# taz.de -- Afrikapolitik von Trump und Netanjahu: Ein Kontinent als Spielfeld für die eigene Macht
       
       > Weder US-Präsident Trump noch Israels Premier Netanjahu bedeuten die
       > Länder Nigeria und Somaliland etwas. Es geht letztlich um Geopolitik.
       
 (IMG) Bild: Somalis treten während einer Demonstration auf ein zerrissenes Bild des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu, 28.12.2025
       
       Afrika ist von jeher eine Projektionsfläche, auf der fremde Mächte spielen,
       um in der Heimat Punkte zu machen. Derselbe Geltungsanspruch, der einst
       Europas Imperialmächte des 19. Jahrhunderts zur kolonialen Inbesitznahme
       eines ihnen weithin völlig unbekannten Kontinents verleitete, sorgt nun bei
       den Imperialisten des 21. Jahrhunderts für Kuriositäten ganz anderer Art.
       
       Da lässt [1][US-Präsident Donald Trump von Kriegsschiffen im Atlantik aus
       Marschflugkörper auf Nigeria abfeuern,] um, wie er meint, beispiellose
       Massaker an Christen durch islamistische Terrorgruppen zu stoppen. Dass an
       den Zielorten weder Christen noch islamistische Terrorgruppen leben, ist
       unwichtig. Wichtig ist: In Nigeria geht das [2][US-Militär viel weiter als
       bisher in Venezuela,] allem Säbelrasseln in der Karibik zum Trotz. Und auf
       US-Marschflugkörper gegen Terrorattacken wartet sogar die von Russland
       ständig angegriffene Ukraine vergeblich. Nigeria ist plötzlich
       US-Kriegsschauplatz Nummer Eins – in direkter Nachbarschaft zu den von
       Russland unterstützten Militärregimen in der afrikanischen Sahelzone.
       
       Israels Premierminister Benjamin Netanjahu vollzieht fast gleichzeitig die
       vollwertige diplomatische Anerkennung der Republik Somaliland am Horn von
       Afrika. Das frühere Kolonialgebiet, das sich nach der Unabhängigkeit mit
       Somalia vereinte, vor 35 Jahren wieder abspaltete und seitdem von der Welt
       ignoriert wird, ist begeistert – zu Recht: Es hat lange genug gewartet.
       Israel nutzt klug aus, dass die arabischen und afrikanischen Nachbarn
       Somaliland isolieren, statt es als Stabilitätsanker in einer unruhigen
       Weltregion einzubinden. In dieses strategische Vakuum stößt Netanjahu aber
       sicher nicht aus Selbstlosigkeit. Er will, so vermuten Kritiker,
       Palästinenser aus Gaza ans Horn von Afrika verfrachten und von dort aus die
       Arabische Halbinsel geopolitisch in die Zange nehmen und Konkurrenten wie
       Iran und die Türkei kontern. Um Somaliland selbst geht es ihm nicht.
       
       Die [3][jubelnden Menschen in Somaliland haben noch gar nicht gemerkt, wie
       sehr sie Netanjahus Schachzug regional isolieren könnte.] Und auch der
       breite politische Konsens in Nigeria, der die US-Luftangriffe begrüßt und
       weitere fordert, dürfte sich schnell verflüchtigen, sollten antiwestliche
       Kräfte in der Region aus dem Unvermögen der US-Luftwaffe Kapital schlagen.
       
       Aber bis es so weit ist, können sich Trump und Netanjahu als afrikanische
       Meisterstrategen feiern. Die eigene Öffentlichkeit weiß es nicht besser,
       und die afrikanische Öffentlichkeit zählt für sie nicht. So wie vor 140
       Jahren, als in Europa afrikanische Kolonialreiche gezimmert wurden.
       
       28 Dec 2025
       
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