gazastreifen, allerdings
kommt es immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen. Bislang sind nicht alle
Bedingungen der ersten Phase von Trumps Friedensplan erfüllt. Zwar wurden
alle noch lebenden Geiseln der Hamas freigelassen, während sich Israels
Armee aus Teilen Gazas zurückzog. Doch befindet sich noch immer die Leiche
einer entführten Geisel in Gaza. Trump traf deren Eltern und versicherte
ihnen, er werde alles tun, um die sterblichen Überreste ihres Sohns
zurückzubringen.
## Trump deutet Meinungsverschiedenheiten an
„Ich mache mir keine Sorgen über das, was Israel tut“, sagte Trump in Bezug
auf seinen Friedensplan für Gaza. Dieser sieht auch eine Übergangsregierung
aus unpolitischen palästinensischen Fachleuten vor. In dieser Frage wird
Israel jedoch vorgeworfen, Fortschritte zu blockieren. Auf die Frage, ob er
eine Rolle der palästinensischen Autonomiebehörde (PA) bei der künftigen
Verwaltung des Gazastreifens sehe, sagte Netanjahu nun, das hänge von der
PA ab und verwies auf die Bedingungen von Trump. Bisher hatte Netanjahu
eine Beteiligung der derzeit nur im Westjordanland regierenden PA strikt
abgelehnt.
Auf die Frage, ob [2][Israels Vorgehen im Westjordanland, einschließlich
der Gewalt durch Siedler], sein Ziel der Stabilisierung des Nahen Ostens
untergrabe, sagte der US-Präsident, Netanjahu und er stimmten in der
Westjordanlandfrage nicht „hundertprozentig“ überein. Netanjahu werde aber
„das Richtige“ tun.
## Israel verleiht Trump höchste Auszeichnung
Netanjahu kündigte die Auszeichnung Trumps mit dem Israel-Preis an, der
höchsten Auszeichnung des Landes, die noch nie an einen Menschen ohne
israelische Staatsangehörigkeit verliehen worden sei. Trump solle für
„seine herausragenden Verdienste“ für Israel und das jüdische Volk geehrt
werden.
Trump sagte, dass die von ihm geforderte Begnadigung Netanjahus, der sich
in einem Korruptionsprozess verantworten muss, „unterwegs“ sei. Das habe
ihm Israels Staatspräsident Izchak Herzog gesagt. Dessen Büro teilte
dagegen mit, seit der Einreichung eines Begnadigungsantrags durch Netanjahu
habe es „kein Gespräch zwischen Präsident Herzog und Präsident Trump
gegeben.“ Es gebe auch noch keine Entscheidung zu dem Antrag, teilte
Herzogs Büro weiter mit.
## USA verteidigen Israels Anerkennung von Somaliland als Staat
Bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zu Israels
umstrittener [3][Anerkennung der ostafrikanischen Republik Somaliland als
unabhängigen Staat] nahmen die USA derweil Israel gegen Kritik in Schutz.
Die stellvertretende US-Botschafterin bei den UN, Tammy Bruce, warf den
Ratsmitgliedern Doppelmoral vor. Mehrere Länder hätten „einseitig“ einen
„nicht existierenden palästinensischen Staat“ anerkannt, ohne dass es eine
Dringlichkeitssitzung gab. Der Vertreter Sloweniens konterte, es handele
sich dabei um ein illegal besetztes Gebiet. Somaliland hingegen sei Teil
des UN-Mitgliedsstaats Somalia. Seine Anerkennung verstoße gegen die
UN-Charta.
30 Dec 2025
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